Kampfpiloten-Rebellion Israelisches Militär suspendiert Meuterer

Die 27 israelischen Piloten, die "unmoralische und illegale" Befehle verweigern wollen, sind vom Dienst suspendiert worden. Die Männer hatten in einem offenen Brief an den Luftwaffen-Chef angekündigt, unschuldige Zivilisten nicht mehr angreifen zu wollen.


Kampfpilot in Israel (Archivbild)
AP

Kampfpilot in Israel (Archivbild)

Tel Aviv - Luftwaffenchef Generalmajor Dan Halutz kündigte harte Konsequenzen an. Diejenigen unter den 27 Unterzeichnern des Briefes, die im aktiven Dienst seien, würden zunächst nicht mehr fliegen. Sie sollten die Chance bekommen, ihre Aussage zu widerrufen. Andernfalls würde ihnen die Entlassung aus der Luftwaffe bevorstehen.

Die 27 Piloten der Reserve hatten sich in ihrer Erklärung am Mittwoch erstmals einem Einsatz über den palästinensischen Autonomiegebieten widersetzt. "Wir weigern uns, weiter unschuldige Zivilisten anzugreifen", hieß in ihrer Stellungnahme. Die Äußerung bezieht sich darauf, dass oft auch Unbeteiligte zu den Opfern zählten. Nach palästinensischen Angaben wurden in den vergangenen drei Jahren rund 140 militante Palästinenser bei gezielten Angriffen getötet, zudem starben mehr als hundert Zivilisten.

Die öffentliche Ankündigung hat in Israel heftigste Reaktionen ausgelöst. Denn Israel sieht sich im Kriegszustand mit den palästinensischen Terrororganisationen. Grund für die Empörung ist aber auch, dass die Luftwaffe allgemein als Elitetruppe betrachtet wird. Doch auch dort gab es bereits zahlreiche Fälle von "Befehlsverweigerung in der Grauzone". Ein Reserve-Pilot eines Apache-Kampfhubschraubers berichtete, er habe einmal auf eine Menschenmenge feuern sollen, aus der heraus israelische Soldaten beschossen wurden. Trotz des immensen Drucks des Infanterie-Kommandeurs habe er es einfach nicht getan. Ein Major sagte der Zeitung "Maariv", wer von seinen Piloten keine Einsätze über den Palästinensergebieten fliegen wolle, könne ihm das einfach sagen, dann werde er aus der Luftwaffe entlassen.

In der Infanterie haben schon Dutzende Soldaten den Dienst in den besetzten Gebieten verweigert. Dabei handelt es sich aber nur um kleinere Gruppen, viele Schulabgänger melden sich immer noch freiwillig zum Kampfeinsatz. Einige Kommentatoren in den israelischen Medien warnten aber auch, der Protest der Piloten könne sich ausweiten. Viele seien unzufrieden. Zweifel gebe es vor allem auch deshalb, weil die Angriffe nicht dazu geführt hätten, den Terror zu stoppen.

Ein einschneidendes Ereignis war für viele Piloten offenbar der Angriff im vergangenen Jahr auf Salah Schehadeh, den Führer des militärischen Flügels der Hamas. Eine Eintonnenbombe tötete Schehadeh, einen Begleiter und 14 Zivilisten, darunter neun Kinder.

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