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Syrienkonflikt: USA wollen offenbar mit Iran verhandeln

Dunford, Carter, Obama: Neuer Ansatz im Kampf gegen die Dschihadisten Zur Großansicht
AFP

Dunford, Carter, Obama: Neuer Ansatz im Kampf gegen die Dschihadisten

Im Kampf gegen den "Islamischen Staat" planen die USA eine neue Strategie: Das Pentagon erwägt bewaffnete Bodeneinsätze in Syrien. Auch im Umgang mit Iran zeichnet sich eine Kehrtwende ab.

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US-Verteidigungsminister Ashton Carter hat mit einer Anhörung im Streitkräfteausschuss des Senats für Aufsehen gesorgt. Die USA seien in Syrien nun auch zu bewaffneten Einsätzen am Boden bereit, sagte Carter. Außerdem wollen die Amerikaner Iran wohl an neuen Gesprächen zum Syrien-Konflikt beteiligen - eine deutlichen Abkehr von ihrer bisherigen Haltung.

Washington werde nicht davor zurückschrecken, Verbündete bei Attacken gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu unterstützen oder solche Einsätze selbst auszuführen, sagte Carter. "Ob durch Angriffe aus der Luft oder direkte Handlungen am Boden."

Die US-Streitkräfte fliegen seit mehr als einem Jahr an der Spitze einer Koalition Luftangriffe gegen den IS, bewaffnete Einsätze am Boden standen bislang aber nicht zur Debatte. Auch ihre bisherige Haltung zu Iran scheint die US-Regierung zu überdenken.

Diskussion mit Iran?

"Wir gehen davon aus, dass Iran zum bevorstehenden Treffen in Wien eingeladen wird", sagte US-Außenamtssprecher John Kirby. Noch sei aber keine Einladung ausgesprochen worden. Auch könne er nicht sagen, ob Teheran eine Einladung annehmen werde.

In Wien werde es darum gehen, wie ein politischer Übergang in Damaskus gelingen könne, sagte Kirby. Demnach sollen die Vertreter von etwa einem Dutzend Ländern an dem Treffen teilnehmen.

Iran ist neben Russland einer der engsten Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Moskau greift seit Ende September mit Luftangriffen in Syrien ein, darüber war es zuletzt immer wieder zu Streitigkeiten mit den USA gekommen. Washington wirft Moskau vor, nicht den IS zu bekämpfen, sondern gegen Assad kämpfende Aufständische.

Die USA und die syrische Opposition fordern, dass Assad im Zuge einer politischen Lösung abtritt - deshalb hatte Washington eine Teilnahme der Islamischen Republik an den Krisengesprächen bislang ausgeschlossen. Russland plädiert ohnehin für eine Beteiligung Irans. Ein Treffen zwischen US-Außenminister John Kerry, seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow sowie den Außenministern der Türkei und Saudi-Arabiens war am vergangenen Freitag in Wien weitgehend ergebnislos geblieben.

Annan setzt auf Russland und USA

Der ehemalige Uno-Generalsekretär Kofi Annan sieht in der Zusammenarbeit von Russland und den USA den Schlüssel zur Syrienkrise. "Wenn beide einen Weg finden, konstruktiv miteinander und mit den anderen zusammenzuarbeiten, dann werden wir eine Lösung finden", sagte Annan am Dienstag. Kein Krieg dauere ewig.

Annan hatte 2012 als Uno-Sondergesandter versucht, in der Krise zu vermitteln - ohne Erfolg. Nun sagte Annan, der einzige Weg, um für Frieden in der Region zu sorgen, sei eine Zusammenarbeit zwischen den fünf ständigen Mitgliedern des Uno-Sicherheitsrats plus Deutschland auf der einen Seite - und den regionalen Mächten auf der anderen Seite: Saudi-Arabien, Türkei, Ägypten, Katar und Iran.

Die dramatische Lage der Flüchtlinge

Im Bürgerkrieg in Syrien wurden in den vergangenen viereinhalb Jahren mehr als 250.000 Menschen getötet. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind allein im Oktober mindestens 120.000 aus den umkämpften syrischen Provinzen Aleppo, Hama und Idlib vertrieben worden.

Die Lage der Flüchtlinge in Nordsyrien verschlechtert sich indessen zusehends. "Die Situation ist hoffnungslos in den überfüllten Lagern", sagte ein Sprecher des Norwegischen Flüchtlingsrates im jordanischen Amman. Aktivisten berichteten zudem von Regen und zunehmend schlechtem Wetter in Nordsyrien, Zelte der Geflohenen würden zerstört. Neben Unterkünften fehle es an Nahrung und Medizin.


Zusammengefasst: Die USA haben eine Strategieänderung im Kampf gegen den "Islamischen Staat" angekündigt. Amerika werde in Syrien nicht vor dem Einsatz von Bodentruppen zurückschrecken, sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter. Die USA erwarten zudem, dass Iran zu den anstehenden Syrien-Gesprächen in Wien eingeladen wird - bisher hatte die Regierung in Washington eine solche Beteiligung ausgeschlossen.

aar/dpa/Reuters/AP

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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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