Kanadas Premier Trudeau "Deutschland ist ein echter Freund"

Der neue US-Präsident Trump sorgt weltweit für Verunsicherung. Währenddessen betonen Kanadas Premier Trudeau und Kanzlerin Merkel in Berlin ihr eigenes transatlantisches Bündnis.


Donald Trump will die Vereinigten Staaten abschotten: Er steht für eine harte Einwanderungspolitik, internationale Verträge stellt der neue US-Präsident infrage. Was heißt das für die Partner der Amerikaner in der Welt? Bundeskanzlerin Angela Merkel und der kanadische Premier Justin Trudeau haben in Berlin über mögliche Antworten gesprochen. Beide Länder wollen künftig enger zusammenrücken - offensichtlich auch eine Reaktion auf die neue Macht im Weißen Haus.

Ziel ist es, zentrale Anliegen wie den Klimaschutz und den Freihandel in der Welt zu fördern. Merkel sprach nach dem Treffen mit Trudeau von der gemeinsamen Überzeugung, dass bilaterale oder auch weltweite Handelsabkommen einen Mehrwert für alle Beteiligten böten.

Mit dem Freihandelsabkommen Ceta hätten Europa und Kanada einen Standard für solche Vereinbarungen gesetzt, betonten beide. Die Kanzlerin nannte Kanada einen "sehr aktiven Partner", mit dem man in der G20 die Themen Frauenförderung, Handel, Afrika-Hilfen und Klimaschutz voranbringen wolle.

Ceta ein Beispiel für "modernes Abkommen"

Trudeau, der Anfang der Woche Trump getroffen hatte, unterstrich, letztlich gelte es, mit einer Zusammenarbeit für die eigenen Bürger positive Ergebnisse zu schaffen. Er nannte Deutschland nicht nur einen engen Verbündeten, sondern "einen echten Freund". Die Ceta-Verträge seien ein Beispiel für ein "anspruchsvolles, modernes Abkommen".

Mit Blick auf die Zusammenarbeit mit Trump plädierte er dafür, sich auf die Felder zu konzentrieren, wo es Gemeinsamkeiten gebe. Merkel machte deutlich, das transatlantische Verhältnis habe unabhängig vom Wahlausgang eine überragende Bedeutung für Deutschland.

Das EU-Parlament hatte am Mittwoch den Weg freigemacht für das EU-kanadische Ceta-Abkommen. Teile davon dürften damit schon im Frühjahr in Kraft treten. Während die Bundesregierung und die Wirtschaft das Abkommen als Zeichen gegen Abschottung werteten, sprachen Grüne, Linke und zahlreiche Organisationen von unzureichenden Schutzmechanismen etwa für Umwelt und Menschenrechte. Bis alle Vereinbarungen gelten, werden aber vermutlich noch Jahre vergehen, da die nationalen Parlamente der EU-Staaten noch zustimmen müssen.

