ISIS-Konflikt Russische Kampfjets im Irak eingetroffen

Über dem Irak kreisen US-amerikanische und iranische Drohnen - und demnächst wohl auch russische Kampfjets. Die Regierung in Bagdad soll Militärtechnik für rund 365 Millionen Euro eingekauft haben.

Suchoi Su-30 MK (Archivbild): Die irakische Regierung hat mehrere russische Kampfjets gekauft
AFP

Suchoi Su-30 MK (Archivbild): Die irakische Regierung hat mehrere russische Kampfjets gekauft


Fünf russische Kampfjets sind laut Medienberichten im Irak angekommen. Die Regierung in Bagdad hat die Flugzeuge gekauft, um gegen die Dschihadistengruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (ISIS) vorzugehen. Weitere Jets seien bereits auf dem Weg, heißt es bei der britischen BBC.

Es gibt widersprüchliche Aussagen dazu, ob es sich um Kampfflugzeuge des Typs Suchoi Su-25 oder Su-30 handelt. Die irakische Regierung zahlt laut der BBC rund 365 Millionen Euro für die russische Militärtechnik.

Sowohl die USA als auch Iran unterstützen den Irak zurzeit im Kampf gegen die ISIS-Dschihadisten mit Aufklärungsdrohnen. Laut einem Bericht der "New York Times" hilft die islamische Republik den irakischen Sicherheitskräften zudem mit "Tonnen" von militärischem Gerät und Versorgungsgütern. Die schiitische Führung in Teheran ist grundsätzlich an einer stabilen schiitisch geführten Regierung in Bagdad interessiert.

Die US-Militärs fliegen eigenen Angaben zufolge täglich 30 bis 35 bemannte und unbemannte Aufklärungsflüge. Und über Bagdad kreisen bewaffnete Drohnen, die die US-Truppen schützen sollen.

Auch die syrische Luftwaffe hat sich in den Konflikt eingeschaltet und Stellungen der ISIS-Milizen bombardiert. Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki begrüßte das Vorgehen.

Kampf um Tikrit

Am Samstag entbrannte zwischen irakischen Regierungstruppen und ISIS-Milizen der Kampf um die strategisch wichtige Stadt Tikrit. ISIS hatte Tikrit am 11. Juni erobert. Mit der Unterstützung von Kampfhubschraubern gelang es den Regierungstruppen nach eigenen Angaben, den Vorort al-Awja einzunehmen.

Die sunnitischen ISIS-Extremisten haben seit Anfang Juni weite Teile des Nord- und Westirak eingenommen. Sie kämpfen gegen die von Schiiten geführte Zentralregierung in Bagdad und wollen grenzübergreifend im Irak und in Syrien einen islamischen Gottesstaat errichten. Kritiker werfen Maliki vor, die Sunniten auszugrenzen und so den Vormarsch von ISIS zu begünstigen.

Irak und Syrien: Der Konflikt im Überblick
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Sunnitische Araber
Hochburgen schiitischer Milizen

wbr/rtr

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insgesamt 59 Beiträge
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kuac 29.06.2014
1.
ISIS hat seine Basis in den unzufriedenen Sunniten in Irak. Daher, mit Bombardierung ist das Problem nicht zu lösen. Es muss eine politische Lösung her. Dazu gehört eine Regierung der nationalen Einheit. Ansonsten kann ich mir gut vorstellen, dass Angesicht der massiven Waffeneinsatz der Maliki Regierung, die ISIS Terroristen sich zurückziehen und verstärkt zum Selbstmordattentaten greifen. Was gewinnt man damit?
Christy Mack 29.06.2014
2. Der richtige Weg.
Zitat von sysopAFPÜber dem Irak kreisen US-amerikanische und iranische Drohnen - und demnächst wohl auch russische Kampfjets. Die Regierung in Bagdad soll Militärtechnik für rund 365 Millionen Euro eingekauft haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kampf-gegen-isis-regierung-des-irak-kauft-russische-kampfjets-a-978137.html
Alle drei Staaten hatten sich immer schon die Hände schmutzig gemacht im Nahost-Konflikt. Somit ist dies der erste richtige Schritt, gemeinsam den Scherbenhaufen zu beseitigen. Dennoch bin nach wie vor davon überzeugt, dass man den aktuellen Konflikt im Irak schneller durch eine Dreiteilung, Bundesstaaten-Lösungen, Autonomieregion zu den Akten legen könnte, als nun eine Seite wieder künstlich hochzurüsten.
bolzenbrecher 29.06.2014
3. Waffengeschäfte!
Wer im nahen Osten mit dem Tod der Menschen Geld verdient, sollte sich nachher nicht wundern, wenn in westlichen Städten plötzlich Terrorbomben explodieren. Die Westmächte (inkl. Deutschland) sacken ordentlich Kohle für Rüstungsgüter ein. Das sichert hierzulande vielleicht erstmal Arbeitsplätze in Waffenfirmen. Nun darf auch Russland Jets liefern, und sich ein "schönes" Stück vom Kuchen abschneiden. Mit den neuen Kampfjets können deutsche Anti-Personenminen abgeworfen werden, für deren Räumung nach dem Krieg wieder viele Dollars in den Westen fliessen. Ein schmutziges Geschäft...und wir alle sind mitschuldig!
Hape1 29.06.2014
4. ...
Zitat von Christy MackAlle drei Staaten hatten sich immer schon die Hände schmutzig gemacht im Nahost-Konflikt. Somit ist dies der erste richtige Schritt, gemeinsam den Scherbenhaufen zu beseitigen. Dennoch bin nach wie vor davon überzeugt, dass man den aktuellen Konflikt im Irak schneller durch eine Dreiteilung, Bundesstaaten-Lösungen, Autonomieregion zu den Akten legen könnte, als nun eine Seite wieder künstlich hochzurüsten.
Ähmmm....ISIS wird von den Golfstaaten finanziert. Die sind das Problem. Wenn Katar oder die Saudis dieses unterlassen würden, wäre der Spuk im Irak, wie auch in Syrien schnell vorbei.
bepaco 29.06.2014
5. Die Russen liefern!
Wie kann man hier schreiben, daß das Geld in den Westen fliesst wenn dort steht es fließen 365 Mio nach Russland! Lesen erleichtert das Lesen ungemein. Und denken auch. Ich finde es unglaublich, zu übersehen, daß die Russen mit die größten Exporteure der Welt sind, hier wieder riesig verdienen werden und dann den Westen (was auch immer Böses das ist) zu beschuldigen. Scheuklappenmentalität nennt man so etwas..
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