Kampf um Kobane Kurdische Selbstmordattentäterin tötet IS-Kämpfer

Eine kurdische Kämpferin hat sich vor einer Stellung der IS-Miliz in Kobane in die Luft gesprengt. Die Stadt steht weiter unter Dauerbeschuss. Im Irak griffen die Dschihadisten erneut die größte Ölraffinerie an.

Grenze zwischen Türkei und Syrien: Türkische Soldaten patroullieren
AFP

Grenze zwischen Türkei und Syrien: Türkische Soldaten patroullieren


Kobane - Eine kurdische Selbstmordattentäterin hat sich anscheinend unweit der umkämpften Stadt Kobane in Nordsyrien in die Luft gesprengt und mehrere Kämpfer der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in den Tod gerissen. Das berichten übereinstimmend die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und der Kommandant der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) in Kobane. Die Frau sei Mitglied der YPG gewesen, heißt es. Es handele sich um den ersten Selbstmordanschlag einer kurdischen Kämpferin gegen den IS.

Die Terrormiliz rückt trotz neuer Luftangriffe der von den USA geführten Koalition immer weiter vor und steht direkt vor Kobane. Die Stadt an der syrisch-türkischen Grenze ist seit zwei Wochen heftig umkämpft. Kurdische Kämpfer wehrten den Vormarsch der IS-Miliz bislang ab, doch die Stadt steht nun unter Dauerfeuer. Journalisten auf der türkischen Seite der Grenze berichten, dass etwa alle zwei Minuten ein Geschoss in Kobane einschlage.

Immer wieder würden auch Querschläger auf türkischem Boden landen. Am Sonntag sei eine Mörsergranate in der Nähe des Grenzübergangs Mürsitpinar eingeschlagen, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu. Ein Polizist sei durch Splitter leicht verletzt worden. Seit Beginn der Gefechte sind mehr als 180.000 Menschen aus der Stadt und den umliegenden Dörfern über die Grenze in die Türkei geflohen.

86 IS-Extremisten ums Leben gekommen

Auf YouTube-Videos ist zu sehen, wie die kurdischen Kämpfer mit Kalaschnikows und Panzerfäusten aus Kobane heraus versuchen, die IS-Panzer am Vorrücken zu hindern. Nach Angaben PKK-nahen Agentur Firat haben YPG-Kämpfer ein Munitionslager der Extremisten westlich von Kobane zerstört. 86 IS-Extremisten seien getötet worden, auf Seiten der YPG seien 17 Kämpfer ums Leben gekommen.

Auch im benachbarten Irak gehen die Kämpfe gegen Einheiten der IS weiter. 20 Kämpfer der Extremisten seien bei Luftangriffen der von den USA angeführten Koalition westlich der nordirakischen Stadt Mossul ums Leben gekommen, berichteten Augenzeugen der Nachrichtenagentur dpa. Zwölf weitere Extremisten seien bei Gefechten mit der irakischen Armee nahe Baidschi getötet worden.

Die IS-Dschihadisten hatten am Sonntag erneut die größte Ölraffinerie des Irak angegriffen, sind jedoch offenbar zurückgeschlagen worden. Die Anlage rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad ist seit Monaten umkämpft. Im Juni hatten Extremisten die Raffinerie kurzzeitig erobert, waren dann jedoch von der irakischen Armee wieder vertrieben worden. Seitdem hat die IS-Miliz mehrmals Baidschi angegriffen.

vet/dpa/Reuters

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