Kampf um Misurata Nato wirft Gaddafi-Kämpfern Kriegsverbrechen vor

Die Lage in der libyschen Rebellenhochburg Misurata wird immer dramatischer: Regimetreue Soldaten feuern pausenlos in die Stadt - und nehmen dabei laut Nato-Oberbefehlshaber Bouchard gezielt Zivilisten ins Visier. Diktator Gaddafi erlaubt der Uno nun aber Hilfslieferungen.

Gaddafi-treue Soldaten in Misurata: "Hinterhältiges" Verhalten
REUTERS

Gaddafi-treue Soldaten in Misurata: "Hinterhältiges" Verhalten


Misurata/Bengasi - Seit Wochen liegt die eingekesselte libysche Stadt Misurata unter Beschuss von regimetreuen Soldaten - nun wenden Gaddafis Truppen offenbar auch geächtete Mittel der Kriegsführung an: Der Oberbefehlshaber des Nato- Militäreinsatzes in Libyen, Generalleutnant Charles Bouchard, beschuldigt die Kämpfer des Diktators, in Misurata gezielt auf Zivilisten zu schießen.

Die Streitkräfte stünden auf den Dächern von Moscheen und feuerten von dort auf Menschen, sagte Bouchard dem kanadischen Fernsehen. Sie versteckten sich in der Nähe von Krankenhäusern und hätten gepanzerte Wagen in Schulen abgestellt. Manchmal zögen die Gaddafi-Verbündeten auch ihre Uniformen aus, damit niemand sie in der eingekesselten Rebellenbastion erkennen könne. Der Kanadier Bouchard sprach von "unmoralischer" und "hinterhältiger" Taktik. Zugleich betonte er die schlechte humanitäre Situation in der belagerten Stadt.

Möglicherweise deutet sich bei der Versorgung aber eine Besserung an: Die Vereinten Nationen dürfen endlich Hilfslieferungen in die Stadt schaffen. Eine entsprechende Einigung hätten Uno-Vertreter mit der Regierung von Diktator Gaddafi getroffen, sagte eine Sprecherin des Uno-Nothilfebüros OCHA am Montag (Ortszeit) in New York. Zunächst will die Uno nun ein Erkundungsteam losschicken, um festzustellen, welche Hilfe gebraucht und wie sie zu den Notleidenden gebracht werden kann. So schnell wie möglich sollen dann Lebensmittel, Wasser und Medikamente geliefert werden.

Misurata ist seit sieben Wochen von Gaddafi-Truppen umzingelt. 400.000 Menschen leben in der schwer umkämpften Stadt 210 Kilometer östlich von Tripolis, unter ihnen sind auch rund 3000 Ausländer. Die Versorgungslage in der Rebellenbastion wird immer dramatischer. Gaddafis Truppen setzen den Raketenbeschuss von Misurata unvermindert fort. Am Montag gingen in der Stadt nach Uno-Angaben fast tausend Menschen - vor allem Ghanaer und verletzte Libyer - an Bord von Schiffen. Sie erreichten am Abend die Stadt Bengasi.

ler/Reuters/dpa



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insgesamt 110 Beiträge
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Highfreq, 19.04.2011
1. Unglaublich
Zitat von sysopDie Lage in der libyschen Rebellenhochburg Misurata wird immer dramatischer: Regimetreue Soldaten feuern pausenlos in die Stadt - und nehmen dabei laut Nato-Oberbefehlshaber Bouchard gezielt Zivilisten ins Visier. Diktator Gaddafi erlaubt der Uno nun aber Hilfslieferungen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,757854,00.html
Jetzt spinnt die NATO aber vollends! Einerseits sucht man für Gadaffi ein Exil welches ihn nicht für Kriegsverbrechen nach Den Haag ausliefert, beschuldigt im gleichen Atemzug Gadaffis Truppen der Kriegsverbrechen. Bin ich Schizo oder wieso ziehts so?
hajo58 19.04.2011
2. Wieso Kriegsverbrechen?
Zitat von sysopDie Lage in der libyschen Rebellenhochburg Misurata wird immer dramatischer: Regimetreue Soldaten feuern pausenlos in die Stadt - und nehmen dabei laut Nato-Oberbefehlshaber Bouchard gezielt Zivilisten ins Visier. Diktator Gaddafi erlaubt der Uno nun aber Hilfslieferungen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,757854,00.html
Jeder Krieg ist ein Verbrechen!
...und gut ist`s 19.04.2011
3. Nato - Synonym für Friedensengel oder ist es ein Euphemismus?
Zitat von sysopDie Lage in der libyschen Rebellenhochburg Misurata wird immer dramatischer: Regimetreue Soldaten feuern pausenlos in die Stadt - und nehmen dabei laut Nato-Oberbefehlshaber Bouchard gezielt Zivilisten ins Visier. Diktator Gaddafi erlaubt der Uno nun aber Hilfslieferungen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,757854,00.html
Nato-Oberbefehlhaber Bouchard ist selbst Kriegsteilnehmer, daher so glaubhaft wie die letzten Siegesmeldungen aus dem Bunkerhauptquartier in Berlin 1945.
ach 19.04.2011
4. Infos
Und gab es in dem Fernsehinterview auch ein paar Informationen über den Nato-Einsatz? Die Zivilisten, die bei dem versehntlichen Angriff auf die Rebellen getötet wurden, können ja nach 4 Wochen Krieg nicht die einzigen gewesen sein.
Greg84 19.04.2011
5.
Hat die NATO eigentlich jemals definiert was in ihren Augen Zivilisten sind? Bewaffnete sind in meinen Augen zumindest keine Zivilisten mehr. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich noch "wirklich" Zivilisten in der Stadt aufhalten. Der gesunde Menschenverstand in Verbindung mit dem Überlebenstrieb sollte diese schon lange dazu bewegt haben aus der Stadt zu flüchten. Ist ja nicht so als hätten Gaddafis Soldaten erst gestern angefangen zurückzuschlagen.
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