Nutzung von Armee-Stützpunkten Türkei dementiert Einigung mit USA

Misstöne in der Koalition gegen den "Islamischen Staat": Erst verkünden die USA, ihre Armee dürfe nun Militärbasen in der Türkei nutzen, um von dort Angriffe gegen die Dschihadisten in Syrien zu fliegen. Jetzt heißt es aus Ankara, es gebe keine Einigung.

Türkische Militärbasis an der irakischen Grenze: Keine Einigung mit USA
AP

Türkische Militärbasis an der irakischen Grenze: Keine Einigung mit USA


Ankara - Die USA und die Türkei sind sich offenbar uneins: Die Regierung in Washington behauptet, dass die türkische Führung der US-Armee erlaubt habe, Militärstützpunkte in der Türkei zu nutzen, um von dort Angriffe auf den "Islamischen Staat" im Irak und in Syrien zu fliegen.

Nun dementiert Ankara: Es gebe kein solches Abkommen zwischen den USA und der Türkei, sagte ein Vertreter der türkischen Regierung. "Die Verhandlungen gehen weiter."

Barack Obamas nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice hatte zuvor mitgeteilt, die US-Streitkräfte erhielten das Recht zur Nutzung der südlichen Luftwaffenbasis Incirlik nahe der Grenze zu Syrien. Die Details der Nutzung würden noch geklärt.

Der Stützpunkt Incirlik wird schon seit Langem von den USA genutzt, etwa für den Einsatz in Afghanistan. Die Luftangriffe gegen IS-Stellungen starteten bislang allerdings nicht von der Türkei, sondern von Stützpunkten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Katar aus. In Jordanien sind ebenfalls seit dem vergangenen Jahr US-Kampfjets stationiert.

Quellen in Ankara bestätigten nun allerdings, dass es eine Einigung mit Washington über die Ausbildung von syrischen Rebellen gebe. Wer die Männer ausbildet, die gegen das Assad-Regime und die IS-Dschihadistenkämpfen sollen, und wo das Training stattfinden soll, sei aber noch unklar.

syd/AFP/Reuters

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insgesamt 110 Beiträge
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ariovist1966 13.10.2014
1. Keine Probleme
hatte die Türkei mit dem Völkermord an den Armeniern. Weshalb sollte sich die türkische Regierung also gegen den Völkermord an den Kurden im Nachbarland stellen, wenn auch nur mittelbar durch Luftangriffe von türkischem Boden aus? Man sollte einfach erkennen, dass türkische und kurdische Interessen nicht immer identisch sind. Zudem gelten Kurden vielen Türken schlicht als nicht vollwertige Menschen. Somit sollte niemand auf türkische Hilfe hoffen. Eine solche wird es nur in eigennütziger Form geben.
südwest3 13.10.2014
2. Maulhelden
Erst großmundig versprechen, dass es die Türkei nicht zulassen, dass Kobane in die Hände der IS-Banditen fällt, dann nur zusehen und nichts tun. Und noch schlimmer - kurdische Kämpfer auch noch daran hindern, ihren bedrängten Kameraden über die türk. Grenze hinweg zu Hilfe zu kommen. Erdogan entpuppt sich wieder einmal als Maulheld.
B.Buchholz 13.10.2014
3.
"Die Verhandlungen gehen weiter". Auf Deutsch: "Falls und bevor wir irgendwann überhaupt mal einen Beitrag zur Bekämpfung der Dschihadisten leisten, dann jedoch keinesfalls, bevor nicht erst mal genug Kurden abgeschlachtet wurden." Man schaut zu, während dies geschieht, man hält kurdische Unterstützer in der Türkei auf, man verhandelt undurchsichtige Vereinbarungen mit dem IS, man lässt offene Sympathiebekundungen und Rekrutierungen im eigenen Land zu usw. Jedem sollte nun klar sein, wie der Hase läuft, und wo der türkische Führer, der Mehrheiten hinter sich vereinigt steht. Es gibt ja auch zum Thema Islamismus vs. Demokratie genügend Zitate von ihm. Alleine, dass man über einen EU-Beitritt überhaupt diskutiert, ist ein Witz. Und selbst aus Europa ziehen nicht wenige Migranten der 2. & 3. Einwanderergeneration in den Dschihad bzw. bekunden ihre Sympathie im Internet. Willkommen in der Realität. Aber ich bin mir sicher, dass wir in den Talkshows und im öffentlichen Diskurs auch weiterhin nur die üblichen Sprechblasen zu hören bekommen. Na ja, immerhin ist derzeit wenigstens einer der führungsstärksten US-Präsidenten im Amt. Kleiner Scherz.
Eppelein von Gailingen 13.10.2014
4. Was soll das, der Kalte Krieg ist vorbei
Damit hat die Türkei als Natopartner ausgedient. Der Türken Islamisten-Freund soll gegen sich selbst zickig sein. Zieht endlich die Deutsche Patriot Batterie in der Türkei ab. Wir benötigen das Geld für Wichtigeres.
Kratylos65 13.10.2014
5.
Die vermeintlichen Zusagen der Türkei sind vermutlich genau so viel wert wie die Ankündigung, die Türkei würde Kobane nicht fallen lassen. Insgeheim hatte Erdogan bei seinen taktischen Spielchen mit dem Leben anderer (die Kurden sind ja nur Terroristen) auf einen viel schnelleren Fall von Kobane gesetzt. Die Bundesrepublik sollten ersthaft erwägen, die Flugabwehrraketen aus der Türkei abzuziehen.
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