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Kampagne gegen Folter: Amnesty International schockiert mit Waterboarding-Film

Schockkampagne im Kino: Mit grausamen Bildern prangert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International das sogenannte Waterboarding an. In Großbritannien läuft in Kürze ein Spot an, der die umstrittene Foltermethode zeigt.

Es beginnt ganz harmlos. Fast eine Minute lang zeigt der Film Nahaufnahmen von Wassertropfen und Fontänen vor schwarzem Hintergrund. Wasserperlen explodieren wie Feuerwerkskörper. Klares, pures Nass in Werbefilmästhetik. Es könnte ein Spot für ein neues Mineralwasser oder eine Wodka-Marke sein.

AI-Kampagne
Amnesty International
Der Anti-Waterboarding-Spot
Doch dann zieht die Kamera auf: Eine Hand im Latexhandschuh presst den Kopf eines Mannes auf eine Liege. Aus einer Karaffe läuft Wasser in Mund und Nase des Mannes, er wehrt sich, bekommt keine Luft, versucht verzweifelt, zu atmen. Die Kamera zoomt auf seine festgeschnallte Hand, die wie im Todeskampf zittert. Waterboarding.

Ab dem kommenden Monat wird der anderthalb Minuten lange Spot in 50 Kinos zu sehen sein, kündigte Kate Allen, Chefin der britischen Sektion von Amnesty International, am heutigen Mittwoch in der britischen Zeitung "Independent" an. "Unser Film zeigt genau das, was die CIA gerne geheim halten möchte - den grausamen Anblick eines fast ertränkten Menschen." Für ein paar Sekunden, fügt sie hinzu, hätten die Macher des Films das Waterboarding wirklich praktiziert. "Selbst für diese wenigen Sekunden ist der Anblick entsetzlich. In der Wirklichkeit aber - in einem geheimen Gefängnis, wo niemand ist, der eingreift - ist es noch viel, viel schlimmer."

Der "Independent" lässt in seinem Bericht über den Film zudem den US-Folter-Experten Malcolm Nance zu Wort kommen, der seine Regierung für die Praxis des Waterboardings heftig angreift. Nance, der Hunderte CIA-Agenten darin trainiert hat, das Waterboarding auszuhalten, fordert die US-Regierung auf, die Praxis sofort zu beenden. Beim Waterboarding handele es sich eindeutig um Folter. Er sei tief beschämt, dass Präsident George W. Bush seine Anwendung erlaubt habe und den Ruf der USA in den Schmutz ziehe. "Sie glauben offenbar, dass es das wert ist, 220 Jahre amerikanischen Anstand in Kriegssituationen aus dem Fenster zu werfen."

Der US-Präsident hatte im vergangenen Monat per Veto einen Gesetzesvorstoß der Demokraten gestoppt, der ein Ende des Waterboardings beabsichtigte. Das Weiße Haus lehnt es ab, die Verhörtechnik als Folter zu bezeichnen.

Nance beschreibt in dem Bericht die Foltermethode eindringlich: "Das Wasser wird sehr sorgfältig über der Nase ausgeschüttet - man hält einen konstanten Fluss aufrecht. Der Gefolterte ertrinkt und schafft es nicht, den Atem anzuhalten. Er fühlt das Wasser in den Körper eindringen und langsam die Lungen füllen."

Nance, der heute als unabhängiger Berater arbeitet, bezeichnet die Technik als nutzlos und barbarisch, weil ein Gefangener alles sagen würde, um zu überleben - egal, ob es wahr ist.

Amnesty International will erreichen, dass die USA das Waterboarding aufgeben. Mit der Veröffentlichung des Kinospots erhöhen die Menschenrechtler den Druck.

ler

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