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Obamas Kampf gegen IS: Im Sog des Krieges

Von , Washington

US-Luftschläge auf IS-Stellungen in Kobane: Die Strategie ist unklar Zur Großansicht
AP

US-Luftschläge auf IS-Stellungen in Kobane: Die Strategie ist unklar

Brauchen die USA eine neue Anti-IS-Strategie? Soll Syriens Diktator Assad gestürzt werden? Amerika diskutiert, und US-Präsident Barack Obama schickt neue Elitesoldaten. Er gerät immer tiefer in einen Krieg, den er unbedingt vermeiden wollte.

Es ist paradox. Weil Barack Obama so lange zögerte und weil er auf keinen Fall in einen weiteren arabischen Krieg verwickelt sein wollte, muss er jetzt einen solchen Krieg führen. Seit dem Spätsommer bombardieren die USA und ihre Verbündeten Stellungen des "Islamischen Staats" (IS) im Irak und in Syrien.

Das Ziel: den IS zerstören. Der Zeitrahmen dafür: langfristig. Die Strategie: unklar. Wie passt das zusammen? In Amerika wachsen Sorge und Unmut.

Der US-Präsident hat den Einsatz eigener Kampftruppen ausgeschlossen, dennoch schickt er immer mehr Soldaten in den Irak, um dessen überforderte Armee zu trainieren. Zu Beginn waren es 1600, nun will Obama weitere 1500 Soldaten entsenden. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel sagt, bereits in den vergangenen Tagen seien erste US-Elitesoldaten auf Ausbildungsmission in die umkämpfte Anbar-Provinz westlich von Bagdad entsendet worden.

Wie lange wird die Unterscheidung zwischen Kämpfen und Beraten aufrecht zu erhalten sein? Heißt: Wird Obama sein Versprechen brechen müssen? Irgendwann im nächsten Jahr soll Mossul zurückerobert werden, die zweitgrößte Stadt des Landes. Ohne US-Einheiten? "Ich will an diesem Punkt keine Voraussage treffen, ob ich empfehlen werde, dass diese Truppen in Mossul von US-Kräften begleitet werden, aber wir werden das sicherlich bedenken", erklärte Generalstabschef Martin Dempsey vor dem Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses.

Plötzlich mittendrin

Das ist der Sog des Krieges. Es fängt ganz harmlos an, mit ein paar Hundert Militärberatern. Und plötzlich ist man mittendrin. "Mission creep" nennen das die Amerikaner.

Obama wollte mit dem Bürgerkrieg in Syrien nichts zu tun haben, weil er ein zweites Irak-Abenteuer fürchtete. Im Moment erinnert das, was in Nahost geschieht, eher an den Beginn des Vietnam-Kriegs: Immer mehr Militärberater zur Bekämpfung eines nationalistisch beziehungsweise sunnitisch motivierten Aufstands, überwölbt von kommunistischer beziehungsweise radikal-islamistischer Ideologie. "Wenn du erst einmal die Hunde des Krieges von der Leine gelassen hast", sagte Obama einst mit Blick auf die Kriege im Irak und in Afghanistan, "weißt du nicht, wohin sie dich führen".

Bei der Anhörung des Streitkräfteausschusses brachte der Republikaner Walter Jones die Stimmung auf den Punkt: "Jede echte Strategie hat einen Endpunkt, aber bisher war niemand aus der Regierung in der Lage, diesen Endpunkt zu beschreiben." Er sorge sich, dass "wir wieder da landen, wo uns einst Donald Rumsfeld hinführte". Rumsfeld, der Verteidigungsminister, der gemeinsam mit George W. Bush das Land ohne Sinn und Strategie in den Irakkrieg führte.

