Seoul - Es war ein kaum verdecktes Ultimatum aus Südkorea - und Nordkorea reagierte mit einer Absage. Das Land lehnt offizielle Gespräche über das gemeinsame Industriegebiet Kaesong ab. Das meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Freitag unter Berufung auf das Nationale Verteidigungskomitee Nordkoreas.
Das südkoreanische Vereinigungsministerium hatte am Donnerstag versucht, Nordkorea zur Wiederaufnahme der Zusammenarbeit in der Sonderwirtschaftszone Kaesong zu bewegen. Der südkoreanische Ministeriumssprecher Kim Hyung Seok bot Gespräche auf Arbeitsebene an, um die Wiedereröffnung des Komplexes zu erreichen, drohte für den Fall einer Ablehnung bis zum Freitag aber mit "bedeutenden Maßnahmen". Welche Maßnahmen gemeint seien, führte er nicht näher aus.
Südkorea unterstütze weiterhin einen stabilen Betrieb und Verbesserungen für Keasong, sagte der Ministeriumssprecher in Seoul. "Aber wir können so nicht weitermachen." Sollte Pjöngjang nicht binnen 24 Stunden auf das Gesprächsangebot reagieren, müsse Seoul "ernsthafte Konsequenzen" ziehen - Pjöngjang hatte am 9. April seine rund 53.000 Arbeitskräfte aus Kaesong abgezogen, wodurch Milliardenumsätze auf dem Spiel stehen.
Ein dauerhafter Rückzug des Südens aus dem Industriekomplex hätte für den Norden drastische Folgen: 123 südkoreanische Unternehmen beschäftigen dort normalerweise 53.000 Menschen. Es ist eine wichtige Einnahmequelle für die Nordkoreaner, die sonst kaum die Möglichkeit haben, an harte Devisen zu kommen. Kaesong liegt zehn Kilometer innerhalb des nordkoreanischen Territoriums. Derzeit befinden sich noch 176 der sonst 850 südkoreanischen Mitarbeiter in der Anlage.
Der frühere südkoreanische Präsident Kim Dae Jung hatte Ende der neunziger Jahre eine Politik der Annäherung an den Norden betrieben. Diese "Sonnenscheinpolitik" führte auch zur Gründung der Sonderwirtschaftszone Kaesong, die seit 2004 betrieben wird und inzwischen Umsätze von rund zwei Milliarden Dollar ermöglichte.
Auch die Wirtschaft Südkoreas wird durch die Blockade Kaesongs getroffen. Produktionsausfälle und wegbrechende Aufträge bringen zahlreiche Firmen in Bedrängnis, Seoul sagte ihnen am Mittwoch Finanzspritzen zu.
Der Verband der betroffenen Firmen appellierte am Donnerstag an Nordkorea, den Industriekomplex nicht aufs Spiel zu setzen. Beide Länder hätten im Gründungsabkommen garantiert, dass die Sonderzone 50 Jahre lang betrieben werde. "Die Geschäftsleute in Kaesong werden das Recht auf die Garantie beider Regierungen nicht aufgeben", hieß es in einer Erklärung.
hen/AFP/Reuters
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