Kämpfe in Mali: Islamisten greifen Timbuktu an

Vor zwei Monaten ließ sich Frankreichs Präsident Hollande hier als Befreier feiern, nun sind die islamistischen Kämpfer zurück in Timbuktu. Ein Selbstmordanschlag erschütterte die Stadt im Norden Malis, Regierungssoldaten und Rebellen liefern sich schwere Gefechte.

Malische Soldaten in Timbuktu: Verletzte bei Kämpfe gegen Aufständische Zur Großansicht
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Malische Soldaten in Timbuktu: Verletzte bei Kämpfe gegen Aufständische

Timbuktu - Knapp zwei Monate, nachdem französische Truppen die Islamisten aus Timbuktu vertrieben haben, sind in der Stadt im Norden Malis die Gefechte erneut aufgeflammt. Bei Kämpfen zwischen den Soldaten, die von einer französischen Militäreinheit unterstützt wurden, und islamistischen Kämpfern seien am Sonntag mindestens zwei Dschihadisten getötet worden, teilte ein Offizier der malischen Armee mit. Vier Soldaten der Regierungsarmee seien verletzt worden.

Am späten Samstagabend hatte sich ein Selbstmordattentäter an einem Kontrollposten in Timbuktu in die Luft gesprengt. Bei dem Anschlag wurde ein malischer Soldat verletzt. Seither sucht die Armee mit einem Großaufgebot nach verschanzten Aufständischen, die al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM) angehören sollen.

An mehreren Punkten in der 50.000-Einwohner-Stadt lieferten sich beide Seiten am Wochenende heftige Gefechte. Nach Angaben von Anwohnern und Militärangehörigen konzentrierten sich die Kämpfe auf eine Schule und ein Militärlager in Timbuktu. Die Angreifer attackierten zudem das Hotel Colombe im Zentrum der Stadt, in dem eine große Regierungsdelegation Quartier bezogen hatte. Die Hotelgäste konnten unverletzt in eine französische Militärbasis gebracht werden. Die Straßen seien wie ausgestorben, sagten Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP. Viele versteckten sich in ihren Häusern vor den Kämpfen.

Timbuktu, knapp tausend Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako gelegen, hatte bis zum Einmarsch malischer und französischer Truppen im Januar etwa zehn Monate lang unter der Kontrolle radikaler Islamisten gestanden. Nach der Eroberung der Stadt hatte sich Frankreichs Präsident François Hollande von den Einwohnern als Befreier feiern lassen.

Frankreich will Soldaten abziehen

Doch viele islamistische Extremisten konnten damals fliehen und zogen sich zwischenzeitlich in das unwegsame Ifoghas-Gebirge im Nordosten Malis zurück. Inzwischen gelang es einigen Kämpfern offenbar, in die Stadt zurückzukehren. Sie seien "zu Fuß und auf Fahrrädern" gekommen, sagte ein Offizier.

Das Attentat vom Samstag ist der zweite Selbstmordanschlag in Timbuktu innerhalb von zehn Tagen. Am 21. März hatte sich ein Mann mit seinem Auto nahe des Flughafens in die Luft gesprengt und einen Soldaten getötet.

Das Wiedererstarken der Aufständischen passiert just zu dem Zeitpunkt, da Frankreich sein Engagement in Mali zurückfahren will. Erst am Donnerstag hatte Hollande bekräftigt, dass er die Zahl der französischen Soldaten im Land bis Juli auf 2000 senken will. Zum Jahresende sollen noch tausend Armeeangehörige vor Ort seien. Gegenwärtig sind noch 4000 Franzosen an dem Militäreinsatz beteiligt.

Schritt für Schritt soll in den kommenden Monaten eine 7000 Mann starke afrikanische Friedenstruppe den brüchigen Frieden in Mali sichern. Die Uno rechnet gar damit, dass für eine Befriedung des Landes mindestens 10.000 Soldaten benötigt würden. Wie schwer diese Aufgabe ist, zeigt ein Anschlag auf zwei nigerianische Soldaten, die am Samstag in Mali getötet wurden. Die anhaltende Gewalt gefährdet auch die Durchführung der für Juli geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen.