Obama wollte mit seiner Strategie der Zurückhaltung - "Restraint" - Amerikas Ansehen verbessern und den Einfluss stärken. Er ergänzte diesen Ansatz mit dem, was die Uno als "Schutzverantwortung" der internationalen Gemeinschaft bezeichnet. Um etwa "das Abschlachten von Zivilisten durch ihre eigene Regierung verhindern" zu können, sei militärische Gewalt gerechtfertigt, Untätigkeit dagegen könne "noch viel aufwendigere Interventionen in der Zukunft nötig machen". Das ist O-Ton Obama, Friedensnobelpreisrede 2009.

Im Rückblick kann man vermuten: Just Obamas Untätigkeit zu Beginn des syrischen Bürgerkriegs, seine Weigerung, die moderaten Rebellen frühzeitig zu unterstützen, macht wohl die viel aufwendigere Intervention der Gegenwart nötig. Hätte, wäre, wenn. Klar ist nur, dass Obama in diesem Herbst dabei ist, seine Restraint-Politik zu opfern.

Shitty options

Und er hat lediglich die Wahl zwischen schlechten Alternativen; oder wie er selbst sagt: "shitty options". Beispiel Assad: Wie soll Obama mit dem syrischen Diktator umgehen, der den Vormarsch der IS-Terrorkrieger überhaupt erst ermöglicht hat? Einerseits ist Assad jetzt ein indirekter Verbündeter im Kampf gegen die Dschihadisten, andererseits aber der Feind der moderaten Rebellen. Das Bombardement der IS-Stellungen nutzt natürlich Assad, der seine Truppen seither wieder vermehrt gegen die Moderaten einsetzen kann. Staaten wie die Türkei, die vornehmlich auf einen Sturz Assads hinarbeiten, sind zunehmend enttäuschte Partner in Obamas Allianz.

Nun spekulieren mehrere US-Medien, Obama lasse eine neue Strategie erarbeiten, die auf die Entfernung Assads ziele. Schon im Oktober hatte Verteidigungsminister Hagel dem Weißen Haus ein Memo mit strategischen Bedenken zukommen lassen: Es brauche einen klareren Plan, wie mit dem syrischen Regime umzugehen sei. Ein neuerlicher Diktatorensturz?

Ohne Frage sei Assad ein "teuflischer Diktator und Kriegsverbrecher", sagt Brookings-Experte Jeremy Shapiro. Doch wenn die USA nicht willens oder fähig seien, Syrien nach einem Sturz des Diktators Stabilität aufzuzwingen, dann verstärke man nur das Chaos. Und die USA seien nach ihren Erfahrungen im Irak eben nicht willens, sagt Shapiro. So würde ein Sturz Assads "möglicherweise für die Extremisten die Tür zur Machtübernahme in Damaskus öffnen".

Die Lage für Barack Obama ist mehr als paradox. Der Präsident steckt in einem Dilemma.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 80 Beiträge
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1. Obama kann Assad nicht stürzen
adsoftware 19.11.2014
sonst bekommt er ein echtes Problem mit Putin.
2. Obama ist eine Enttäuschung
kurpfaelzer54 19.11.2014
...und letztendlich nur ein unfähiger Kriegstreiber wie seine Vorgänger.
3. Nun ja, Mist für Obama
MHB 19.11.2014
aber sein Vorgänger - und damit die USA - hats verbockt bzw. wesentlich dazu beigetragen, dass der im Nahen Osten latent regierende Irrsinn derart eskaliert ist. Wenn jemand "externes" die Suppe auslöffeln müsste ... ich wüsste wer den größten Löffel bekäme.
4. Nicht unser Krieg
KJB 19.11.2014
Alle Menschen die in Syrien und dem Irak unter dem Krieg leiden sind zu bemitleiden aber das ist nicht unser Krieg. Die Araber, insbesondere saudi arabien und iran sollen das als regionalmächte doch bitte ausbaden.
5. Strategie
hdwinkel 19.11.2014
Vielleicht sollten die USA einfach mal ihre Strategie der Regimechanges und die einseitige Unterstützung von Bürgerkriegsparteien unterlassen. Ja, Assad ist ein Verbrecher, aber sein Sturz wurde nicht von Demokraten betrieben, sondern von Konkurrenten.
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