Krieg in Syrien: Rebellen und Armee kämpfen um Aleppos Altstadt

Die Kämpfe um Aleppo haben die Altstadt der syrischen Metropole erreicht. Beobachter melden Gefechte an den Toren zu dem Stadtteil, der als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt ist. Ein Aufstand von Gefangenen wurde blutig niedergeschlagen.

Amman/Beirut - Seit vier Tagen wird um Aleppo gekämpft, nun haben die Gefechte die Altstadt der Millionenstadt erreicht. Rebellen und Soldaten lieferten sich an den Toren zu dem Stadtteil Schusswechsel, berichteten Augenzeugen am Dienstag. Demnach wurde an zwei von mehreren Toren zur Altstadt gekämpft.

Ein Oppositioneller sagte der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon, die Aufständischen versuchten, die Kontrolle über das Viertel zu gewinnen, nachdem sie bereits sechs Stadtteile erobert hätten. Die Altstadt von Aleppo ist als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt.

In der nur rund 50 Kilometer von der türkischen Grenze entfernten Millionenstadt setzten die Rebellen ihre jüngste Offensive gegen die Regierungstruppen fort. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana meldete am Dienstag, Soldaten hätten den Rebellen bei Kämpfen in den Vierteln Salaheddine und Sukkari schwere Verluste zugefügt.

Die in London ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete unterdessen über Bombardements mehrerer Stadtviertel durch Regierungstruppen in der Nacht zum Dienstag. In einigen Teilen der Stadt habe es in den frühen Morgenstunden auch Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad gegeben. Die Angaben aus Syrien können kaum bestätigt werden, weil die Regierung eine unabhängige Berichterstattung weitgehend unterbindet.

Gefängnismeuterei niedergeschlagen

Aleppo war lange Zeit von dem Aufstand gegen Assad verschont geblieben. Die Gefechte dort begannen am Wochenende, als Regimegegner erklärten, die Stadt befreien zu wollen. Mehrere Rebellengruppen schlossen sich dazu nach eigenen Angaben in einer neuen Allianz, der Brigade für die Vereinigung, zusammen.

Bei der gewaltsamen Unterdrückung einer Meuterei sind in einem Gefängnis in Aleppo acht Häftlinge getötet worden. Wie der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) mitteilte, setzten die Sicherheitskräfte in der Nacht zum Dienstag scharfe Munition und Tränengas gegen einen "friedlichen Sitzstreik" der Insassen des zentralen Gefängnisses von Aleppo ein. Dort habe es zudem einen Brand gegeben. Das Gefängnis sei aber aus der Luft von Helikoptern aus beschossen worden, so dass den Häftlingen nicht habe geholfen werden können.

Assad ernennt neuen Sicherheitschef

Eine Woche nach dem tödlichen Anschlag auf Vertreter der syrischen Führung hat die syrische Führung den Sicherheitsapparat umstrukturiert und einen neuen nationalen Sicherheitschef benannt. General Ali Mamluk werde neuer Leiter der Behörde für Nationale Sicherheit und damit in den Rang eines Ministers versetzt, verlautete am Dienstag aus syrischen Sicherheitskreisen. Mamluk überwache den kompletten Sicherheitsapparat und stehe in direktem Kontakt zu Staatschef Assad.

Die syrische Regierung hat nach israelischen Angaben weiter die volle Kontrolle über ihre Chemiewaffen. Zwar kämpfe Assad ums Überleben, doch habe er weiter die "totale Kontrolle" über die Waffen, sagte der Reservegeneral Amos Gilad am Dienstag.

Außenminister Avigdor Lieberman wiederholte die israelische Warnung vor einer Weitergabe syrischer Bio- und Chemiewaffen an die verbündeten Islamisten der Hisbollah im Libanon. "Aus unserer Sicht wäre das ein klarer Kriegsgrund", sagte Lieberman in Brüssel. "Wir würden entschlossen und ohne Zögern oder Zurückhaltung reagieren." Syrien hatte am Montag erstmals den Besitz von Massenvernichtungswaffen eingeräumt und mit deren Einsatz gegen das Ausland gedroht.

