USA und Russland Geheimdienste wollen im Kampf gegen IS kooperieren

Bei einem Treffen in Paris haben sich US-Außenminister Kerry und sein russischer Kollege Lawrow auf eine stärkere Kooperation der Geheimdienste verständigt - ungeachtet ihrer Differenzen beim Thema Ukraine.

Außenminister-Treffen: Sergej Lawrow (links) und John Kerry
REUTERS

Außenminister-Treffen: Sergej Lawrow (links) und John Kerry


Paris - Die USA und Russland wollen im Kampf gegen die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) enger zusammenarbeiten. US-Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow verständigten sich darauf, den Austausch von Geheimdienstinformationen über den IS zu intensivieren.

Beide Länder seien sich ungeachtet der Differenzen ihrer Verantwortung bei der Extremistenbekämpfung bewusst, sagte Kerry in Paris. "Wir beide erkennen die Notwendigkeit, IS zu zerstören und zu besiegen." Ob Russland dem von den USA ausgerufenen Bündnis gegen den IS beitrete, ließ Kerry offen. Er sagte aber, die russische Regierung lote Möglichkeiten aus, irakische Regierungstruppen zu bewaffnen und zu trainieren.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich infolge der Ukraine-Krise deutlich abgekühlt. Kerry forderte auch bei diesem Treffen ein Ende der Gefechte um den Flughafen Donezk, den sofortigen Abzug aller ausländischen Truppen aus der Region und die Freilassung aller Geiseln.

Lawrow bezeichnete das Gespräch am Abend in Paris als "nützlich". "Wo es möglich ist, werden wir zusammenarbeiten. Wo es Differenzen gibt, werden wir Lösungen suchen, die das Gleichgewicht und die Interessen spiegeln - gerecht und gleichberechtigt", zitierte die Agentur Interfax den Minister.

Uno: 3600 Tote bei Gefechten in der Ukraine

Die Führung in Kiew stellte unterdessen die Weichen für einen weiteren Westkurs. Das Parlament wählte am Dienstag den bisherigen Chef der Nationalgarde, Stepan Poltorak, zum neuen Verteidigungsminister. Zudem beschlossen die Abgeordneten eine Reform der Staatsanwaltschaft sowie Schritte gegen die ausufernde Korruption in der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik. Die EU hatte ein Reformpaket zur Bedingung für wirtschaftliche Annäherung gemacht.

Vom neuen Verteidigungsminister erhofft sich die prowestliche Führung Erfolge im Kampf gegen Aufständische in der Ostukraine. Genau vor einem halben Jahr, am 14. April, hatte die Armee ihren "Anti-Terror-Einsatz" gegen die militanten Gruppen begonnen. Seitdem starben nach Uno-Angaben bei Gefechten mehr als 3600 Menschen.

Poltorak ist der vierte Verteidigungsminister des Landes seit dem Sturz des Präsidenten Viktor Janukowitsch zu Jahresbeginn. Der Generaloberst sagte, er freue sich "auf die Zusammenarbeit mit Experten und Patrioten". Seine Gegner kritisieren ihn als Hardliner.

vet/dpa/Reuters

insgesamt 31 Beiträge
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joG 15.10.2014
1. Die Ukraine ist ein. ...
.....europäisches Problem bei dem die Amis geholfen haben. Es ist nicht mehr gefährlich und die Europäer schaffen es nun vielleicht den Schaden, den Putin anrichtete, auch ohne amerikanische Hilfe zu reparieren. Immerhin hat der arrogante Umgang der EU mit dem Handelsvertrag den Schlamassel ausgelöst.
spon-facebook-10000122439 15.10.2014
2. Die Amerikaner
versuchen,im Kampf gegen die IS die Russen mit ins Boot zu holen,und Kiew ernennt Hardliner zum Verteidigungsminister,der schon reichlich Blut an den Handen hat,das ist mehr ,als schizophren.........
Gerixxx 15.10.2014
3. niemand ist lernfähig....
Warum sollen die Amerikaner nicht mit den Russen reden ? (Nur wir dürfen das nicht....siehe Petersburger Dialog) Schliesslich wissen die Amerikaner selbst am Besten, was im Vorfeld von Krim und Ostukraine alles passiert ist und was sie zwecks Destabilisierung und "Regime Change" (eine "prowestliche" Oligarchendiktatur reicht doch auch schon...;)) auf dem Maidan alles veranstaltet haben (veranstalten lassen...) Man lese genau, was Lawrow sagt...."gerecht und gleichberechtigt"....das ist es, was die Russen wollen. Nicht so wie die EU, subordiniert als Protektorat unter Kontrolle. Daher haben die Amerianer auch ein Problem mit Russland, auffälligerweise begann das, nachdem Putin 2007 in München von einer multipolaren Welt gesprochen hat. Und warum sollen sie nicht gemeinsam gegen die IS bombardieren und Leute ausbilden ? Löst zwar keinerlei Problem im Mittleren und Nahen Osten...passt aber zu Supermächten....
DieterFr 15.10.2014
4. Weiß das Herr Steinmeier schon?
Da fragt man sich doch: Wie kann Herr Steinmeier so sicher sein mit seiner Vorhersage, dass ein UN-Mandat für eine internationale Bodenoffensive gegen den IS völlig utopisch sei, weil die Russen sowieso nicht zustimmen würden? Sowohl Russland wie auch China müssen großes Interesse daran haben, den IS nicht noch stärker werden zu lassen. Deshalb muss man wohl davon ausgehen, dass die SPD weiterhin verhindern will, dass Deutschland wirksame Verantwortung im Kampf gegen den IS übernimmt. Mit einer realistischen Einschätzung dessen, was geo-trategisch machbar ist, hat sein Abwiegeln der Forderung von Frau Göring-Eckhardt wohl in Wirklichkeit nichts zu tun.
humorrid 15.10.2014
5. wer A sagt, muss auch B sagen
Beinah beiläufig wird die politische Herkunft des neuen Verteidigungsminister der Ukraine erwähnt. Rechte Besinnung ist inzwischen kein Hindernis für eine Karriere in Staatsstrukturen. Auch hierzulande.
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