Kampf gegen "Islamischer Staat" Kurden bitten Verbündete um Waffen

"Wir kämpfen gegen einen Terrorstaat": Kurdenpräsident Barsani hat im Krieg gegen die IS-Miliz um Waffenlieferungen gebeten. Die Peschmerga-Truppen konnten dank der US-Luftunterstützung offenbar zwei Städte zurückerobern.

Peschmerga-Kämpfer in Dohuk: "Werden unseren eigenen Krieg führen"
REUTERS

Peschmerga-Kämpfer in Dohuk: "Werden unseren eigenen Krieg führen"


Arbil - Die politische Führung des kurdischen Autonomiegebietes im Nordirak bittet im Kampf gegen die Miliz "Islamischer Staat" (IS) um Waffenlieferungen. "Wir bitten unsere Freunde, uns zu unterstützen und die notwendigen Waffen zur Verfügung zu stellen, um diese terroristischen Gruppen zu besiegen", zitiert das kurdische Nachrichtenportal Rudaw den Kurdenpräsidenten Massud Barsani. Zugleich betonte er, dass die Verbündeten nicht für die Kurden kämpfen müssten. "Wir werden unseren eigenen Krieg führen", sagte er.

Nach einem Treffen mit dem französischen Außenminister Laurent Fabius in Arbil sagte Barsani: "Wir kämpfen hier nicht gegen eine Terrororganisation. Wir kämpfen gegen einen Terrorstaat."

US-Präsident Barack Obama hatte am Donnerstagabend "gezielte Luftangriffe" zum Schutz amerikanischer Militärs und bedrohter Minderheiten im Nordirak genehmigt. Die Angriffe wurden am Sonntag fortgesetzt, um die Kurden in ihrem Kampf zu unterstützen. Eine Mörserstellung sowie mehrere IS-Fahrzeuge mit Geschützen seien zerstört worden, teilte das US-Militärkommando Centcom mit. Es war der dritte Tag in Folge, an dem die US-Luftwaffe IS-Stellungen beschoss.

McCain fordert Bombardierungen auch in Syrien

Die Kurden vermeldeten unterdessen militärische Erfolge: Man habe die Städte Guwair und Machmur zurückerobert, sagte ein kurdischer Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings werde es noch dauern, bis die Wende in dem Konflikt erreicht sei. Außer den kurdischen Angaben gibt es keine Bestätigung für die Eroberungen, auch US-Medien berufen sich auf die Angaben kurdischer Beamter. "Es ist den Luftschlägen zu verdanken, dass wir zu Fortschritten fähig gewesen sind", zitierte die "Washington Post" einen Beamten aus dem kurdischen Innenministerium.

Der einflussreiche republikanische US-Senator John McCain unterstützte die Forderung der Kurden nach Waffen. In einem Interview des Senders CNN forderte er außerdem Luftangriffe auf IS nicht nur im Irak, sondern auch in Syrien. Er warf Obama vor, ein "Vakuum amerikanischer Führerschaft" verursacht und damit zu der schlechten Entwicklung in der Region beigetragen zu haben.

Aus Angst vor den vorrückenden IS-Kämpfern waren Zehntausende Jesiden ins Sindschar-Gebirge geflohen. Nach mehreren US-Hilfsflügen entsandte am Sonntag auch Großbritannien zwei Transportmaschinen, die Lebensmittel über dem Sindschar-Gebirge abwarfen. Französische Hilfsflüge sollen folgen.

Die Uno-Mission im Irak schätzte die Zahl der im Gebirge umzingelten Jesiden am Samstag auf 15.000 bis 55.000. Kurdischen Angaben zufolge konnten inzwischen Tausende Flüchtlinge aus dem Gebirge gerettet werden, sie seien durch einen zehn Kilometer langen Schutzkorridor in die kurdische Autonomieregion eskortiert worden.

Die irakische Regierung warf IS Gräueltaten gegen die Jesiden vor. Die Extremisten hätten Angehörige der religiösen Minderheit bei Sindschar lebendig in Massengräbern begraben, sagte der Minister für Menschenrechte, Mohammed Schia al-Sudani. Auch Kinder seien unter den Opfern. Rund 300 Frauen sollen entführt worden sein. Der Minister berief sich auf Dutzende Berichte von Flüchtlingen und auf Fotos, eine Bestätigung für die Vorwürfe gibt es nicht.

In Rom zeigte sich Papst Franziskus erschüttert über die Vorgänge im Irak. "All das beleidigt Gott und die Menschheit schwer", sagte er nach dem traditionellen Angelusgebet auf dem Petersplatz in Rom. "Man macht nicht Krieg im Namen Gottes", rief er den Gläubigen zu. Der Papst kündigte an, am Montag einen Gesandten in den Irak zu schicken.

hut/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 25 Beiträge
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against_all_odds 10.08.2014
1. wann
wird der Westen endlich erkennen, dass ISIS eine strategische Bedrohung hoechsten Grades ist. Hier muss gehandelt werden - auch durch Sie, Frau Merkel !!
Liberalitärer 10.08.2014
2. Stopp Waffenexporte
Zitat von sysopREUTERS"Wir kämpfen gegen einen Terror-Staat": Kurdenpräsident Barsani hat im Krieg gegen die IS-Miliz um Waffenlieferungen gebeten. Die Peschmerga-Truppen konnten dank der US-Luftunterstützung offenbar zwei Städte zurückerobern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kampf-gegen-islamischer-staat-im-irak-kurden-bitten-um-waffen-a-985392.html
Nein, keine Waffen, IS ist schrecklich, aber das löst keine Probleme, sondern schafft nur neue Probleme. Stoppt Rüstungsexporte! Waffen bitte nur für die eigenen Soldaten. Oder rüstet man als Polizei auch den Gegner von morgen aus? Schluss damit. Dann soll man lieber Truppen schicken.
sathorn 10.08.2014
3.
Auch wenn ich kein ausgesprochener USA Fan bin, sind es immer die USA, die handeln und sich nicht mit langwieriger Diplomatie aufhalten. Ich hoffe, auch hier wird das Eingreifen der USA Besserung für die Bevölkerung bringen..
Realityisverydifferent 10.08.2014
4.
Auch wenn ich es nicht für möglich gehalten hätte einem US_Republikanischen Politiker das Wort zu reden, aber wo Mc Cain Recht hat, hat er Recht. Die Maßnahmen gegen IS müssen noch viel umfassender und auch international abgestimmter sein. Was kann z.B. die Türkei als Nato-Mitglied tun? Warum bleiben Stellungsnahmen der Türkei aus, obwohl sich schon längst alle, Iran und Saudi-Arabien gegen die IS ausgesprochen haben und bereit sind Maßnahmen zu ergreifen?
vhe 10.08.2014
5. ...
Ehrlich gesagt, zögere ich da ein bisschen - nicht dass die Waffen schnurstracks zur PKK weitergereicht werden. Andererseits, so wie sich Erdogn grad anstellt ... aber - nee, das ist kein Grund auch noch in der Türkei herumzuzündeln. Vielleicht kann man ja vorher einen Deal mit den Kurden machen, dass sie die Türkei in Ruhe lassen.
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