Elendslager in Libyen Kanada nimmt wie Sklaven gehaltene Flüchtlinge auf

In Libyen werden Flüchtlinge oft unter verheerenden Bedingungen festgehalten. Kanada hat jetzt angekündigt, 750 Migranten eine neue Heimat geben zu wollen.

Flüchtlingslager in Libyen (Archivbild)
REUTERS

Flüchtlingslager in Libyen (Archivbild)


Die Lage der Flüchtlinge in Libyen ist katastrophal. In dem nordafrikanischen Staat müssen Migranten häufig unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Kanada will jetzt 750 wie Sklaven gehaltene Flüchtlinge aufnehmen. Das kündigte der kanadische Einwanderungsminister Ahmed Hussen an.

"Bislang haben wir mehr als 150 von ihnen aufgenommen, und innerhalb von zwei Jahren werden 600 weitere nach Kanada kommen", sagte der Minister. Kanada wolle auch 100 Flüchtlinge aus dem Niger aufnehmen, die aus Flüchtlingslagern in Libyen gerettet worden seien. Einige von ihnen seien Opfer von Menschenhändlern gewesen.

Libyen ist ein wichtiges Transitland für Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen. Im Jahr 2017 sorgte eine Reportage des US-Nachrichtensenders CNN für Aufsehen: Es wurde gezeigt, wie Migranten in dem Krisenstaat auf Märkten wie Sklaven verkauft wurden.

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Die Welt sei damals "schockiert" über diese Bilder gewesen, sagte der kanadische Einwanderungsminister Hussen, der selbst ein früherer Flüchtling aus Somalia ist.

Die Regierung in Ottawa arbeite deswegen mit dem Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zusammen, um Flüchtlinge nach Kanada zu bringen und ihnen eine neue Heimat zu bieten.

"In Libyen die Hölle gefunden"

Im selben Jahr zeigte sich auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker von den Zuständen in Libyen schockiert. "Ich kann nicht ruhig schlafen bei dem Gedanken, was jenen Menschen in Libyen passiert, die ein besseres Leben gesucht und in Libyen die Hölle gefunden haben", sagte er damals in einem Interview. Europa dürfe "nicht den Mund halten angesichts dieser unglaublichen Probleme, die aus einem anderen Jahrhundert stammen".

Er sei "sehr schockiert" gewesen, als er Berichte gehört habe, wonach Flüchtlinge in Libyen wie Sklaven verkauft würden. "Bis vor zwei Monaten wusste ich nicht, dass das Problem dieses Ausmaß hat. Es ist ein dringliches Phänomen geworden", sagte Juncker.

als/dpa



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