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Kampf gegen Syriens Opposition: Assads Kriegsschiffe nehmen Wohngebiete unter Beschuss

Die gewaltsame Niederschlagung der Proteste in Syrien erreicht eine neue Dimension: Kriegsschiffe und Panzer von Machthaber Assad haben nach Angaben von Oppositionellen Wohnviertel der Hafenstadt Latakia beschossen. Die USA verlangten einen sofortigen Stopp des Blutvergießens.

Kriegsähnliche Zustände: Ein auf YouTube veröffentlichtes zeigt Militärfahrzeuge in Latakia Zur Großansicht
DPA/ Shaam News Network

Kriegsähnliche Zustände: Ein auf YouTube veröffentlichtes zeigt Militärfahrzeuge in Latakia

Damaskus/Amman/Kairo - Mit immer größerer Brutalität geht Syriens Präsident Baschar al-Assad gegen seine Bevölkerung vor. Ihm scheint inzwischen jedes Mittel recht zu sein, um die eigene Macht zu erhalten: Am Wochenende kamen erstmals Kriegsschiffe im Kampf gegen die Oppositionellen zum Einsatz. Augenzeugen zufolge wurden zwei dicht besiedelte Wohnviertel der Hafenstadt Latakia beschossen. Während des Seeangriffs hätten von Panzern flankierte Bodentruppen mehrere Viertel der Mittelmeerstadt gestürmt, erklärten Rami Abdul Rahman, Leiter der Beobachtungsstelle für Menschenrechte und das Netzwerk des örtlichen Koordinationskomitees. Sie nannten die Zahl von 21 Getöteten. In ganz Latakia waren demnach Gewehrfeuer und laute Explosionen zu hören. Latakia gilt als Hochburg der Oppositionellen.

Vor allem das Stadtviertel Al Ramel sei unter schweren Beschuss geraten, erklärte Rahman. Tags zuvor seien dort mindestens 20 Panzer und gepanzerte Truppentransporter aufgefahren. Viele Bewohner, vor allem Frauen und Kinder, seien aus dem Viertel geflüchtet. Den Angaben zufolge wurden rund 40 Menschen bei den Angriffen vom Sonntag verwundet.

Offensiven auch in Damaskus

Der Beobachtungsstelle zufolge drang die Armee zudem in der Nacht in zwei Vororte der Hauptstadt Damaskus ein und nahm dort zahlreiche Menschen fest. Ein Konvoi aus 15 Militärlastwagen, acht Truppentransportern und vier Jeeps sei in die Vororte Sakba und Hamurija eingefahren. Auch dort seien Schüsse zu hören gewesen. In Sakba seien außerdem die Telefonverbindungen gekappt worden.

Eine lange Kolonne von Militärlastwagen und anderen Fahrzeugen fuhr am selben Tag auch in die Ortschaft Al-Kusair nahe der libanesischen Grenze ein. In Deir al-Sor im Nordosten des Landes gingen Sicherheitskräfte mit Razzien gegen Oppositionelle vor, teilten syrische Aktivisten mit.

Die syrische Armee geht seit Mitte März gewaltsam gegen regierungskritische Proteste im Land vor. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten kamen seither etwa 1800 Zivilisten ums Leben. Nach Angaben der Behörden wurden 500 Soldaten und Polizisten von bewaffneten Gruppen getötet. Syrien hat ausländische Journalisten des Landes verwiesen, deswegen ist eine unabhängige Überprüfung der Darstellungen nicht möglich.

Zuletzt haben die Proteste deutlich zugenommen. Am Freitag waren in zahlreichen syrischen Städten, darunter Latakia, Zehntausende Menschen gegen das Regime auf die Straße gegangen. Erstmals forderten sie öffentlich den Tod des Machthabers. Die Sicherheitskräfte hatten bei den jüngsten Aufständen nach Angaben von Menschenrechtsbeobachtern 23 Menschen getötet.

Weitere Sanktionen angekündigt

US-Präsident Barack Obama, Saudi-Arabiens König Abdullah und der britische Premierminister David Cameron forderten Assad am Samstag auf, die blutige Niederschlagung der Proteste "sofort" zu beenden. Auch die Organisation der Islamischen Kooperation, der 57 islamisch geprägte Staaten angehören, rief Syrien dazu auf, das militärische Vorgehen gegen Demonstranten umgehend zu stoppen. Die USA haben Assad bislang noch nicht zum Rücktritt aufgerufen. Sie verlangten zuletzt aber zusätzliche internationale Sanktionen gegen Syrien.

