Vorwürfe aus Ankara: Türkischer Jet "außerhalb Syriens" abgeschossen

Das Außenministerium in Ankara erhebt Vorwürfe gegen Syrien: Die vermisste türkische Militärmaschine habe sich schon wieder in internationalem Luftraum befunden, als sie abgeschossen wurde. Das Flugzeug sei unbewaffnet gewesen und habe den syrischen Luftraum nur kurz aus Versehen verletzt.

Türkischer Außenminister Davutoglu (Mitte): "Keine Operation gegen Syrien" Zur Großansicht
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Türkischer Außenminister Davutoglu (Mitte): "Keine Operation gegen Syrien"

Istanbul - Der von der syrischen Armee abgeschossene türkische Kampfjet befand sich laut der türkischen Regierung zum Zeitpunkt des Angriffs nicht in syrischem Luftraum. "Unseren Erkenntnissen zufolge wurde unser Flugzeug in internationalem Luftraum abgeschossen, 13 Seemeilen vor der syrischen Küste", sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu am Sonntag dem Fernsehsender TRT.

Davutoglu räumte ein, der Kampfjet habe den Luftraum des Nachbarlandes verletzt. Das sei ein Versehen gewesen. Die F-4 "Phantom" habe sich auf einem Ausbildungsflug befunden und keinen Geheimauftrag im Zusammenhang mit den bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Syrien gehabt - es habe sich nicht um einen Spionageeinsatz gehandelt. Die Maschine sollte die Radar- und Verteidigungssysteme der Türkei testen. "Es gab keine Operation gegen Syrien. Das Flugzeug war nicht bewaffnet", sagte Davutoglu.

Die Maschine vom Typ F-4 sei am Freitag auf einem Trainingsflug in den syrischen Luftraum geraten, bei dem es einzig darum gegangen sei, die türkischen Radareinrichtungen zu testen. Die Piloten hätten schnell abgedreht, nachdem sie von der eigenen Flugkontrolle über den Fehler informiert worden seien. Das Flugzeug verließ laut Davutoglu den syrischen Luftraum und wurde wenige Minuten später abgeschossen.

Nach syrischer Darstellung hatte die Regierung in Damaskus nicht erkannt, dass es sich um ein türkisches Flugzeug handelte. Davutoglu sagte, er stimme nicht mit dieser Einschätzung überein. Das Flugzeug sei klar als türkisch zu erkennen gewesen.

Syrien hatte erklärt, das türkische Militärflugzeug abgeschossen zu haben, nachdem dieses in den syrischen Luftraum eingedrungen sei. Der Abschuss sei kein Angriff auf die Türkei gewesen. Laut der Regierung in Damaskus befand sich die schnell und niedrig fliegende Maschine im syrischen Hoheitsgebiet nur einen Kilometer vor der Mittelmeerküste.

Beide Länder suchen immer noch nach den beiden vermissten Besatzungsmitgliedern. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Syrien sind derzeit äußerst angespannt. Nach Beginn der brutalen Niederschlagung der Proteste in Syrien vor mehr als einem Jahr hatte sich die Türkei von ihrem früheren politischen und wirtschaftlichen Verbündeten losgesagt.

ulz/dpa/dapd/AFP/Reuters

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insgesamt 44 Beiträge
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1. Ungereimtheiten
robert.haube 24.06.2012
Nach Angaben von www.debka.com, ihre gestrige Mitteilung korrigierend, ist das Flugzeug durch eine Panzir-S1 Rakete abgeschossen worden und zwar von der 73. Brigade der 26. Division der syrischen Luftstreitkräfte. Wenn es tatsächlich die hocheffektive Panzir-S1 war, ist die Angabe des türkischen Außenministeriums über den 13-Meilen-Abstand unplausibel. Die Panzir-S1 hat einen maximalen Radius von 11 Meilen und max. Flugzeit von 15 Sekunden.
2.
pstill 24.06.2012
Zitat von sysopDas Außenministerium in Ankara erhebt neue Vorwürfe gegen Syrien: Die vermisste türkische Militärmaschine habe sich schon wieder in internationalem Luftraum befunden, als sie abgeschossen wurde. Das Flugzeug sei unbewaffnet gewesen und habe den syrischen Luftraum nur kurz aus Versehen verletzt. Kampfjet wurde laut Türkei in internationalem Luftraum abgeschossen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,840630,00.html)
Es sei mal dahingestellt was jetzt war ist oder nicht. Was Usus zwischen den Staaten Türkei und Syrien war/ist. In anderen Berichten wird von einer Luftraumverletzung von einem Kilometer gesprochen. Dann wäre ein Abschuss mehr als ein schlechter Witz. Selbst wenn die Maschine mit niedrigster Geschwindigkeit geflogen wäre; für einen Kilometer bräuchte sie nur Sekunden. Daher auch wahrscheinlich der Treffer der Rakete über internationalen Gewässern. Jedenfalls sind das keine guten Nachrichten...
3. Assad muss weg,
Mani2 24.06.2012
aber wenn ein Militärflugzeug den Luftraum eines souveränen Landes verletzt, hat dieses Land dass Recht es ab zuschiessen. Das die Machine ausversehen in den syrischen Luftraum eingedrungen ist, glaub ich ehrlich gesagt nicht. Auch türkische Militärmaschinen sollten über GPS verfügen.
4. unnötige Flüge
mundi 24.06.2012
Zitat von sysopDas Außenministerium in Ankara erhebt neue Vorwürfe gegen Syrien: Die vermisste türkische Militärmaschine habe sich schon wieder in internationalem Luftraum befunden, als sie abgeschossen wurde....
Warum müssen überhaupt Militärmaschinen in der Nähe fremder Hochheitsgewässer herumfliegen?
5. Die Türkei hat Syriens Luftraum verletzt
gambio 24.06.2012
Zitat von sysopDas Außenministerium in Ankara erhebt neue Vorwürfe gegen Syrien: Die vermisste türkische Militärmaschine habe sich schon wieder in internationalem Luftraum befunden, als sie abgeschossen wurde. Das Flugzeug sei unbewaffnet gewesen und habe den syrischen Luftraum nur kurz aus Versehen verletzt. Kampfjet wurde laut Türkei in internationalem Luftraum abgeschossen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,840630,00.html)
Die Türkei hat am Sonntag eingeräumt, dass ihr am Freitag von der syrischen Luftabwehr abgeschossener Kampfjet den Luftraum des Nachbarlandes verletzt habe. Das sei ein Versehen gewesen, erklärte Aussenminister Ahmet Davutoglu in Ankara. Es habe sich nicht um einen Spionageeinsatz gehandelt, betonte er im staatlichen Fernsehsender TRT.
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