Assads Waffenarsenal: Das Märchen von Syriens mächtiger Luftabwehr

Von

Syrien: Assads Waffenarsenal Fotos
REUTERS

Israels Kampfjets haben problemlos Ziele in Syrien bombardiert - wo war die oft gelobte Luftabwehr des Assad-Regimes? Waffen, Systeme und Organisationsstruktur sind inzwischen hoffnungslos veraltet, zur Abschreckung taugt das Arsenal nicht mehr. Viele der Raketen gelten bestenfalls als Giftmüll.

Berlin - Vor Syriens Luftabwehr haben schon viele gewarnt. Erst im Dezember sagte Alexander Leonow, Chef der russischen Luftabwehr: "Mit Syriens Luftabwehrsystem ist nicht zu spaßen. Deswegen hat es niemals jemand ernsthaft mit seiner Luftwaffe angegriffen."

Nun aber haben offenbar israelische Kampfjets problemlos Ziele innerhalb Syriens bombardiert - schon wieder. 2007 hatte Israel eine syrische Atomanlage mit mehreren Kampfjets völlig zerstört.

Wie passt das zusammen? Syrien hat zwar viel in sein Abwehrsystem investiert. Allerdings ist das auch schon ein paar Jahrzehnte her. Modernen Kampfjets, die nur kurzzeitig in den syrischen Luftraum eindringen, hat es wenig entgegenzusetzen.

Nach einem Bericht des amerikanischen Institute for the Study of War und einer Analyse von Aram Nerguizian, Nahost- und Militärexperte am Washingtoner Center for Strategic and International Studies, ist Syriens Luftabwehr wie folgt zusammengesetzt:

  • Radar: Syrien hat ein engmaschiges Radarnetz. Obwohl viele Geräte einige Jahrzehnte alt sind, funktionieren sie noch gut.
  • Luftabwehrraketen: Das Arsenal bestand vor den Aufständen aus rund 900 größeren und 4000 kleineren Raketen sowjetischer und russischer Herkunft. Darunter seien viele "obsolete und obsolet werdende Waffen und Sensoren", schreibt Nerguizian. Die Wirksamkeit sei fraglich.
  • Flugabwehrkanonen: Syriens Flak besteht teils aus radar-gelenkten, teils aus visuell gesteuerten Kanonen mit Kalibern zwischen 14,5 und 100 Millimeter sowjetischer und russischer Herkunft. Die Flak könnte schnelle Angriffswellen mit modernen Kampfjets nicht aufhalten. Im Juni war es Syrien gelungen, ein türkisches Aufklärungsflugzeug abzuschießen, nach Angaben von US-Beamten höchstwahrscheinlich mithilfe seiner Flugabwehrkanonen. Allerdings hatte der Flieger sich davor bereits mindestens vier Minuten über dem syrischen Küstenmeer befunden, dem Luftraum, der bereits zu Syrien gehört. Warum der Pilot sich dort aufhielt, ist nach wie vor unklar.
  • Manpads: Syriens Militär verfügt über eine unbekannte Menge tragbarer Boden-Luft-Raketen sowjetischer und russischer Herkunft.

Wie viele Luftabwehrstellungen und Manpads noch tatsächlich der Kontrolle des Regimes unterstehen, ist völlig unklar. Die Rebellen konnten in den vergangenen Monaten einige Militärstützpunkte erobern, bei denen sie immer wieder auch Manpads und Luftabwehrraketen erobern konnten.

Die Manpads sind für die Rebellen von großem Nutzen, denn sie können damit Bomber und Helikopter des Regimes abschießen. Mit den Luftabwehrraketen können sie wenig anfangen, zumal es sich offenbar hauptsächlich um veraltetes, kaum brauchbares Gerät handelt. Der "New York Times"-Reporter und Waffenexperte C.J. Chivers, der regelmäßig in Syrien arbeitet, bezeichnete Raketen aus dem syrischen Arsenal als unbrauchbare Sowjet-Überbleibsel, die man wohl besser als "Giftmüll" bezeichnen sollte.

