Wahlsieger Trudeau Kanadas neuer starker Mann (links)

Ja, das ist Kanadas neuer Premier. In Shorts. Justin Trudeau geht mit der Konkurrenz auch mal ganz real in den Infight. Nebenbei will er nach dem Sieg seiner Liberalen die politische Landschaft der Nation umbauen.

REUTERS

Mal steigt er für einen guten Zweck in den Boxring, mal gibt er den geübten Pancakes-Wender mit Cowboyhut - und mal lässt er sich zwischen Transvestiten ablichten. Keine Frage: Mit Justin Trudeau sitzt bald kein ganz normaler Politiker auf Kanadas Regierungsbank. Der 43-Jährige hat mit seinen Liberalen die Parlamentswahlen gewonnen - und wird damit voraussichtlich auf den bisherigen Premier Stephen Harper folgen.

Trudeau folgt damit auch seinem berühmten Vater Pierre, der von 1968 bis 1979 und zwischen 1980 und 1984 an der Spitze der Regierung stand. Vor dem Sprung in die Politik allerdings verdingte sich verdingte sich Justin Trudeau als Lehrer, Barkeeper, Türsteher und Snowboard-Lehrer, darüber hinaus engagierte er sich für alle möglichen guten Zwecke. Seit 2008 sitzt Trudeau nun im kanadischen Unterhaus.

Im Wahlkampf hatte er vor allem die Mittelklasse umworben. So kündigte Trudeau an, im Falle eines Wahlsiegs die Steuern für Reiche zu erhöhen und viel Geld in die Infrastruktur zu stecken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Er versprach "nicht nur einen Regierungswechsel, sondern eine bessere Regierung".

"Nicht der cleverste Typ"

Von seinen Konkurrenten wurde er lange belächelt - was nicht zuletzt mit seinen zahlreichen PR-Stunts zu tun haben dürfte. Er sei einfach nicht bereit für das Amt des Regierungschefs, ätzten die Konservativen. Zu unerfahren. Trudeau möge zwar "nicht der cleverste Typ" sein, sagte hingegen der frühere liberale Abgeordnete Bob Rae kürzlich in einem Zeitungsinterview. "Aber er mag Menschen und die Menschen mögen ihn."

Das zahlt sich aus, auch finanziell. Für seine Partei warb Trudeau in den vergangenen beiden Jahren umgerechnet 25 Millionen Euro Spendengelder ein. Er mobilisierte 57.000 Freiwillige für seine Wahlkampagne, die Mitgliederzahl der Liberalen stieg auf 300.000.

Zum Stressabbau traf sich Trudeau als Kandidat regelmäßig mit einem Mitarbeiter im Boxring. Schon 2012 hatte er sich mit einem politischen Konkurrenten geprügelt - für einen guten Zweck. "Beim Boxen geht es nicht darum, seinen Gegenüber zu vermöbeln. Es geht darum, an seinem Plan festzuhalten, während der andere Typ auf dich einschlägt", erklärte Trudeau. Zumindest im jüngsten Wahlkampf ging diese Strategie auf.

kev/AFP



insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bestrosi 20.10.2015
1. Kanada hat es besser
Zum Beispiel Einwanderung: Offene Haltung, aber klare Obergrenzen und klare Ansagen an die Neu-Kanadier, welche Werte und Regeln gelten. Kein manisch-depressives Verhalten wie in Deutschland. Bitte nachmachen!
Axel Schön 20.10.2015
2. Frischer Wind...
..das sieht doch sehr hoffnungsvoll aus, ein junger, dynamischer Kerl, der alles andere als ein Berufspolitiker ist, durchaus normale Jobs gemacht hat und einfach mal charismatisch ist und was anpacken will! So einen finden wir hierzulande wohl kaum für unser vergrübeltes Deutschland. Allerdings haben wir auch ganz andere Herausforderungen... Geopolitische Lage, Flüchtlinge, Euro-Krise...
totalmayhem 20.10.2015
3.
"verdingte sich Justin Trudeau als Lehrer, Barkeeper, Türsteher und Snowboard-Lehrer" Meine Guete, ein geradezu harmloses Buebchen... im Vergleich zu Papa Pierre und Mama Margaret. Die waren ein "Geschenk Gottes" an die Regenbogenpresse der Achtziger. ;)
blurps11 20.10.2015
4.
Zitat von bestrosiZum Beispiel Einwanderung: Offene Haltung, aber klare Obergrenzen und klare Ansagen an die Neu-Kanadier, welche Werte und Regeln gelten. Kein manisch-depressives Verhalten wie in Deutschland. Bitte nachmachen!
Ist halt etwas einfacher, wenn man nur eine Landgrenze hat, noch dazu mit einem der reichsten und mächtigsten Länder der Welt.
Tiberias 20.10.2015
5. Wow!
Ich möchte mit 43 auch noch so jung aussehen. Was ist sein Geheimnis?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.