Kampf gegen IS in Syrien USA fühlen sich von arabischen Alliierten im Stich gelassen

US-Militärs beklagen ein zurückgehendes Engagement der arabischen Verbündeten im Kampf gegen den IS in Syrien. Stattdessen sind die Partnernationen verstärkt im Jemen aktiv.

Kampfflugzeug der Emirate: Schritt für Schritt den Amerikanern den Luftkrieg überlassen
AFP/ United Arab Emirates News Agency

Kampfflugzeug der Emirate: Schritt für Schritt den Amerikanern den Luftkrieg überlassen


Vor einem Jahr entsandten arabische Verbündete der USA ihre Luftstreitkräfte nach Syrien, um den "Islamischen Staat" (IS) zu bekämpfen. Seite an Seite wollten US-Militärs und die Partnernationen durchgreifen. Wochenlang hatten sich der US-Präsident Barack Obama und sein Außenminister John Kerry bemüht, eine internationale Koalition gegen die Dschihadisten zu schmieden. Doch inzwischen hat der Elan der Alliierten offenbar bedenklich nachgelassen.

"Sie sind alle mit anderen Dingen beschäftigt", sagte Generalleutnant Charles Q. Brown Jr. jetzt der "New York Times". Brown leitet den Luftkrieg von einer 60 Millionen Dollar teuren Militärbasis in Qatar aus.

Der Zeitung zufolge stehen die Vereinigten Staaten mit ihrem Aufgebot von zwei Dutzend Kampffliegern für die Türkei und dem Versuch, mit Spezialtruppen die Rebellen in Syrien zu unterstützen, derzeit vorwiegend allein da. In der Obama-Administration herrsche Resignation, weil die arabischen Partner Schritt für Schritt den US-Amerikanern den Luftkrieg überlassen hätten.

Der Grund? Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hätten die meisten ihrer Flugzeuge in den Jemen verlegt, wo sie gegen die vom Iran unterstützen schiitischen Huthi-Rebellen kämpfen. Auch Jordanien hätte sein Engagement in der Region verstärkt.

Das Königreich Bahrain hatte im Februar zuletzt einen Angriff in Syrien geflogen, Qatar betreibt ohnehin nur Luftraumbeobachtung. Die Vereinigten Arabischen Emirate flogen laut "New York Times" zuletzt im März Lufteinsätze, Jordanien im August und Saudi-Arabien im September.

"Jordanien steht fest zu seinen Verpflichtungen in diesem Kampf", sagte eine Sprecherin der jordanischen Botschaft in New York. "Wir bleiben aktive Partner und Mitwirkende der internationalen Koalition und werden auch weiterhin Luftschläge gegen IS-Ziele ausführen."

Das Engagement westlicher und arabischer Alliierter im Irak scheint um einiges höher zu sein als in Syrien. Laut "New York Times" entfallen nur fünf Prozent der insgesamt etwa 2700 Luftschläge in Syrien auf die Alliierten, aber 30 Prozent der 5100 Einsätze im Irak, wo die Nato-Partner den Islamischen Staat bekämpfen.

Brown regte an, den Stillstand zu beheben, indem man den Verbündeten auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik stationierte Flugzeuge zur Verfügung stellt. Von dort aus sind es nur 15 Flugminuten bis zur syrischen Grenze. Generell sei die Entsendung von mehr Aufklärungs- und Überwachungsflugzeugen nach Incirlik geboten.

Die Zahl der militärischen Ziele - Ölförderanlagen, Waffenfabriken, und andere Einrichtungen, die den IS unterstützen - steigt offenbar beständig: Im vergangenen Monat bombardierten die US-Streitkräfte demnach bei 67 Prozent der Einsätze diese Ziele. Noch vor einem Jahr waren es 25 Prozent.

Die Situation in Syrien
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