Kaliforniens neuer Gouverneur Newsom Der Mann, der Trump eine Schande nennt

Kaliforniens legendärer Gouverneur Jerry Brown dankt ab. Mit seinem Nachfolger Gavin Newsom hat der Staat einen vehementen Kritiker von US-Präsident Donald Trump gewählt - mit ehrgeizigen Plänen.

Kaliforniens neuer Gouverneur Gavin Newsom
imago/ ZUMA Press

Kaliforniens neuer Gouverneur Gavin Newsom

Von , New York


Der eine ist grantig und derb, der andere jovial und gelackt. Der eine ist politisches Urgestein, der andere lernt noch. Der eine züchtet Rinder, der andere hat einen Tesla vor seiner Millionenvilla stehen.

Jerry Brown, den scheidenden - und dienstältesten - Gouverneur von Kalifornien, und seinen designierten Nachfolger Gavin Newsom eint aber, aller Unterschiede der beiden US-Demokraten zum Trotz, vor allem eines: Kaliforniens Kampf gegen Donald Trump.

An diesem Montag hat Brown, 80, seine lange Karriere beendet und den bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat an den 29 Jahre jüngeren Newsom abgetreten. Dem vererbt er nicht nur die größte Volkswirtschaft der USA - sondern die Hoffnungen von Millionen Trump-Gegnern.

Kalifornien, die gute Alternative zu Trump?

Anders als Brown - der den Präsidenten zwar oft kritisiert hat, diesem vom Alter und Stil her aber ähnlich ist - versteht sich Newsom als berufener "Führer des Widerstands": Er wolle Kalifornien zur "positiven Alternative zu Trump" machen, verspricht der bisherige Vizegouverneur, der die Wahl zu Browns Nachfolge im November mit fast 62 Prozent gewann.

Brown (M.) 2015 mit Barack Obama
REUTERS

Brown (M.) 2015 mit Barack Obama

Der Stabwechsel in der Hauptstadt Sacramento, dem einstigen Goldgräberort zu Füßen der Sierra Nevada, markiert eine Art Zeitenwende, wie sie auch andere Teile der USA gerade erleben, auch mit der Welle junger Demokraten im US-Kongress: Eine neue, selbstbewusstere Generation von Trump-Kritikern verschafft sich Gehör.

Mit Brown endet aber nicht nur in diesem Sinne eine Ära. Der Urenkel eines deutschen Einwanderers wuchs mit Politik auf. Auch sein Vater war bereits Gouverneur. Brown selbst amtierte gleich zweimal, von 1975 bis 1983 und seit 2011. Vorher und zwischendurch war er Bürgermeister von Oakland und kalifornischer Innen- und Justizminister, außerdem bewarb er sich dreimal um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Die Verfassung, die seit den Neunzigerjahren nur noch zwei Amtszeiten vorsieht, verbietet ihm nun eine erneute Amtszeit.

Browns Bilanz ist durchwachsen. Vor acht Jahren war Kaliforniens Haushalt noch um 26 Milliarden Dollar in den Miesen, jetzt protzt er mit 14 Milliarden Dollar Überschuss. Die Konjunktur brummt, die Arbeitslosenquote sank auf 4,1 Prozent. Andere Vorhaben stockten hingegen, etwa die erste Hochgeschwindigkeitszugstrecke Amerikas.

Newsom, Trump und Brown während der Waldbrände 2018
DPA

Newsom, Trump und Brown während der Waldbrände 2018

Vieles erreichte Brown durch die Zusammenarbeit mit den Republikanern. Während Kalifornien über die Jahre immer mehr nach links rückte, hielt sich Brown wacker in der Mitte. Die wachsende Parteilichkeit und Polarisierung unter Trump, so fürchtet er, werde die USA "unregierbar" machen: "Als wir das zuletzt erlebten, hatten wir den Bürgerkrieg."

"Die Welt schaut auf uns"

Trotzdem bekämpfte auch er Trump. Allein 2018 reichte Kalifornien 44 Klagen gegen dessen Regierung ein und erließ zahllose Gesetze, um seine Politik zu kontern: zum Beispiel bei Klimawandel, Umweltschutz, Einwanderung und Grenzschutz.

