Neue Politiker in Kanada Das vermutlich coolste Kabinett der Welt

Zwei Sikhs, ein früherer Eishockey-Spieler und ein Ex-Astronaut: Kanada wird von einer neuen, spektakulären Regierungsmannschaft geführt. Schauen Sie selbst, mit wem Premier Trudeau sein Land verändern will.

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Justin Trudeau hat sich eine Menge vorgenommen. Der neue Premierminister will nicht weniger als Kanada umkrempeln. "Es ist Zeit für Veränderungen in diesem Land, echte Veränderungen", kündigte der liberale Politiker an.

Der 43-Jährige ist smart und redegewandt. Und einem Mann mit seinem Namen traut man in Kanada eine Menge zu, denn schon sein Vater Pierre hatte das Land ab Ende der Sechzigerjahre als Regierungschef in die Moderne geführt.

Der erste Coup des neuen Premiers war die Vorstellung seines Kabinetts. Die 30-köpfige Regierungsmannschaft birgt eine Vielfalt, die weltweit ihresgleichen sucht. Sie besteht zum einen genau zur Hälfte aus Männern und Frauen und zum anderen aus einer Menge untypischer Regierungsvertreter. Viele sind Neulinge.

Im Kabinett finden sich ein Inuit, Sikhs, Einwanderer, Flüchtlinge. Auf die Frage nach dem Warum einer Reporterin antwortete Trudeau schlagfertig: "Weil 2015 ist."

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Regierung: Cool, cooler, Kanada

"Ich werde der Premier aller Kanadier sein"

Trudeau hatte sein Amt am Mittwoch angetreten. Bei der Parlamentswahl am 19. Oktober hatten seine Liberalen die absolute Mehrheit erzielt, Trudeaus konservativer Vorgänger Stephen Harper musste nach neun Jahren im Amt gehen. Während des Wahlkampfs hatte Trudeau versprochen, syrische Flüchtlinge aufzunehmen und die Kampfjets aus Syrien und dem Irak abzuziehen, die sein Vorgänger in den Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) geschickt hatte. Den Wählern versprach er: "Ich werde der Premierminister aller Kanadier sein."

Trudeau wurde 1971 in der Hauptstadt Ottawa geboren. Damals war sein Vater Premierminister, er hatte das Amt zwischen 1968 und 1979 und noch einmal zwischen 1980 und 1984 inne.

Er absolvierte nach der Schule verschiedene Studiengänge und arbeitete sogar als Schauspieler, bis er sich doch für die Politik entschied. Auch der Premier selbst ist ungewöhnlichen Auftritten nicht abgeneigt. Schon 2012 hatte er sich etwa mit einem politischen Konkurrenten geprügelt - für einen guten Zweck.

Politiker Trudeau (l./2012): Hang zum spektakulären Auftritt
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Politiker Trudeau (l./2012): Hang zum spektakulären Auftritt

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Seite 1
windpillow 06.11.2015
1. Einer fehlt noch
Für Kultur, Musik usw. hätte sich Trudeau durchaus Neil Young dazu holen können.
querollo 06.11.2015
2. Dünne
Zu Recherche war wohl wieder keine Zeit, was? Das Interessante an Trudeaus Kabinett ist vor allem, dass die Ministerposten nach FACHKOMPETENZ vergeben wurden. Die Wissenschaftsministerin z.B. ist Professorin, Forscherin und Nobelpreisträgerin. Dass sie Frau ist, ist da wohl weniger interessant gewesen. Der Verteidigungsminister ist tatsächlich Militär und hoch dekorierter Veteran. Dass er auch Sikh ist, dürfte ihn weniger qualifiziert haben. Die Gesundheitsministerin ist Ärztin. Und so wurde jeder einzelne Ministerposten mit Menschen besetzt, die tatsächlich etwas von ihrem Metier verstehen. Das ist schon außergewöhnlich - und deutlich anders als in Deutschland, wo man heute Landwirtschaftsminister ist und morgen die Finanzen des Landes verantwortet.
roughneckgermany 06.11.2015
3.
Keine ausschließliche "Senioren"-Mannschaft, mit Mitgliedern aus allen Schichten und Ethnien. Dazu sogar Erfahrungen, die zum aktuellen Amt passen. Deutschland, bitte nachmachen!
nicht-schweiger 06.11.2015
4. kleine Rechenaufgabe
Der 42 jährige ist smart und wurde 1971 geboren. Ja ich auch....also 1971 geboren. Bin aber 44. Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion.
Wolffpack 06.11.2015
5.
Zitat von querolloZu Recherche war wohl wieder keine Zeit, was? Das Interessante an Trudeaus Kabinett ist vor allem, dass die Ministerposten nach FACHKOMPETENZ vergeben wurden. Die Wissenschaftsministerin z.B. ist Professorin, Forscherin und Nobelpreisträgerin. Dass sie Frau ist, ist da wohl weniger interessant gewesen. Der Verteidigungsminister ist tatsächlich Militär und hoch dekorierter Veteran. Dass er auch Sikh ist, dürfte ihn weniger qualifiziert haben. Die Gesundheitsministerin ist Ärztin. Und so wurde jeder einzelne Ministerposten mit Menschen besetzt, die tatsächlich etwas von ihrem Metier verstehen. Das ist schon außergewöhnlich - und deutlich anders als in Deutschland, wo man heute Landwirtschaftsminister ist und morgen die Finanzen des Landes verantwortet.
Danke für diese Infos! Das ist in der Tat cool, hoffentlich wird daraus was.
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