Kampf gegen den IS Paris bringt Assads Truppen ins Spiel

Frankreich erwägt im Kampf gegen den IS erstmals eine Zusammenarbeit mit dem syrischen Regime. Bodentruppen könnten von Oppositionellen gestellt werden - "und warum nicht auch von Regierungstruppen", sagt Außenminister Fabius.

Syrische Regierungstruppen: Vorstoß von Frankreichs Außenminister
AFP

Syrische Regierungstruppen: Vorstoß von Frankreichs Außenminister


Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hat eine Einbeziehung der syrischen Regierungstruppen in den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) ins Spiel gebracht.

Bei der Bekämpfung der Extremisten gebe es "zwei Maßnahmen: Bombardierungen und Truppen am Boden", sagte Fabius im Radiosender RTL. Die Bodentruppen könnten nicht von Frankreich gestellt werden, aber von Einheiten der oppositionellen Freien Syrischen Armee, von sunnitischen arabischen Truppen "und warum nicht auch von Regierungstruppen?", sagte Fabius. Westliche Staaten hatten bisher eine Zusammenarbeit mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ausgeschlossen.

Islamistische Terroristen hatten vor zwei Wochen an mehreren Orten in der französischen Hauptstadt 130 Menschen getötet. Frankreich gedenkt am Vormittag der Opfer.

Im Kampf gegen die Terrormiliz, die sich zu der Mordserie bekannt hatte, schmiedet Hollande weiter an einer internationalen Koalition inklusive Russland. Mit Moskau vereinbarte Frankreich eine engere Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Extremistenmiliz. Hollande sagte am Donnerstag nach einem Arbeitsbesuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin, beide Länder würden künftig ihre Geheimdiensterkenntnisse über den IS und andere Rebellengruppen teilen, um bei ihren Bombardements in Syrien effektiver vorgehen zu können. Zudem seien sich beide Länder einig, dass nur Terroristen und Kämpfer des IS angegriffen werden dürften, nicht aber solche, die gegen den Terrorismus kämpften. "Wir werden Informationen austauschen, wer angegriffen werden sollte und wer nicht."

Russland war in der Vergangenheit wiederholt vorgeworfen worden, in Syrien vorrangig nicht gegen den IS zu kämpfen, sondern gegen Aufständische, die den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad stürzen wollen und die teils sogar von der westlichen Militärallianz unterstützt werden.

Putin sagte, er sei bereit zum Kampf mit Frankreich gegen einen "gemeinsamen Feind" und auch zur Kooperation mit der von den USA angeführten westlichen Koalition. Zu Beginn des Treffens hatte Hollande erklärt, die Weltmächte müssten eine "große Koalition" bilden, um gegen Terroristen vorzugehen.

Im Video: Hollande plädiert für "breite Koalition gegen IS-Terror"

ler/AFP/Reuters

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insgesamt 183 Beiträge
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crma 27.11.2015
1. Nicht zu Ende gedacht
Und was passiert, wenn die FSA und die reguläre syrische Armee den Fronzusammenschluss schaffen? Gibt es ein shake hands wie zwischen Sowjets und Amerikanern in der Mitte Deutschlands oder wird einfach weiter gekämpft? Dieser Einsatz ist an Sinnlosigkeit nicht zu überbieten, Terroristen können militärisch nicht besiegt werden, erst recht nicht mit Tankflugzeug, Aufklärung aus Zeiten des Kalten Kriegs und Luftabwehr. Stoppt diesen Irrsinn der deutschen Regierung!
tradepro 27.11.2015
2. Politiker wie aufgescheuchte Hühner
Es ist erschreckend wie unsere Politiker ziellos und ohne Vision durch die Gegend rennen. Wie die aufgeschreckten Hühner. Keine Vision, keine Strategie, immer dem aktuellen empfinden der Bevölkerung nachrennend. Egal um was es geht. Sieht man hier mal wieder deutlich. Zuerst "Welcome Refugees" dann Abschottung, zuerst total offene Gesellschaft dann kompletter Shutdown einer Stadt, zuerst gegen Assad nun kommt dieser als Verbündetet ins Spiel.
lupenreinerdemokrat 27.11.2015
3. Wurde auch Zeit,
dass man endlich auch mal die rational begründete Strategie der Faktenlage ins Spiel bringt. Es wird ohne Assads Armee schlicht und ergreifend nicht funktionieren können, wenn man den IS aus Syrien verdrängen will. Das haben die meisten Militärexperten und auch Putin schon vor über einem Jahr so geäußert, nur wollte man aus ideologischer Verblendung dies nicht wahrhaben. Eine Koalition, bestehend aus den Regierungstruppen Assads am Boden und Russland, Frankreich, USA, GB, (D) in der Luft ist die Lösung des IS-Problems (und weiterer islamistischer Terrormilizen) in Syrien. Aber selbst mit dem IS könnte man verhandeln und zwar dahingehend, dass man im Irak eine Aufteilung vornimmt zwischen schiitischem Süden, sunnitischem Norden, ebenfalls natürlich den Kurden ihren eigenen Staat zuspricht und so wäre wohl allen gedient.
Borgward 27.11.2015
4.
Wer A sagt muss auch B sagen und mit Diplomatie und Verhandlungen ist der IS nicht zu stoppen. Insofern geht es in Ordnung. Interessant einiger Reaktionen hier ist, dass man es gefeiert hat als Russland sich einschaltete und keiner die Rechtsfrage hinsichtlich eines UN-Beschlusses stellte. Jetzt aber wird groß losgefragt und kritisiert.
ronomi47 27.11.2015
5. Realistische Denkansätze!
Denn es gibt kaum "moderate Rebellen" welche militärisch von Bedeutung wären. Dies sind rein transatlantische Worthülsen. "Moderate Rebellen" ist doch das selbe wie "ein bisschen schwanger"! Dazu gibt es verschiedene Belege, wenn man keine ideologischen Scheuklappen trägt. Beispiele: USA gaben eine halbe Milliarde Dollars zum Aufbau einer solchen Gruppierung aus. Ergebnis waren etwa ein halbes Dutzend Kämpfer. Der grösste Teil der Waffen dürfte wohl an den IS verkauft oder verschenkt worden sein. Zusammen vermutlich mit dem einen oder andern "moderaten Rebellen". Die turkmenischen Rebellen (dabei auch viele IS-Kämpfer), welche die von der islamistischen Türkei abgeschossenen Russen noch an den Fallschirmen hängend mit ihren Kalaschnikows feurig "begrüssten", waren bestimmt auch solche Leute. Die Meute johlte, tanzte und schrie: "Allahu akbar".
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