Zur Abschreckung moderner Luftwaffen taugt das Arsenal nicht. Die syrische Abwehr sei verwundbar durch ein modernes Militär, das beispielsweise mit Präzisionsschlägen und Cyber-Attacken aufwarten kann, um die gegnerische Luftabwehr zu überlisten, schreibt Nerguizian. Das Kommando- und Kontrollsystem lasse zu wünschen übrig, zudem gebe es große Probleme beim Training des Bedienungspersonals und der Organisation der Bereitschaft. "Die weiter reichenden Bodenluftraketen, Sensoren und Management-Systeme sind inzwischen so alt", urteilt er, dass etwa US-Computerspezialisten diese mit gezielten Attacken "weitgehend ausschalten" könnten.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 313 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. achso..
derberserker 31.01.2013
Jetzt befand sich der türkische Jet also doch auf syrischen Hoheitsgebiet..
2. Na, dann ist ja mal klargestellt,..
topodoro 31.01.2013
Zitat von sysopREUTERS/ SANAIsraels Kampfjets haben problemlos Ziele in Syrien bombardiert - wo war die oft gelobte Luftabwehr des Assad-Regimes? Waffen, Systeme und Organisationsstruktur sind inzwischen hoffnungslos veraltet, zur Abschreckung taugt das Arsenal nicht mehr. Viele der Raketen gelten bestenfalls als Giftmüll. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kampjet-attacke-aus-israel-zeigt-wie-veraltet-syriens-luftabwehr-ist-a-880787.html
...das sich seinerzeit der türkische Aufklärungsjet im syrischen Luftraum befand, als er abgeschossen wurde.
3. waffen
lebenslang 31.01.2013
Zitat von sysopREUTERS/ SANAIsraels Kampfjets haben problemlos Ziele in Syrien bombardiert - wo war die oft gelobte Luftabwehr des Assad-Regimes? Waffen, Systeme und Organisationsstruktur sind inzwischen hoffnungslos veraltet, zur Abschreckung taugt das Arsenal nicht mehr. Viele der Raketen gelten bestenfalls als Giftmüll. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kampjet-attacke-aus-israel-zeigt-wie-veraltet-syriens-luftabwehr-ist-a-880787.html
wahrscheinlich kann man die qualität der syrischen flugabwehrwaffen mit denen saddams gleichsetzen, das würde bedeuten sie würden für israel kaum gefährlich werden. ähnlich düster dürfte es um das iranische flugabwehr-potential bestellt sein.
4.
deali_ 31.01.2013
Zitat von sysopREUTERS/ SANAIsraels Kampfjets haben problemlos Ziele in Syrien bombardiert - wo war die oft gelobte Luftabwehr des Assad-Regimes? Waffen, Systeme und Organisationsstruktur sind inzwischen hoffnungslos veraltet, zur Abschreckung taugt das Arsenal nicht mehr. Viele der Raketen gelten bestenfalls als Giftmüll. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kampjet-attacke-aus-israel-zeigt-wie-veraltet-syriens-luftabwehr-ist-a-880787.html
Nun, den Türken haben sie abgeschossen.
5.
themistokles 31.01.2013
Zitat von sysopREUTERS/ SANAIsraels Kampfjets haben problemlos Ziele in Syrien bombardiert - wo war die oft gelobte Luftabwehr des Assad-Regimes? Waffen, Systeme und Organisationsstruktur sind inzwischen hoffnungslos veraltet, zur Abschreckung taugt das Arsenal nicht mehr. Viele der Raketen gelten bestenfalls als Giftmüll. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kampjet-attacke-aus-israel-zeigt-wie-veraltet-syriens-luftabwehr-ist-a-880787.html
Es ist das immergleiche Märchen über die angeblich mächtige Waffengewalt der Staaten im Nahen Osten und/ oder Regimen, die international in Ungnade gefallen sind, nachdem sie jahrelang des Westens bester Freund waren: - Die angeblich so schlagkräftige Syrische Armee bzw. Luftabwehr - Die Massenvernichtungswaffen des Irak - Die Atombombe des Iran - Die mächtige Armee Nordkoreas bzw. ihre ach so schlagkräftige Raketentechnik (OK, die waren schon immer die Bösen) - etc. pp. Die richtige Frage an dieser Stelle wäre: Wer hat ein Interesse daran? Aber danach fragt natürlich kein Journalist mehr....
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Israel
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 313 Kommentare