Kanada Armee errichtet Zelte für Flüchtlinge aus den USA

Das Militär in Kanada spricht von einer "Notmaßnahme": Es hat an der Grenze zu den USA Dutzende Zelte für Flüchtlinge aufgebaut - die Menschen kommen aus Angst vor der strikten Einwanderungspolitik der Trump-Regierung.


Die kanadische Armee hat an der Grenze zu den USA zahlreiche beheizbare Zelte für Flüchtlinge aufgestellt. Sie bieten zunächst Platz für 500 Menschen, wie das Militär mitteilte. Es handele sich um eine "Notmaßnahme". Die Armee errichtete die Zelte in Saint-Bernard-de-Lacolle in der Provinz Québec. Knapp hundert Soldaten sollen dort aushelfen.

Sobald die Zelte und andere Einrichtungen für die Flüchtlinge fertiggestellt sind, werden die Soldaten wieder in ihre jeweiligen Stützpunkte zurückkehren, sagte Daniel Le Bouthillier, ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Kanada verzeichnet derzeit einen massiven Anstieg von Flüchtlingen, die aus den USA kommen. Die meisten von ihnen stammen aus Haiti. Der Außenminister von Haiti, Antonio Rodrigue, hatte erst kürzlich in Québec Gespräche über seine Landsleute geführt.

Haitianer genießen nur noch bis Januar 2018 einen geschützten Status in den USA. Dieser war nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 mehr als 50.000 Menschen aus dem Karibikstaat gewährt worden. Im Mai hatte das US-Ministerium für Innere Sicherheit an die Haitianer im Land appelliert, sich Reisedokumente zu besorgen, um nach Haiti zurückzukehren.

Angst vor Trump

Das Einwanderungsministerium in Kanada hatte bereits Anfang August auf seiner Facebook-Seite vor illegalen Grenzübertritten gewarnt. Berichte, wonach Kanada Asylsuchende ins Land einlade, seien falsch. Den Angaben der Behörde zufolge akzeptierte Kanada im vergangenen Jahr nur 50,5 Prozent aller Asylgesuche von Menschen aus Haiti.

Aus Angst vor der strikten Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump sind nach Angaben kanadischer Behörden seit Jahresbeginn bereits Tausende Asylbewerber aus den USA ins Nachbarland Kanada geflohen. In den ersten sechs Monaten seien es mehr als 4300 Menschen gewesen.

Allein in Montreal, der größten Stadt in der Provinz Québec, kommen inzwischen pro Tag rund 200 Asylsuchende aus den USA an. In der gleichnamigen Stadt Québec wurden unter anderem bereits ein Sportstadion, ein ehemaliges Krankenhaus und eine Schule zu Unterkünften für Flüchtlinge umfunktioniert.

aar/AFP/Reuters

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