fab/AFP/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wortwahl
rechtschreibreformreform 24.07.2012
"Syrien hatte am Montag erstmals den Besitz von Massenvernichtungswaffen eingeräumt und mit deren Einsatz gegen das Ausland gedroht." Wenn ich in jüngster Vergangenheit irgendetwas überlesen haben sollte, bitte kläre mich jemand auf. Wenn dies nicht der Fall ist, protestiere ich hiermit scharf gegen diese Art und Weise des Schreibens, denn Berichterstattung kann man das dann nicht mehr nennen. Frage: Wurde seitens der amtierenden syrischen Regierung angedroht, Chemiewaffen gegen auf syrischem Boden operierende, ausländische Kräfte einsetzen zu wollen, oder tatsächlich gegen das Ausland? Ich bitte dringend, zu differenzieren und nicht in Propaganda zu verfallen!!!
2.
seppuproff 25.07.2012
Auch nach dem dritten Blick steht da: "Aleppo war lange Zeit von dem Aufstand gegen Assad verschont geblieben. Die Gefechte dort begannen am Wochenende, als Regimegegner erklärten, die Stadt befreien zu wollen. Mehrere Rebellengruppen schlossen sich dazu nach eigenen Angaben in einer neuen Allianz, der Brigade für die Vereinigung, zusammen." Haben die Bürger der größten Stadt Syriens nach den "Befreiern" gerufen? Wer sind diese "Befreier"? Wer hat sie geschickt, Krieg und Not nach Aleppo zu bringen? Das "Regime", der "Assad-Clan"? Oder nicht doch das steinzeit-islamistische Herrscherhaus der Saudis, das mit freundlicher Unterstützung der Nato Geld und Waffen liefert......an wen wohl? Einen laizistischen Staat in der Nachbarschaft können die fanatischen Diktatoren in den Palästen von Saudiarabien und Bahrain nicht länger dulden! Wo sind die kirtischen Stimmen unserer demokratischen Regierungen,? Was sagt unsere freie Presse? Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen leider nur "regierungsoffizielles". Und SPON gehört nicht zu den Ausnahmen............Schade!
3. Heutige "Bilanz"
KerKaraje 25.07.2012
Zitat von sysopDie Kämpfe um Aleppo haben die Altstadt der syrischen Metropole erreicht. Beobachter melden Gefechte an den Toren zu dem Stadtteil, der als Uno-Weltkulturerbe anerkannt ist. Ein Aufstand von Gefangenen wurde blutig niedergeschlagen. Kämpfe in Syrien erreichen Altstadt von Aleppo - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,846168,00.html)
Diese Seite zeigt relative Erfolge der syrischen Armee: Syrian Center for Documentation Newsletter ,sent at 2012-07-24 (http://documents.sy/newsletter.php?action=download&id=307&lang=en) Man sollte sie nicht pauschal als "Propaganda" der syrischen Regierung denunieren, denn a) hier gibt es auch etliche Videos erfolgreicher Rebellenattacken b) hier werden auch vielfach Demos berichtet
4. Re: Wortwahl
spon-facebook-531699464 25.07.2012
Original: "These weapons are meant to be used only and strictly in the event of external aggression against the Syrian Arab people,", Jihad Makdissi, Sprecher des syrischen Aussenministeriums. Der Artikel verlinkt auf einen anderen Artikel, in den ich soweit eine akkurate Uebersetzung vorfinde. Offensichtlich gibt es keine Einschraenkung auf "syrischen Boden". Es gibt auch keine Definition von "Aggresion", defakto stellen auch Wirtschaftssanktionen ja auch voelkerrechtlich eine Aggression dar. Ihre Wortwahl ist extrem bedenklich, da sie eine eigene Recherche wie man sie von einen muendigen Buerger erwarten sollte, vermeidet und ganz bewusst einen gewissen Eindruck erzeugen soll. Es waere auch irrelevant, ob es um den Einsatz gegen das AUsland, auslaendischen Boden oder im Inland geht. Der Einsatz von B- und C-Waffen ist international geaechtet. Syrien gehoert allerdings zu den sechs Staaten, die der Chemiewaffenkonvention nicht beigetreten ist. Ich kann in Ihren vorliegenden Kommentar keine Verurteilung erkennen, dass Syrien das nicht getan hat. Ebenso nicht, dass Syrien bereit waere Chemiewaffen einzusetzen - wo und wie auch immer. Als jemand der offensichtlich in Deutschland lebt, eines der Laender die in ihrer Geschichte C-Waffern einsetzte, wuerde ich um etwas Zurueckhaltung bitten. Die Androhung C-Waffen einzusetzen ist durch nichts, aber auch garnichts zu rechtfertigen.
5. Sachbezogenheit
rechtschreibreformreform 25.07.2012
Sie können von einem mündigen Bürger erwarten, daß er umfassend, wahrheitsgemäß und wertfrei informiert werden möchte. Um Aufklärung zu bitten, ist Teil meiner Recherche. Danke dafür, daß Sie dem entsprechen wollen. Mitnichten sprach ich die Frage der Legitimierung des Einsatzes jedweder Waffen an. Das werden Sie erkennen müssen, wenn Sie sich meine Frage nochmal durchlesen. Es ging, wie auch meine ursprüngliche Betreffzeile deutlich machte, um Formulierungsfragen. Ich bitte Sie hiermit ausdrücklich darzustellen, welche meiner Wortwahl, und zwar in all ihrem Zusammenhang (!), "extrem bedenklich" wofür und für wen ist, denn ich finde extrem bedenklich, in welche Ecke Sie mich hier stellen wollen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Bürgerkrieg in Syrien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 7 Kommentare
Fotostrecke
Syrien: Der Kampf der Staatsmedien

Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Syrien-Reiseseite


Fotostrecke
Syrien: Schwere Kämpfe in den Städten
Karte