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Spezialeinheit im Irak: Britische Soldaten bilden Peschmerga-Kämpfer aus

Peschmerga-Kämpfer im Irak (Archivfoto): Ausbildung durch Briten Zur Großansicht
REUTERS

Peschmerga-Kämpfer im Irak (Archivfoto): Ausbildung durch Briten

Britische Soldaten schulen Peschmerga-Kämpfer für den Kampf gegen die Terrormiliz IS im Umgang mit schweren Maschinengewehren - auf irakischem Boden. International wird der Ruf nach einem stärkeren Engagement der Türkei laut.

London/Arbil - Großbritannien hat Spezialkräfte der Armee auf irakischem Boden. Das Verteidigungsministerium teilte mit, ein "kleines Team von Spezialisten" sei nahe der Kurdenhauptstadt Arbil im Nordirak stationiert, um kurdische Peschmerga-Kämpfer auszubilden. Die britischen Streitkräfte würden die Peschmerga im Umgang mit schweren Maschinengewehren schulen, sagte eine Ministeriumssprecherin und bestätigte damit seit Längerem kursierende Gerüchte. Die Waffen waren im September an die Kurden geliefert worden.

Der Einsatz der Soldaten im Irak wurde demnach von Verteidigungsminister Michael Fallon autorisiert. An Kampfhandlungen nähmen die britischen Soldaten nicht teil. Die Peschmerga kämpfen im Irak gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) . Auch deutsche Bundeswehrsoldaten bilden kurdische Kämpfer im Umgang mit deutschen Waffen aus. Dazu sind insgesamt 13 Bundeswehrsoldaten in Arbil stationiert, darunter sechs Fallschirmjäger zur Ausbildung.

Britische Truppen waren 2003 zusammen mit US-Streitkräften in den Irak einmarschiert, um Diktator Saddam Hussein zu stürzen. Die letzten Kampfverbände zogen laut "Guardian" 2009 ab, eine kleine Anzahl an Ausbildern blieb bis 2011, um Angehörige der irakischen Streitkräfte zu schulen.

Hilfe im Kampf gegen den IS können die Gegner der Terrormiliz gut gebrauchten. Die US-Armee warf nach Pentagon-Angaben erstmals Nahrungsmittel und Munition für irakische Soldaten aus der Luft ab. Die Regierung in Bagdad habe um diese Hilfe gebeten, teilte das US-Militärkommando Centcom mit. Die Unterstützung aus der Luft sei bei Baidschi 200 Kilometer nördlich von Bagdad erfolgt. Zwar ist die Stadt noch unter Kontrolle der Regierung, in benachbarten Ortschaften gibt es aber nach US-Angaben Gefechte mit IS-Kämpfern.

Unmut über abwartende Haltung der Türkei

Die USA unterstützen die irakische Armee im Kampf gegen den IS mit Luftangriffen, auch im Kampf um die syrische Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei. Bei vier Angriffen seien nahe Kobane ein IS-Gebäude zerstört, ein Kommandozentrum beschädigt sowie eine Kampfstellung und zwei kleine Einheiten der Milizen getroffen worden, teilte das US-Kommandozentrum in Tampa mit. Die IS-Kämpfer zeigen sich allerdings unbeeindruckt davon: Sie haben den Ring um die Stadt enger gezogen.

Sollte der IS Kobane erobern, hätten die sunnitischen Extremisten einen durchgängigen Grenzstreifen von mehr als 200 Kilometern zum Nato-Land Türkei unter ihrer Kontrolle. Die türkische Regierung lehnt eine Bodenoffensive gegen den IS im Alleingang ab. Sie drängt auf eine Strategie, die sich auch gegen das syrische Regime von Präsident Baschar al-Assad richtet.

In Deutschland stößt diese Haltung teilweise auf Unverständnis. SPD-Fraktionsvize Rolf Mützenich sagte der "Welt am Sonntag", der Erklärung der türkischen Regierung, sie werde nicht zusehen, wie Kobane durch den IS zerstört werde, "müssen nun Taten folgen". Der CDU-Außenpolitiker Andreas Schockenhoff forderte in der Zeitung, die Nato müsse auf ihren Partner Türkei einwirken.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier will bei einem zweitägigen Besuch in Saudi-Arabien für ein abgestimmtes Vorgehen im Kampf gegen die Terrormiliz werben. Es werde entscheidend sein, "auch jenseits des Militärischen in der Region zu einer Verständigung auf eine gemeinsame politische Strategie zu kommen", sagte er. Saudi-Arabien komme bei der Bewältigung der Krisen in der Region eine zentrale Rolle zu.

Unter anderem soll Steinmeier laut Auswärtigem Amt mit Außenminister Saud al-Faisal sprechen sowie den Generalsekretär der Organisation für Islamische Zusammenarbeit, Ijad Madani, treffen.

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SPIEGEL ONLINE

ulz/AFP/dpa

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insgesamt 47 Beiträge
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1. Warum????
ErhanKurtbas 12.10.2014
Warum soll die Türkei alleine Bodentruppen entsenden ?? Türkische Soldaten sollen den Kurden Rückendeckung geben und somit den Kopf hinhalten ?!!! Warum entsenden die Europaischen Regierungen keine Bodentruppen ???? Die Wunschliste der Kurden nimmt kein Ende . Selbst wenn die Türkei den Bodeneinsatz bewilligt , wird das den Kurden nicht reichen, deren Ziel ist es einen eigenstandigen Staat auch innerhalb der Türkischen Grenzen zu errichten.
2. motivationen
kl1678 12.10.2014
Die Motivation der Briten mag ja nachvollziehbar sein. Aber weshalb ist Ankara so erbittert gegen die syrische Regierung? Wieso die Saudis gegen den IS?
3.
new_eagle 12.10.2014
während die Türkei alles richtig macht und sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmischt, müssen wir mal wieder die Bundeswehr schicken und uns in Dinge einmischen die uns nicht das Geringste angehen. Solange die IS nur auf dem Territorium Syriens und des Irak aktiv ist, müssen auch nur die Streitkräfte dieser Länder damit fertig werden. Was gehen uns die Religionskriege anderer Länder und Kulturen an. Kann mich nicht daran erinnern, dass die Bundeswehr während der Religionskriege in Nordirland (in den Jahren 1969 bis 1998) aktiv geworden ist, wo ja auch Tausende Menschen von verblendeten Gotteskriegern (IRA) im Namen der Religion ermordet wurden.
4. kann
jayjayjayjay 12.10.2014
sowieso nicht verstehen warum wir der Türkei helfen ihre grenzen zu halten, wär für den türkisch kurdischen dialog dochmal erfrischend neu wenn sich die Türkei für die Kurden vor ihren grenzen engagiert, wäre ja sogar ein echter Staat kurdistan möglich da Syrien und er Irak ja sowieso zum scheitern verurteilte Staaten sind.
5. Warum ist Deutschland
m-size 12.10.2014
So scharf drauf, das die Türkei sich in diesen Krieg einmischt ? Die IS hat Die Türkei bis dato nicht angegriffen. Warum soll die Türkei nun Soldat nach Syrien schicken und somit sich in ein Krieg einmischen der wen dann die gesamte NATO betrifft und nicht nur die Türkei. Soll die NATO doch gemeinsam handeln , dann ist Türkei mit Sicherheit mit von der Partie.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki; Imad Khamis (designiert)

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