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Kampf gegen Mubarak: Tote bei Protesten im Süden Ägyptens

Blutige Proteste gegen das Regime von Husni Mubarak im Süden Ägyptens: Bei Auseinandersetzungen zwischen Oppositionsanhängern und Regierungskräften wurden drei Menschen getötet und über hundert Personen verletzt.

Widerstand gegen das Regime: Protest auf Kairos Tahrir-Platz Zur Großansicht
dpa

Widerstand gegen das Regime: Protest auf Kairos Tahrir-Platz

Kairo - In der Oasenstadt Charga in Südägypten kommt es seit Tagen zu heftigen Kämpfen zwischen Gegnern des Regimes und Sicherheitskräften. Bei den Auseinandersetzungen seien drei Menschen getötet und mehr als hundert Personen verletzt worden, meldete der TV-Sender Al-Arabija. Die Polizei habe in der 500 Kilometer südlich von Kairo gelegenen Stadt Tränengas eingesetzt und mit scharfer Munition auf Protestierer geschossen. Die Demonstranten setzen die örtliche Zentrale der Regierungspartei NDP sowie eine Polizeistation und ein Gerichtsgebäude in Brand.

Die Proteste im Land wurden zudem durch eine Äußerung von Vizepräsident Omar Suleiman verschärft. Suleiman hatte sich am Dienstagabend verärgert über die Demonstranten am Tahrir-Platz in Kairo geäußert. Sollten die Kundgebungen nicht bald in Verhandlungen münden, drohe ein Putsch. Nachdem die Nachricht am Mittwoch Oppositionsanhängern bekannt wurde, skandierten Menschen auf dem Tahrir-Platz: "Wir machen weiter!" und "Wir lassen uns von niemanden stoppen".

Suleimans Äußerung sei eine "Drohung mit dem Kriegsrecht", meinten manche Demonstranten. Versuche der Regierung, die Armee mit ihren Panzern meterweise auf den Tahrir-Platz vorrücken zu lassen, scheiterten. Stattdessen weiteten sich die Demonstrationen in der Hauptstadt aus. Hunderte von Menschen versammelten sich am Mittwoch auch vor dem Parlament und vor dem Gebäude des Innenministeriums. In der Nacht zum Mittwoch hatten erstmals Menschen vor dem Parlament campiert.

Suleiman nennt Mubarak "Held"

Suleiman beklagte zudem die angebliche Respektlosigkeit der Hunderttausenden Demonstranten, die einen raschen Rücktritt von Präsident Husni Mubarak verlangen. Wer Mubarak den Abgang empfehle, "beleidigt nicht nur den Präsidenten, sondern auch das ägyptische Volk". Mubarak sei ein "Held" des Krieges gegen Israel im Jahr 1973 gewesen.

Die islamistische Muslimbruderschaft hat unterdessen die Gespräche mit der ägyptischen Führung auf Eis gelegt. Zugleich erneuerte die Oppositionsgruppe am Mittwoch in Kairo ihre Forderung nach einem Rücktritt Mubaraks. "Wir können nur mit jemandem sprechen, der die Forderung des Volkes nach einem Ende des Regimes anerkennt", sagte Essam al-Erian, ein Führer der Bewegung. Die Muslimbruderschaft strebe nicht nach einer Übernahme der Macht in Ägypten. Es sei derzeit auch nicht beabsichtigt, einen eigenen Präsidentschaftskandidaten aufzustellen. Die Bewegung hatte am Sonntag erstmals an einem Treffen mit Vizepräsident Suleiman teilgenommen, hielt danach aber zu viele Forderungen für unerfüllt.

Als Zugeständnis an die Opposition sollen nun in Ägypten mehrere Verfassungsartikel geändert werden. Ein von Mubarak eingesetztes Expertenkomitee will an sechs Artikeln des ägyptischen Grundgesetzes Änderungen vornehmen. Darunter seien auch zwei umstrittene Artikel, die eine unbegrenzte Wiederwahl des Präsidenten ermöglichen und die Kandidatur von Oppositionskandidaten erschweren. Weite Teile der Opposition, darunter die meisten Demonstranten der Protestbewegung, fordern allerdings eine völlig neue Verfassung.

Al-Dschasira kann wieder senden

Der arabische Nachrichtenkanal al-Dschasira kann wieder mit amtlichem Segen in Ägypten empfangen werden. Die Regierung in Kairo hatte vor mehr als zwei Wochen, nach Beginn der Proteste gegen Mubarak, die Übertragung der Programme des Senders über den Satelliten Nilesat abgestellt. Die Aufhebung der Sperre am Mittwoch wurde von den Behörden nicht kommentiert. Fernsehzuschauer stellten aber fest, dass al-Dschasira wieder über Nilesat zu empfangen war.

