Fall Meng Wanzhou Trudeau feuert kanadischen Botschafter in China

Die falsche Bemerkung im falschen Moment? Premier Trudeau hat den kanadischen Botschafter in China entlassen. Der Diplomat hatte sich zum politisch heiklen Fall der Huawei-Managerin Meng Wanzhou geäußert.


Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat seinen Botschafter in China, John McCallum, gefeuert. Er habe McCallum um dessen Rücktritt gebeten, dieser hat das akzeptiert, erklärte Trudeau am Samstag. Nähere Angaben machte der Premierminister nicht.

McCallum hatte in den vergangenen Tagen mit Äußerungen zum Fall der in Kanada festgenommenen Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou für Irritationen gesorgt. Der Botschafter hatte unter anderem gesagt, der Auslieferungsantrag der USA sei fehlerbehaftet. Später sagte er, es wäre "gut für Kanada", wenn die USA den Auslieferungsantrag fallen ließen.

Meng war Anfang Dezember auf Betreiben der USA in Kanada festgenommen worden. Die Ermittler werfen der Managerin vor, über eine Firma namens Skycom technische Geräte an Iran verkauft zu haben. Dadurch habe sie das Sanktionsrecht verletzt. Meng ist zwar mittlerweile auf Kaution frei, das Verfahren zu ihrer Auslieferung an die USA läuft aber noch. Bei einer Verurteilung drohen der 46-Jährigen Jahrzehnte im Gefängnis.

Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou
AP

Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou

Empörte Drohungen aus Peking - und dann Vergeltung

Peking hatte empört auf die Festnahme der Huawei-Managerin reagiert - das chinesische Außenministerium drohte mit Vergeltung: Vizeaußenminister Le Yucheng forderte Kanada auf, die Finanzchefin des Konzerns unverzüglich freizulassen, andernfalls müsse das Land mit Konsequenzen rechnen.

Der Botschafter Kanadas wurde einbestellt und dabei über den "starken Protest" der Volksrepublik informiert. Der Fall sei "extrem abscheulich", teilte das Außenministerium in Peking mit. Welche Folgen Kanada bei einer Weigerung drohten, blieb allerdings offen.

Wenig später wurden zwei kanadische Staatsangehörige in China festgenommen - eine Vergeltungsmaßnahme, da waren sich Diplomaten sicher:

  • Der frühere kanadische Diplomat Michael Kovrig wurde auf einer Chinareise festgesetzt. Er ist Mitarbeiter der International Crisis Group (ICG), einer in Außenpolitikkreisen bekannten NGO, und lebt in Hongkong. Die chinesischen Behörden machten keine Angaben zu den Gründen für seine Festnahme. Chinesischen Medienberichten zufolge werden ihm Aktivitäten vorgeworfen, die "Chinas nationale Sicherheit gefährden". Solche Formulierungen werden häufig verwendet, um Spionagevorwürfe zu umschreiben.
  • Drei Tage später wurde der in China lebende Unternehmer Michael Spavor festgenommen. Er vermittelt Reisen nach Nordkorea für sportliche, touristische, kulturelle und geschäftliche Zwecke. Spavor wurde unter anderem bekannt, als er Treffen von Ex-Basketballstar Dennis Rodman mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un arrangierte. Eine staatliche Nachrichtenagentur in der nordostchinesischen Provinz Liaoning berichtete, die Staatssicherheit habe Ermittlungen gegen Spavor eingeleitet. Auch bei ihm hieß es: Verdacht auf "Aktivitäten, die Chinas nationaler Sicherheit schaden".

Kanada hat gegen die "willkürliche Festnahme" zweier Bürger in China protestiert. Die kanadische Außenministerin Cynthia Freeland forderte von Peking die sofortige Freilassung der beiden Kanadier. "Kanada ist ein Land, das von den Regeln des Gesetzes regiert wird", sagte Freeland. Entsprechend verlaufe das Verfahren gegen Meng Wanzhou "fair, unvoreingenommen und transparent". Dieses "Urgestein der Demokratie" wolle sie verteidigen und aufrechterhalten.

oka/AFP

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