Kampf gegen IS US-Armee darf türkische Militärstützpunkte nutzen

Kampfjets der US-Armee und ihrer Verbündeter dürfen für Luftangriffe in Syrien künftig von türkischen Militärbasen aus starten. Zudem sollen dort kurdische Kämpfer ausgebildet werden.


Mursitpinar - Im Kampf gegen die radikale IS-Miliz dürfen die USA und ihre Verbündeten künftig Stützpunkte in der Türkei nutzen. Die nationale Sicherheitsberaterin der USA, Susan Rice, sagte am Sonntagabend in einem Fernsehinterview, die türkische Regierung habe zugestimmt, dass von den Militärbasen Ziele im Irak und in Syrien angeflogen werden dürften. Zudem sei die Erlaubnis erteilt worden, dort gemäßigte syrische Rebellen im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) auszubilden.

Ein eigenes militärisches Eingreifen hat die Türkei ausgeschlossen, obwohl international der Druck auf das Land wächst. Die US-Regierung verhandelt seit Tagen mit Ankara darüber, was die Türkei noch zur Bekämpfung der Extremisten beitragen könne. Aber auch Forderungen nach einem Hilfskorridor in die vom IS belagerte syrische Grenzstadt Kobane hat die Türkei bislang zurückgewiesen.

"Wir werden mehr unternehmen", kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag an - damit meinte er aber nicht den Kampf gegen IS, sondern die gewaltsamen Zusammenstöße zwischen prokurdischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Kurden im ganzen Land demonstrieren seit Tagen gegen die Zurückhaltung der türkischen Regierung in Syrien. Nach Regierungsangaben wurden in der vergangenen Woche bei Protesten in mehreren türkischen Städten 31 Menschen getötet und mehr als 350 weitere verletzt.

Schärfere Gesetze als Reaktion auf Kurdenproteste

Bezugnehmend auf die Demonstranten sagte Erdogan, die Türkei "wäre kein Staat, wenn sie nicht in der Lage wäre, ein paar Gauner dazu zu bringen, sich zu beugen". Schon am Vorabend hatte er gefordert, das Parlament solle schnell neue Gesetze erlassen, "um die Straßen rasch von diesen Vandalen zu säubern".

Mit 15 Millionen Menschen stellen die Kurden etwa ein Fünftel der Bevölkerung der Türkei. Viele von ihnen fordern mehr politische und kulturelle Autonomie. Im Jahrzehnte dauernden Konflikt um diese Forderungen wurden Zehntausende Menschen getötet.

Kritiker werfen der Regierung in Ankara vor, sich in Syrien auch deshalb zurückzuhalten, weil die YPG eine Schwesterorganisation der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK ist, die auch von westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird. Die türkische Regierung verhandelt mit dem inhaftierten PKK-Chef Abdullah Öcalan über eine Beilegung des Konflikts. Öcalan ließ nun aus dem Gefängnis verlauten, sollte Kobane fallen, bedeute dies das Ende des Friedensprozesses.

Ab Montag wollen die Militärchefs der internationalen Koalition gegen den IS bei einem Treffen in den USA über ihre Strategie in Syrien und im Irak beraten. Die Türkei fordert eine international abgestimmte Strategie, die nicht nur den IS in die Schranken weist, sondern auch den syrischen Bürgerkrieg beendet, indem der dortige Präsident Baschar al-Assad gestürzt wird.

vet/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 32 Beiträge
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Atheist_Crusader 13.10.2014
1.
Durften sie das vorher nicht? Wozu ist die Türkei doch gleich IN DER GOTTVERDAMMTEN NATO?
configsys1 13.10.2014
2.
Für Kobane wahrscheinlich zu spät aber immerhin ein erster Schritt der Türkei in die richtige Richtung
Rinax 13.10.2014
3.
Wird Zeit das sich da mal was tut
eunegin 13.10.2014
4. Erdogan verpasst die Chance
anstatt die Kurden einzubinden und diesem innertürkischen Dauerkonflikt durch geschickte Politik zu begegnen und dauerhaft zu entschärfen, befeuert Erdogan den Zwist zwischen Türken und (türkischen) Kurden weiter. Etwas anderes war allerdings leider von der nationalistisch-islamistischen Regierung auch nicht zu erwarten. Wie kurzsichtig! Immerhin haben die USA ausreichend Druck gemacht, dass wenigstens die Infrastruktur für die Bekämpfung der islamofaschistischen Mörderbande IS etwas einfacher wird.
goethler 13.10.2014
5. Warum?
Wenn DE so auf Menschenrechte aufpasst, warum schicken unsere Politiker Soldaten nach Syrien?
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