Al-Dschasira berichtete von Anfang an sehr ausführlich über die Protestbewegung. Das staatliche ägyptische Fernsehen hatte die Demonstrationen lange Zeit ignoriert. Das Al-Dschasira-Büro in Kairo war von Geheimdienstschlägern gestürmt worden. Mehrere Reporter des im Golfemirat Katar ansässigen Kanals waren festgenommen worden. Derzeit befindet sich aber keiner mehr von ihnen in Haft.

als/dpa/Reuters/AFP

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1. Charga
Extremophile 09.02.2011
Zitat von sysopBlutige Proteste gegen das Regime von Husni Mubarak im Süden Ägyptens: Bei Auseinandersetzungen zwischen Oppositionsanhängern und Regierungskräften wurden drei Menschen getötet und über 100 Personen verletzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,744626,00.html
Die Oase Charga kenne ich, eigentlich ein sehr friedlicher Ort. Wenn es dort knallt, will das schon etwas heißen.
2. Der Westen macht immer den gleichen Fehler
obenbleibens21 09.02.2011
Die USA und Europa machen immer wieder den gleichen Fehler. Sie verweigern hoffnungsvollen Demokratiebewegungen aus Angst vor dem Islamismus (Kommunismus, Sozialismus, Antikapitalismus usw.)die Unterstützung oder noch viel schlimmer, sie unterstützen die Despoten bzw. helfen bei Niederschlagung der Volksbewegungen. Dadurch bringen sie mittelfristig erst die radikalen Gruppierungen an die Macht, welche eigentlich verhindert werden sollten.
3. nee
loeweneule, 09.02.2011
Zitat von ExtremophileDie Oase Charga kenne ich, eigentlich ein sehr friedlicher Ort. Wenn es dort knallt, will das schon etwas heißen.
Das wundert mich auch, daß es gerade dort so abgeht. Das scheint gegen die zu sprechen, die behaupten, die Proteste wären nur eine Sache der Großstädte wie Kairo und Alexandria.
4. USA/EU lernen einfach nicht. Um Demokratie ging es niemals.
gg art 5 09.02.2011
Zitat von obenbleibens21Die USA und Europa machen immer wieder den gleichen Fehler. Sie verweigern hoffnungsvollen Demokratiebewegungen aus Angst vor dem Islamismus (Kommunismus, Sozialismus, Antikapitalismus usw.)die Unterstützung oder noch viel schlimmer, sie unterstützen die Despoten bzw. helfen bei Niederschlagung der Volksbewegungen. Dadurch bringen sie mittelfristig erst die radikalen Gruppierungen an die Macht, welche eigentlich verhindert werden sollten.
Genau so ist es. Man ist einfach dumm. Man hat aus Südamerika, die nun Mittelinksregierungen hat, nichts gelernt. Dort wird USA so wie auch EU abgelehnt. Man hat sich mit UNASUR und Mercosur abgeschottet.
5. Korrekt !!
Sara100, 09.02.2011
Zitat von obenbleibens21Die USA und Europa machen immer wieder den gleichen Fehler. Sie verweigern hoffnungsvollen Demokratiebewegungen aus Angst vor dem Islamismus (Kommunismus, Sozialismus, Antikapitalismus usw.)die Unterstützung oder noch viel schlimmer, sie unterstützen die Despoten bzw. helfen bei Niederschlagung der Volksbewegungen. Dadurch bringen sie mittelfristig erst die radikalen Gruppierungen an die Macht, welche eigentlich verhindert werden sollten.
Das nenne ich mal einen selten guten Beitrag. Genau so ist es tatsächlich. Je mehr wir in Europa oder in der USA wegsehen vor Despoten und Diktatoren, desto mehr Nährboden geben wir den Fundamentalismus. Das ist doch einleuchtend. Wenn Menschen mit ihrer Regierung absolut nicht in Einklang sind, wenden sie sich den Radikalismus zu. Wir hier die in einer Demokratie sind können frei wählen gehen. Wenn wir die Regierung nicht wollen, wählen wir eine andere oder wenden uns auch den Radikalen zu. Nur das es dann hier im Westen "Protestwahlen" genannt wird. Erinnern wir uns daran wie hier in Deutschland die NPD Stimmen bekommen hatten. Das waren Protestwahlen (so wurde es in der Öffentlichkeit genannt). Abscheulich in meinen Augen aber so ticken Menschen halt. In den arabischen Ländern gibt es keine Protestwahlen. Aber es gibt die Fundamentalisten. Denen kann man sich in der Tat genauso zuwenden wie andere Radikalen auch. Sehen wir ja in Europa zur Genüge. Siehe Schweiz, Schweden, Frankreich und dergleichen. Wir können nicht wegsehen. Wir können nicht sagen, es geht uns nix an denn die bittere Wahrheit ist.... es geht uns alle etwas an. Das was dort geschieht, hat auch Folgen für uns. Dessen müssen wir uns klar sein.
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Ägyptens Opposition: Leben und protestieren am Tahrir-Platz

Fläche: 1.009.450 km²

Bevölkerung: 85,783 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Abdel Fattah el-Sisi

Regierungschef: Sherif Ismail

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