Kämpfe im Libanon: Viele Tote bei Gefechten zwischen Armee und Salafisten

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AP/dpa

Kämpfe in Sidon: Die Stadt gleicht einem Bürgerkriegsgebiet

Mindestens zwölf Tote, mehr als 50 Verletzte: Die libanesische Armee hat sich in der Stadt Sidon verlustreiche Kämpfe mit den Anhängern eines radikalen Predigers geliefert. Der Scheich fordert die Soldaten zur Fahnenflucht auf.

Beirut/Hamburg - Die libanesische Stadt Sidon gleicht einem Bürgerkriegsgebiet. Bei Gefechten zwischen der Armee und sunnitischen Extremisten sind seit Sonntag mindestens zwölf Soldaten getötet und mehr als 50 weitere verletzt worden.

Die Kämpfe begannen am Sonntagnachmittag, als bewaffnete Anhänger des salafistischen Predigers Ahmed al-Assir einen Armee-Checkpoint in der Stadt attackierten und mehrere Soldaten töteten. Mit dem Angriff eskalierte der seit Wochen schwelende Konflikt zwischen den Extremisten und der Armee in der Stadt.

Der Prediger Assir hat in den vergangenen Monaten rapide an Unterstützung unter Sunniten im Libanon gewonnen. Sein Hauptgegner ist die schiitische Hisbollah, die er als Ungläubige und iranische Agenten brandmarkt. Der Armee wirft er vor, die Hisbollah zu schützen. An Brisanz gewann dieser Konflikt durch den Bürgerkrieg in Syrien: Während Assir zum Heiligen Krieg gegen die Truppen von Baschar al-Assad aufgerufen hat, kämpfen die Milizionäre der Hisbollah auf Seiten des Regimes. Mehrfach lieferten sich Assirs Kämpfer und die Hisbollah in den vergangenen Wochen Scharmützel im Südlibanon.

Libanons Armee zeigt sich entschlossen

Nach dem Angriff auf den Armee-Checkpoint reagierte das Militär mit dem Beschuss der Bilal-bin-Rabah-Moschee in Sidon. Dort predigt der radikale Scheich Assir. Dessen Unterstützer leisteten erbitterten Widerstand, feuerten mit Maschinengewehren und Panzerabwehrraketen auf die anrückenden Truppen. Wie viele Kämpfer auf Seiten Assirs bei den Gefechten ums Leben kamen ist bislang unklar.

Auch nahe des palästinensischen Flüchtlingslagers Ain al-Hilweh am Stadtrand von Sidon griffen militante Sunniten die Armee an. Das Camp ist seit Jahren eine Hochburg der Islamisten, unter den Kämpfern sollen zahlreiche Ausländer sein.

Die Armee teilte mit, sie wolle Assir festnehmen. "Wir werden mit eiserner Faust gegen jeden zuschlagen, der auch nur daran denkt, das Blut der Armee zu vergießen", hieß es in einer Erklärung. Assir rief seinerseits in einer auf YouTube verbreiteten Videobotschaft Soldaten dazu auf, zu desertieren. Außerdem forderte er seine Anhänger auf, Straßensperren im ganzen Land zu errichten.

Zahlreiche Unterstützer befolgten seine Anweisung. Sie blockierten die wichtige Küstenstraße zwischen Beirut und dem Südlibanon. Auch im Bekaa-Tal und anderen Gegenden des Landes legten Assirs Anhänger den Verkehr lahm.

Die libanesische Politik verurteilt das Vorgehen der Salafisten einhellig. Der ehemalige Regierungschef Saad Hariri, Führungsfigur der libanesischen Sunniten, sagte, trotz der Provokationen der Hisbollah dürften sich die Libanesen nicht in eine Konfrontation mit dem Staat hineinziehen lassen. "Die Sünden der Hisbollah sind keine Entschuldigung dafür, das Gesetz zu brechen und die Armee anzugreifen."

syd/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 88 Beiträge
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1. Dank dem Westen
original-native 24.06.2013
Und den terrorstaaten Saudi Arabien und quatar wird das ganze langsam wirklich zu einem Flächenbrand.... Überall auf der Welt werden die Salafisten verfolgt, in Libanon und Syrien werden sie unterstützt. Ich fühl mich von der Welt verarscht, Sorry...
2. Saat
Izmi 24.06.2013
Zitat von sysopMindestens zwölf Tote, mehr als 50 Verletzte - Die libanesische Armee hat sich in der Stadt Sidon verlustreiche Kämpfe mit den Anhängern eines radikalen Predigers geliefert. Der Scheich fordert die Soldaten zur Fahnenflucht auf. Kämpfe in Sidon zwischen Armee und Salafisten von Scheich Assir - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kaempfe-in-sidon-zwischen-armee-und-salafisten-von-scheich-assir-a-907445.html)
Die Saat geht auf! Wer wie der sog. "Westen" solange und so eindeutig die sunnitischen Salafisten in Syrien unterstützt, darf sich nun nicht wundern, wenn diese Terrorbanden das als Einladung betrachten, ihre Vorstellungen von einer uneingeschränkten Islamherrschaft über alle nahen und fernen Länder zu verbreiten. Das nächste wird wohl Jordanien sein. Und das dann mit hochmodernen Waffen - geliefert vom "Westen"...
3. Hariri ausschalten
sysiphus-neu 24.06.2013
Jetzt ist es an der Zeit, im Libanon richtig aufzuräumen. Wenn die Schiiten, Drusen und Christen den Frieden im Land bewahren wollen, dann müssen sie die Gewalt der Terror-Sunni-Milizen stoppen und diese Banden auflösen. Hariri und sein ganzer korrupter Clan sind nichts weiter als Kostgänger der Petro-Diktaturen vom Golf, die auch in der Levante ihren Salafaschismus gewaltsam installieren wollen. Und wie immer unterstützt der Westen die schlimmsten aller Verbrecher im Land, das ist ebenso typisch wie widerwärtig.
4.
Dr. Adler-Auge 24.06.2013
Die Berichterstattung ist sehr dünn. Es wird Zeit Libanon von diesen dreckigen Gestallten zu säubern. Unter den Salafisten befinden sich wie in Syrien auch Ausländische Kasper-Kämpfer die gezielt auf Zivilisten schießen. Es lebe die libanesische Armee! Die Hisbollah hält sich aus taktoschen Gründen zurück...
5. Wieviele...
Sotho 24.06.2013
...dieser Waffen werden eigentlich vom deutschen Steuerzahler finanziert? Über Entwicklungshilfe oder Spenden von Libanesen die hier von der Stütze leben. Die Muslime der unterschiedlichsten Glaubensrichtungen bombardieren Moscheen oder verüben Anschläge auf diese. Man stelle sich einmal vor hier würde eines dieser "Gotteshäuser" von deutschen Behörden abgerissen werden, weil dort Hassprediger und Islamisten ihr Unwesen treiben. Dann gäbe es weltweit Demos und Terror von Seiten dieser lieben friedfertigen Gläubigen.
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