Kampf gegen PKK Türkei fliegt Angriffe auf Dörfer im Nordirak

Bei Gefechten mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Grenzgebiet zum Irak sind vier türkische Soldaten getötet worden. Türkische Sender berichten, die Luftwaffe habe zudem Stellungen der PKK im Nordirak bombardiert. Mehrere Dörfer seien angegriffen worden.


Suleimanijah/Ankara - Bei den Kämpfen auf dem Gebirgszug Gabar in der Provinz Sirnak habe es auch mehrere Verletzte gegeben. Unter den vier toten Soldaten ist türkischen Medien zufolge auch ein Offizier.

Der Fernsehsender CNN Türk berichtete unter Berufung auf irakische Behördenvertreter, dass Kampfhubschrauber des türkischen Militärs Dörfer im Nordirak bombardiert hätten. Es habe keine Todesopfer gegeben, zum Zeitpunkt des Angriffs seien keine Menschen in den Ortschaften gewesen.

Den Angaben zufolge galt der Angriff mutmaßlichen Stellungen der PKK. Eine ehemalige Polizeiwache nahe der irakischen Grenzstadt Sachu sei durch die Angriffe zerstört worden.

Die türkische Nachrichtenagentur Dogan berichtete unter Berufung auf irakische Kurden, Flugzeuge hätten gegen 2 Uhr morgens einen von kurdischen Rebellen genutzten Außenposten an der Grenze nahe Sachu angegriffen. Später hieß es im Irak, türkische Hubschrauber hätten mehrere Dörfer attackiert.

Der Kurdenkonflikt
Kurdistan
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Das Volk der Kurden umfasst Schätzungen zufolge bis zu 30 Millionen Menschen. Sie leben hauptsächlich auf dem Gebiet der Staaten Türkei, Iran, Irak und Syrien. Im Irak ist ihr ölreiches Gebiet im Norden des Landes weitgehend autonom (siehe Karte...). Einen eigenen politischen Staat Kurdistan hatten sie nie. Vor allem die Türkei unterdrückte die Kurden auf ihrem Staatsgebiet: Mehrere Aufstände wurden niedergeschlagen, Sprache, Musik, Literatur und sogar die kurdische Nationalkleidung wurden verboten. Aber auch Iran, Irak und Syrien versuchten, den Kurden ihre kulturelle Identität zu nehmen.
PKK
Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gründete sich in den siebziger Jahren im kurdischen Teil der Türkei. Ihr Ziel war es, mit Waffengewalt einen eigenen kurdischen Staat zu schaffen. Vor allem in den achtziger und neunziger Jahren eskalierte die Gewalt - und wurde von der Organisation auch ins Ausland getragen. Die PKK ist in der Türkei verboten, ebenso in Deutschland. Die EU und die USA betrachten die PKK als terroristische Organisation. Heute sollen sich rund 3000 PKK-Kämpfer in den Bergen im Nordirak versteckt halten. Der verhaftete und zu lebenslanger Haft verurteilte PKK-Führer Abdullah Öcalan hatte 1999 den bewaffneten Kampf der Gruppe für beendet erklärt; Mitte 2004 kündigte diese jedoch den Waffenstillstand auf.
Nordirak
Die nordirakische Kurdenregion ist seit mehr als 15 Jahren weitgehend autonom. Nach dem Golfkrieg 1991 schufen die Alliierten dort eine von den USA und Großbritannien geschützte Flugverbotszone, was noch unter Diktator Saddam Hussein zur Autonomie führte. Seit der US-geführten Invasion in den Irak und dem Sturz Saddams 2003 ist der Norden im Vergleich zum Rest des Landes weitgehend von Gewalt verschont geblieben. Viele Iraker unterschiedlicher Volksgruppen haben deshalb dort Zuflucht gesucht. In jüngster Zeit kommt es jedoch auch in der Kurdenregion vermehrt zu Anschlägen. Für Spannungen sorgt der Status des ölreichen Gebiets Kirkuk. Die gleichnamige Stadt liegt zwar knapp außerhalb der autonomen Region, wird aber von den Kurden als historische Hauptstadt beansprucht. In ihr leben jedoch auch Araber und Turkmenen. Die irakische Verfassung von 2005 sieht ein Referendum über den künftigen Status der Stadt noch in diesem Jahr vor.

Auch der irakische Oberst Hussein Tamir berichtete, die Luftangriffe am frühen Morgen hätten verlassenen Dörfern bei Sachu gegolten, Opfer habe es nicht gegeben. "Das sind nur verlassene Dörfer, die PKK hat keine Kämpfer dort", sagte Tamir der Nachrichtenagentur AP. Ein PKK-Sprecher bestätigte dies. Zuvor hatte es in der Türkei geheißen, PKK-Kämpfer hätten an der Grenze verlassene Posten besetzt.

Der türkische Generalstab gab zu den Berichten zunächst keine Stellungnahme ab. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sagte, er wisse von solchen Angriffen nichts. Laut einem türkischen Abgeordneten soll Erdogan gestern Abend erklärt haben, der Tag einer Militäraktion jenseits der Grenze rücke näher.

Der Konflikt zwischen der Türkei und kurdischen Separatisten in der Grenzregion zum Irak hatte sich zuletzt ständig verschärft. Die Regierung in Ankara drohte mit einem Einmarsch in den Nordirak, von wo aus PKK-Kämpfer wiederholt Angriffe auf türkische Sicherheitskräfte gestartet hatten. Ankara wirft der Regierung in Bagdad vor, die PKK in der nördlichen Kurdenregion gewähren zu lassen.

In der Grenzregion hat die Türkei 100.000 Soldaten zusammengezogen. Die USA warnten die Türkei vor einer Invasion. Sie fürchten, dass diese die Region destabilisieren könnte.

asc/AP/AFP/Reuters/dpa



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