kev/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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hugahuga 17.02.2017
1.
Herr Trudeau sollte doch wissen, dass das Nafta Abkommen für viele kanadische Firmen und die Bevölkerung eine Menge Nachteile brachte. So sagt Wiki zu diesem Thema: Stephen Gill von der York University in Toronto, einer der „Fifty Key Thinkers of International Relations“, spricht von einer Privatisierung des Handelsrechts und von der „Verrechtlichung neoliberaler Dogmen“. 2014 waren nach einer Studie der NGO Public Citizen's Trade Watch vor den Schiedsgerichten NAFTA-Verfahren mit Schadensersatzansprüchen an Regierungen (vor allem an die kanadische) in Höhe von 12,4 Milliarden US-Dollar anhängig. und weiter heißt es: Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Abkommens werden außer von den Hauptnutznießern eher negativ beurteilt: Mexiko, früher Selbstversorger mit dem Hauptnahrungsmittel Mais, wurde mit hochsubventionierten US-amerikanischen Landwirtschaftsprodukten und Fleisch überschwemmt, dessen Preis 20 Prozent unter den Produktionskosten liegt. Die erwartete Spezialisierung der mexikanischen Landwirtschaft trat nicht ein: Millionen Maisbauern mussten nach Angaben des US-amerikanischen Gewerkschaftsdachverbands aufgeben, die vielen Land- und Arbeitslosen konnten aber nicht in den neu entstandenen Zulieferindustrien absorbiert werden. Die Kriminalität stieg. Mexiko muss heute 60 Prozent seines Weizen- und 70 Prozent seines Reisbedarfs importieren. Wenn nun Frau Merkel meint, dass das CETA Abkommen von Vorteil sei, dann stellt sich die Frage: Für wen? Sicher ist der normale Bürger der Verlierer, aber was macht das schon, wenn nur die Konzerne - auch die US amerikanischen über ihre kanadische Dependance - die großen Gewinne machen können. Wie gestern vor dem NSA Ausschuss, muss auch heute an Merkel die Frage gestellt werden: Für wen und in wessen Auftrag arbeiten Sie, Frau Merkel?
viceman 17.02.2017
2. nach dem,
was frau merkel heute über ceta und die beziehungen zu kanada sagte, kann ich nur bitten, diese frau umgehend von ihrem amt zu entbinden. begründung, politik zum nachteil der übergroßen mehrheit des volkes, zugunsten einer verschwindent kleinen minderheit von profiteuren der neoliberalisierung. die profiteure sitzen zum nicht geringen teil außerhalb deutschlands... spätestens mit der nächsten bundestagswahl wird die kanzlerschaft merkels zu ende sein, zu befürchten ist aber, daß sich herr schulz nur in nuancen von ihr unterscheidet und daß die sog. alternative für deutschland genau nichts anderes zustande bringen würde...
allesamt 17.02.2017
3. Angst vor Trump und Putin
Die meisten EU-- und Nato-Staaten sind wegen der Trump`schen Außen- und Wirtschaftspolitik verunsichert. Darum gilt jetzt: Alle Bündnispartner sprechen sich ab und bilden eine Front gegen Trump. Die Angst, Trump könnte Putin nicht mehr mit dem gleichen Elan bekämpfen wie Obama, treibt unsere Kanzlerin zu fortwährenden Gesprächen mit den Verbündeten. Das primäre Ziel der Bundesregierung ist und bleibt aber die Ausgrenzung Russlands, wobei speziell die Dämonisierung Putins durch die Medien ein wichtiger Faktor ist, um ihre Politik erfolgreich durchsetzen zu können.
Atheist_Crusader 17.02.2017
4.
Zitat von allesamtDie meisten EU-- und Nato-Staaten sind wegen der Trump`schen Außen- und Wirtschaftspolitik verunsichert. Darum gilt jetzt: Alle Bündnispartner sprechen sich ab und bilden eine Front gegen Trump. Die Angst, Trump könnte Putin nicht mehr mit dem gleichen Elan bekämpfen wie Obama, treibt unsere Kanzlerin zu fortwährenden Gesprächen mit den Verbündeten. Das primäre Ziel der Bundesregierung ist und bleibt aber die Ausgrenzung Russlands, wobei speziell die Dämonisierung Putins durch die Medien ein wichtiger Faktor ist, um ihre Politik erfolgreich durchsetzen zu können.
Was muss man denn noch groß an einem Mann dämonisieren der überall Propaganda und Desinformation sät, Spaltungspolitik betreibt, in fremde Wahlen eingreift, Kritiker ermordet oder wegsperrt, die Opposition einschüchtert, seine Nachbarländer überfällt und Offensivmanöver an deren Grenzen probt*? Putin schafft es sehr gut, schlecht auszusehen. Dazu braucht er keine Dämonisierung durch Merkel oder sonst Jemanden, sondern nur simple Berichterstattung. * Und bevor jetzt wieder irgendjemand mit einer schwachsinnigen false equivalency kommt: Nein, die russischen Manöver sind NICHT vergleichbar mit den NATO-Manövern. Die NATO-Manöver sind in ihrem Umfang im Schnitt sehr viel kleiner und behandeln Defensivszenarien. Die russischen sind an Mannstärke und Material sehr viel umfangreicher und proben mehrheitlich Offensivszenarien.
multi_io 17.02.2017
5.
Zitat von hugahugaHerr Trudeau sollte doch wissen, dass das Nafta Abkommen für viele kanadische Firmen und die Bevölkerung eine Menge Nachteile brachte. So sagt Wiki zu diesem Thema: Stephen Gill von der York University in Toronto, einer der „Fifty Key Thinkers of International Relations“, spricht von einer Privatisierung des Handelsrechts und von der „Verrechtlichung neoliberaler Dogmen“. 2014 waren nach einer Studie der NGO Public Citizen's Trade Watch vor den Schiedsgerichten NAFTA-Verfahren mit Schadensersatzansprüchen an Regierungen (vor allem an die kanadische) in Höhe von 12,4 Milliarden US-Dollar anhängig. und weiter heißt es: Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Abkommens werden außer von den Hauptnutznießern eher negativ beurteilt: Mexiko, früher Selbstversorger mit dem Hauptnahrungsmittel Mais, wurde mit hochsubventionierten US-amerikanischen Landwirtschaftsprodukten und Fleisch überschwemmt, dessen Preis 20 Prozent unter den Produktionskosten liegt. Die erwartete Spezialisierung der mexikanischen Landwirtschaft trat nicht ein: Millionen Maisbauern mussten nach Angaben des US-amerikanischen Gewerkschaftsdachverbands aufgeben, die vielen Land- und Arbeitslosen konnten aber nicht in den neu entstandenen Zulieferindustrien absorbiert werden. Die Kriminalität stieg. Mexiko muss heute 60 Prozent seines Weizen- und 70 Prozent seines Reisbedarfs importieren. Wenn nun Frau Merkel meint, dass das CETA Abkommen von Vorteil sei, dann stellt sich die Frage: Für wen? Sicher ist der normale Bürger der Verlierer, aber was macht das schon, wenn nur die Konzerne - auch die US amerikanischen über ihre kanadische Dependance - die großen Gewinne machen können. Wie gestern vor dem NSA Ausschuss, muss auch heute an Merkel die Frage gestellt werden: Für wen und in wessen Auftrag arbeiten Sie, Frau Merkel?
"Most economic analyses indicate that NAFTA has been a small net positive for the United States, large net positive for Mexico and had an insignificant impact on Canada. ... Impact on Mexican farmers[edit] Several studies have rejected NAFTA as the force responsible for depressing the incomes of poor corn farmers, citing the trend's existence more than a decade before NAFTA's existence, an increase in maize production after NAFTA went into effect in 1994, and the lack of a measurable impact on the price of Mexican corn due to subsidized corn coming into Mexico from the United States, though they agree that the abolition of U.S. agricultural subsidies would benefit Mexican farmers.[73]" Genau. Danke. Und jetzt haben wir nur über mexikanische Bauern geredet, nicht über mexikanische Fabrikarbeiter, Ingenieure, Wissenschaftler, Banker, Beamte, Angestellte und so weiter. Das sind größtenteils wesentlich größere Gruppen, und denen nützt das Abkommen. Das mexikanische GDP steigt kontinuierlich, und selbst wenn die Lebensmittelpreise wegen billiger Importe sinken, dann ist das nicht generell schädlich, sondern nützlich gerade für arme Leute, die was anderes mit ihrem Leben vorhaben als Mais anzubauen.
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