Kanada weitete seine Sanktionen bereits jetzt aus. Gegen weitere Vertraute von Präsident Assad werde ein Einreiseverbot verhängt, und die Vermögen von zusätzlichen Institutionen mit Beziehungen zur syrischen Regierung würden eingefroren, sagte Außenminister John Baird.

yes/Reuters/dpa/AP/dapd/AFP

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insgesamt 115 Beiträge
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1. eine Chance...
mrpalme 14.08.2011
... für die Nato endlich ihr Dasein zu berechtigen. Kriegsschiffe gegen Zivilisten? Was muss noch passieren bevor die westliche Welt endlich eingreif: wirtschaftlich und militärisch! Mit gezielten Luftschlägen und Kommandoeinsätzen könnte diesem Völkermord in kurzer Zeit Einhalt geboten werden.
2. jetzt noch eine protestnote der bundesregierung...
wwwwebman 14.08.2011
"US-Präsident Barack Obama, Saudi-Arabiens König Abdullah und der britische Premierminister David Cameron forderten Assad am Samstag auf, die blutige Niederschlagung der Proteste "sofort" zu beenden." ... und assad ist erledigt!
3. kein
iman.kant 14.08.2011
Zitat von sysopDie gewaltsame Niederschlagung der Proteste in Syrien erreicht eine neue Dimension: Kriegsschiffe und Panzer von Machthaber Assad haben nach Angaben von Oppositionellen Wohnviertel der Hafenstadt Latakia beschossen. Die USA verlangten einen sofortigen Stopp des Blutvergießens. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,780149,00.html
Jetzt wird wahrscheinlich wieder ein Eingreifen der westlichen Mächte gefordert. Nein! Wir haben da unten nichts zu suchen! Die Araber sollen endlich alleine damit fertigwerden.
4. Man muss das Blutbad stoppen; Assad ist wie ein Kriegsverbrecher
RagabAbdelaty 14.08.2011
Bis vor wenigen Monaten behauptete Assad, dass er der einzige arabische Herrscher, der an der Seite der Palästinenser stehe und die arabische Welt vor ausländischer Einmischung schützen wolle. Jetzt ist es aber klar, dass dies nur Propaganda für seine eigene Macht und sein Amt war; die Armee lässt er jetzt die Demonstranten töten und Reformen bleiben nur auf Papier. Sein einziger Verbündete ist jetzt Hassan Nasrullah von Hisbullah und vielleicht noch Iran, beide aus nur religiösen Gründen. Die arabischen Herrscher in Ägypten, Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait usw. haben endlich begonnen, Druck auf Assad zu machen. Jetzt verliert Assad seine arabischen und ausländischen Verbündeten, einen nach dem anderen und er wird ausgeben müssen. Dafür braucht man folgendes: 1. Mehr Druck von den arabischen Ländern, zumindest durch Abzug von Botschaftern 2. Wirtschaftlich-politisch stärkere Rolle des Westens, aber keinen militärischen Einsatz, denn sowas macht Assad stärker Assad wird in diesem Fall die Kontrolle verlieren und ausfegen .. was später sein kann, muss man auch richtig planen, damit das Land in keinen Bürgerkrieg gerät.
5. Experten gesucht
Ernst August 14.08.2011
Zitat von sysopDie gewaltsame Niederschlagung der Proteste in Syrien erreicht eine neue Dimension: Kriegsschiffe und Panzer von Machthaber Assad haben nach Angaben von Oppositionellen Wohnviertel der Hafenstadt Latakia beschossen. Die USA verlangten einen sofortigen Stopp des Blutvergießens. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,780149,00.html
Die USA könnten doch den US Gang Experten von England nach Syrien schicken um das Bandenwesen in Syrien in den Griff zu bekommen. Wie man hört will die englische Polizei ihn nicht. Vielleicht nützt er ja in syrien was und er kann dort die Bevölkerung vor den Randalieren schützen. Wie man ja weiß haben die USA ja so einige Milliönchen in die "Sicherheit" Syriens gesteckt - warum nicht auch Profis schicken!?
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Fotostrecke
Eskalation in Syrien: Proteste gegen Assad

Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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Karte

Fotostrecke
Der Assad-Clan: Syriens Erben der Macht

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