syd/AFP/AP/Reuters

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Vielleicht
seine-et-marnais 31.03.2013
Zitat von sysopAFPVor zwei Monaten ließ sich Frankreichs Präsident Hollande hier als Befreier feiern, nun sind die islamistischen Kämpfer zurück in Timbuktu. Ein Selbstmordanschlag erschütterte die Stadt im Norden Malis, Regierungssoldaten und Rebellen liefern sich schwere Gefechte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kaempfe-in-mali-islamisten-greifen-timbuktu-an-und-verueben-anschlaege-a-891848.html
Vielleicht kann man ja etwas versuchen was in einer Karikatur über die ganz Frankreich gelacht hat so zum Ausdruck gebracht worden war: Liegen sich französische Soldaten und Dschihadisten gegenüber. Ruft ein französischer Soldat zu den Dschihadisten: Wir geben euch unsere Waffen wenn ihr nach Syrien geht. Hollande bekommt hier ein ernstes Problem, erst am Donnerstag hat er in seinem Interview angekündigt dass im Folgemonat der Rückzug der französischen Truppen aus Mali beginnt. So sieht es anscheinend nicht aus, und man sollte endlich einmal anfangen zu diskutieren wie man die vollkommen aus dem Ruder gelaufene Politik im Nahen Osten und in Nordafrika korrigieren kann. Langfristig bleibt es ja nicht bei dschihadistischen Kriegen und Attacken in diesen Regionen, in Europa haben wir ja bereits Attentate dieser Personen erlebt. Das Mittelmeer ist da keine unüberwindliche Grenze.
2. Diese Terroristen bekämpft man nicht,
kornfehlt 31.03.2013
indem man diese vertreibt. Wer den Rückzugsweg nicht zu möglichst 100% abstellt, hat keine Ahnung von Kriegsführung.
3.
redhead72 31.03.2013
Zitat von sysopAFPVor zwei Monaten ließ sich Frankreichs Präsident Hollande hier als Befreier feiern, nun sind die islamistischen Kämpfer zurück in Timbuktu. Ein Selbstmordanschlag erschütterte die Stadt im Norden Malis, Regierungssoldaten und Rebellen liefern sich schwere Gefechte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kaempfe-in-mali-islamisten-greifen-timbuktu-an-und-verueben-anschlaege-a-891848.html
Hollande hätte die ISAF-Soldaten in Kunduz fragen sollen, was ein kurzfristiger militärischer Sieg tatsächlich wert ist. Die sitzen in diesem Rattenloch nämlich nun schon seit 2004. Die islamistischen Rebellen betreiben natürlich asymmetrische Kriegsführung: gegen eine militärisch überlegene Armee wie die der Franzosen geht man natürlich im direkten Kampf unter. Die Franzosen können sich also schon jetzt einmal auf eine ähnlich lange Verweildauer einrichten wie die ISAF in Afghanistan. Fragt sich nur, ob Hollande den französischen Uranminenunternehmen in Mali auch die (sehr teure) Rechnung dafür schicken wird. Der einzige "Vorteil" der Franzosen sind hier ihre Fremdenlegionäre: wenn die ums Leben kommen, gibt es in der Öffentlichkeit weniger Protest und Widerstand, als wenn es eigene Landsleute wären...
4. Wer hatte was anderes erwartet ?
hugahuga 31.03.2013
Zitat von sysopAFPVor zwei Monaten ließ sich Frankreichs Präsident Hollande hier als Befreier feiern, nun sind die islamistischen Kämpfer zurück in Timbuktu. Ein Selbstmordanschlag erschütterte die Stadt im Norden Malis, Regierungssoldaten und Rebellen liefern sich schwere Gefechte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kaempfe-in-mali-islamisten-greifen-timbuktu-an-und-verueben-anschlaege-a-891848.html
Herr Hollande spielt den Helden, lässt sich als Retter feiern, zieht Deutschland mit hinein, obwohl es vorrangig darum geht den Franzosen die Ausbeutung der Bodenschätze zu sichern. Schon damals schrieb ich, dass sich die Rebellen in die Mali umgehenden Länder absetzen, sich neu formieren und mit frischen libyschen Waffen erneut den Kampf aufnehmen. Deren Vorteil: Die wohnen dort, sind dort zu Hause. Um einen gewissen Herrn Hollande im fernen Paris scheren die sich nicht. Uns sollte er mehr Soldaten schicken - egal - dann geht das Ganze eben so weiter. Mal sehen, wie sich Deutschland verhält. ,In Treue fest' - zu dem unbeliebten Hollande? Wahrscheinlich - das kann teuer werden und für unserearmen Soldaten vielleicht sogar tödlich enden. Besser neu überlegen. Das Wegbomben der Gaddafi Regierung durch USA, GB und F zeitigt Spätfolgen in Nordafrika und in Syrien, ja im ganzen NO, die man hätte absehen und vermeiden können. Wer hat denn nun etwas davon gewonnen? Sicher auch nicht die libyschen Frauen - man merkt die Scham unserer Medien, darüber zu berichten. Wenn's nicht passt, dann schweigen dieser bekanntermaßen ja lieber.
5. Timbuktu ein Sprungbrett nach Europa
pförtner 31.03.2013
Um es klar zu sagen , Frankreich verteidigt die Außengrenzen von Europa. Deutschland schickt eine Tral und eine Hand voll Ausbilder und nennt das Freundschaftsdienst.
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