Kampf um Iowa: Rick gegen Mitt gegen Ron
Die Vorwahlen der US-Republikaner beginnen mit einem Krimi: Mitt Romney, Ron Paul und Rick Santorum liefern sich in Iowa ein gnadenloses Kopf-an-Kopf-Rennen. Auch die anderen Kandidaten geben nicht auf. Fünf Szenen aus dem Wahlkampf-Endspurt.
Was für ein Gedränge. Das alte Mütterchen muss sich auf den Tisch setzen, kein Platz mehr. Die Kompaktkamera in der linken, streckt sie dem Präsidentschaftsbewerber die rechte Hand entgegen. "Danke, dass du dich dafür einsetzt, dass wir Waffen tragen dürfen", sagt sie, knipst links, schüttelt rechts: " und für den ganzen Rest auch."
Waffen und der ganze Rest. Da ist sie hier in der "Pizza Ranch" im Irgendwo von Iowa bei Rick Santorum genau richtig. Denn der 53-Jährige gibt sich hundertprozentig konservativ. Hundertprozentig für Familie. Hundertprozentig gegen Abtreibung. Hundertprozentig gegen Schwule.
Mensch, sagt Santorum, das sei jetzt seine x-te Filiale von "Pizza Ranch", und es werde irgendwie immer voller.
Tatsächlich gilt Santorum plötzlich als einer der Top-Favoriten für den Iowa-Caucus. Der beginnt schon an diesem Dienstagabend. Und dabei hatte kaum einer den Katholiken mit den italienischen Vorfahren auf der Rechnung. Seine Kontrahenten überziehen sich hier gegenseitig mit negativen Radio- und TV-Spots, nur den Ex-Senator aus Pennsylvania haben alle ignoriert. Jetzt liegen drei Kandidaten Kopf an Kopf vorne: Mitt Romney, Ron Paul und Rick Santorum kommen auf jeweils rund 20 Prozent.
Santorum, der wahre Konservative
Völlig unklar also, wer am Ende siegen wird. Der Staat, in dem Barack Obama 2008 den ersten Caucus der Demokraten gewann, ist für Überraschungen gut. So touren die Kandidaten übers Land, schrubben in ihren SUVs, Pick-Ups und klimatisierten Luxusbussen Meile für Meile im Mittleren Westen. Jeder gegen jeden. Und jeder mit seinem ganz eigenen Stil.
"Moderate Republikaner", sagt Santorum im Pizzarestaurant und meint Romney, "haben in Präsidentschaftswahlen immer verloren." Will heißen: Seht her, hier steht der wahre Konservative. Jener Anti-Romney, den die republikanische Basis seit Monaten sucht - und so nacheinander die Kongressabgeordnete Michele Bachmann, den Texaner Rick Perry, den Geschäftsmann Herman Cain und zuletzt das Urgestein Newt Gingrich nach vorne schob.
Und so ist jetzt eben Santorum dran. Seine Leute hoffen, dass ihn diese Last-Minute-Welle trotz nur knapp gefüllter Wahlkampfkassen zum Sieg in Iowa spült - und von dort zur Nominierung katapultiert. "Wenn er hier gewinnt", hofft Dale Lenz, 36, ein Santorum-Unterstützer der ersten Stunde, "wird er viel Aufmerksamkeit und Geld bekommen."
Davon hat sein ärgster Rivale schon jetzt reichlich.
Multimillionär Romney hat Puste für die Langstrecke
Des Moines, Hauptstadt Iowas: Mitt Romneys Wahlkampfzentrale liegt in einem gesichtslosen Vorort in einem gesichtslosen Flachbau, typisch. Im Raum sitzen ein Dutzend Wahlhelfer hinter Laptops, Handys ans Ohr geklemmt. Überall handgemalte Plakate ("Wir lieben Mitt"), in der Ecke verdorrt eine Weihnachtstanne.
Mark Hancock hat sich sechs Tage für Romney freigenommen. Vor ihm liegt eine Liste mit Namen und Telefonnummern: unentschiedene Wähler, ausgespuckt vom Computerprogramm. Die ruft Hancock nacheinander an und macht dann hinter jedem Namen ein Kreuz.
"Guten Morgen, Sue", flötet er, von einem Manuskript lesend. "Ich heiße Mark und sammle Informationen über den Caucus. Welchen Kandidaten würdest du unterstützen?" Erst später verrät Hancock, dass er für Romney arbeitet, rasselt dessen Vorzüge herunter ("hat Erfahrung", "toller Kerl") und schließt mit einem Appell: "Ich hoffe wirklich, dass Du morgen für Mitt Romney stimmst."
"Es geht am Ende doch nur darum, welcher Kandidat die meisten Leute zum Caucus anschleppt", erklärt Hancock, der schon beim letzten Caucus 2008 Telefondienst geleistet hat, damals für Rudy Giuliani. Der landete leider auf Platz sechs, nachdem er im ganzen Staate Iowa nur 4099 Wähler anschleppen konnte.
Das Problem dürfte Romney nicht haben: Entweder gewinnt der Multimillionär Iowa und wird dann kaum noch einzuholen sein. Oder er kommt auf Platz zwei, allenfalls drei - und wird trotzdem als Einziger die Puste (sprich: Kohle) haben, um bis zum Ende durchzuhalten.
Außer Santorum könnte ihm nur noch ein anderer dazwischenfunken.
- 1. Teil: Rick gegen Mitt gegen Ron
- 2. Teil: Klassenfahrt ins Disneyland der Demokratie
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Dienstag, 03.01.2012 – 12:14 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 22 Kommentare
Fläche: 9.632.000 km²
Bevölkerung: 310,384 Mio.
Hauptstadt: Washington, D.C.
Staats- und Regierungschef: Barack Obama
Vizepräsident: Joseph R. Biden
Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite
- Vorwahlen der US-Republikaner: Millionäre, Cowboys, Radikale (02.01.2012)
- Fotostrecke: Vorwahlkrimi der Republikaner in Iowa
- Start der US-Vorwahlen: Iowa und die sieben Zwerge (29.12.2011)
- US-Vorwahlen: Top-Kandidaten scheitern an 10.000-Stimmen-Hürde (24.12.2011)
- Themenseite US-Wahl 2012: Kampf um die Kandidatur
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT POLITIK
-
Abgeordnete
Bundestagsradar: Alle Fakten, alle Abstimmungen, alles Wissenswerte -
Regierung
Schwarz-gelbe Koalition: Das ist Merkels Kabinett -
Umfragen
"Sonntagsfrage": Der aktuelle Trend anhand von Umfragen -
Nachgefragt
Abgeordnetenwatch auf SPIEGEL ONLINE: Ihr direkter Draht in die Politik -
Rundgang
Kanzleramt, Bundestag, Ministerien: Das ist das politische Berlin

Möchten Sie ein anderes Land erkunden?