Newsom, 51, will das jetzt noch verschärfen - und wirft dabei jede Etikette über Bord: Er beschwört "eine Schlacht um Amerikas Seele gegen einen Präsidenten, der keine hat", nennt Trump eine "jämmerliche Schande" und hofft auf ein baldiges Amtsenthebungsverfahren: "Die Welt schaut auf uns."

Newsom
AP

Newsom

Seine progressive Agenda steht Trumps Fahrplan diametral entgegen. Mehr Rechte für Minderheiten, mehr Geld für Arme, schärfere Waffenkontrollen, Krankenversicherung für alle - Ideale, die Newsom zwischen 2004 und 2011 als Bürgermeister seiner Heimatstadt San Francisco verfolgte.

Wie sein Vorbild Robert Kennedy ist Newsom voller Widersprüche. Er wurde als Investor schon früh zum Millionär, leistete seiner krebskranken Mutter illegale Sterbehilfe, stieg ein Jahr später zum Bürgermeister auf, machte Schlagzeilen mit einer sehr öffentlichen Scheidung (seine Ex-Frau ist heute mit Trumps Sohn Donald Junior liiert) und einer ebenso öffentlichen Affäre.

Weltbekannt wurde er, als er 2004 in San Francisco die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubte: Jener "Winter of Love" war der erste Schritt zur landesweiten Legalisierung.

Jerry Brown dagegen will sich mit seiner Frau Anne Gust Brown vollends aus der Politik zurückzuziehen - fernab von Sacramento, Washington und Donald Trump auf seine Ranch im Norden Kaliforniens, wo schon sein Urgroßvater lebte.

"Dieser Ort erinnert mich daran, wie die Leute früher lebten", sagte Brown der "Los Angeles Times". "Er gibt mir das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein."



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Namenwählen 07.01.2019
1. Geht runter wie Öl
Geht runter wie Öl nicht wahr? Und bewirkt nichts.
pat.conley 07.01.2019
2. gut ist es nicht
Die Amerikaner hatten die Midterms und jetzt geht es darum, die Wiederwahl Trumps zu verhindern. (Auch Wähler können irren). Wenn es Sie nervt, dann lesen Sie die Artikel zum Thema nicht, und gut ist.
dunnhaupt 07.01.2019
3. Im Zweifel noch weiter links
Kalifornien hat eine enorme Volkswirtschaft, größer als Russland. Wäre es eine unabhängige Nation, würde es statt Kanada ein Mitglied der G-7 sein. Newsoms Regierung wird sogar noch 'grüner' sein als Browns. Zum Lachen ist nur, dass Newsoms verflossene Ehegattin jetzt ausgerechnet mit Trumps Sohn ein Verhältnis hat.
Soziopathenland 07.01.2019
4. Genau das prophezeihe ich den USA
"Die wachsende Parteilichkeit und Polarisierung unter Trump, so fürchtet er, werde die USA "unregierbar" machen: "Als wir das zuletzt erlebten, hatten wir den Bürgerkrieg." " Oder glaubt hier irgendjemand ernsthaft das Trump einfach so gehen wird falls er abgewählt wird? Gesetzt den unwahrscheinlichen Fall, dass Trump die Wahl 2020 verliert - sagt der dann einfach: "O.K. ich habe verloren, jetzt sind die Demokraten dran...?" Sorry, das glaube ich nicht.
beathovenr66 07.01.2019
5. Zu früh..
für einen schnell herbeizuschreibenden Trumpherausforderer. Die ganze Welt sehnt sich nach dem Abgang dieses Präsidenten, aber wenn Mueller es nicht juristisch schafft, bleibt ein potenter Herausforderer schlichtes Wunschdenken. Trump wurde demokratisch,wenn auch nicht mit Stimmenmehrheit, gewählt. Dies gilt es, sicher tut weh, zu respektieren und weiter, im Interesse einer friedlichen Zukunft, auf Veränderung zu hoffen.
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