Kandidat trotz Krebs: "Plan B heißt Chávez, Plan C auch"

Venezuelas Präsident Chávez ist zur Chemotherapie nach Kuba gereist - in der Heimat wollen die regierenden Sozialisten eine Debatte um seine Nachfolge unbedingt vermeiden. Er werde bei der Wahl 2012 wieder antreten, beharren sie. Doch die Opposition fordert, er solle die Macht abgeben.

Chávez vor seiner Abreise nach Kuba am 16. Juli: "Schlacht ums Leben" Zur Großansicht
REUTERS

Chávez vor seiner Abreise nach Kuba am 16. Juli: "Schlacht ums Leben"

Caracas - Die Krebserkrankung von Präsident Hugo Chávez hat in Venezuela einiges verändert, doch ein Plan besteht nach wie vor: Er soll bei den Wahlen im kommenden Jahr erneut kandidieren. Die Sozialisten haben sich jetzt demonstrativ hinter ihn gestellt.

Chávez werde Kandidat sein, versicherte der Sprecher der Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV), Aristóbulo Istúriz. Es gebe wegen der Erkrankung keine Nachfolge-Debatte. "Die einzige Nachfolge, die wir haben, ist die vom Kapitalismus zum Sozialismus. Die Leute wissen, dass Chávez unser Kandidat für 2012 ist. Plan B ist Chávez. Plan C auch."

In einem Interview des staatlichen Fernsehens erklärte auch Finanzminister Jorge Giordani: "Es gibt keinen Zweifel, dass er an den Wahlen 2012 teilnehmen wird." Er sei zuversichtlich, dass Chávez "auch danach für viele weitere Jahre" eine wichtige Rolle in Venezuela spielen werde.

Chávez, der seit 1999 regiert, hat seine Kandidatur offiziell noch nicht erklärt. Der 56-Jährige hält sich wegen seiner Krebserkrankung seit dem Wochenende zur Chemotherapie auf Kuba auf. Er schlage eine "Schlacht ums Leben", hatte Chávez getwittert. Wie lange er auf Kuba bleibt, ist unklar. Auch über die genaue Art der Erkrankung wurde bislang nichts mitgeteilt.

Der linke Politiker war erst am 4. Juli von Kuba nach einem fast vierwöchigen Aufenthalt zurückgekehrt. In Havanna hatten ihm die Ärzte am 10. Juni einen Abszess in der Beckengegend und zehn Tage später einen Krebstumor entfernt.

Bei der venezolanischen Opposition stößt auf heftige Kritik, dass Chávez seine Machtbefugnisse weitgehend behalten will, obwohl er im Ausland ist. "Wenn der Präsident das Land verlässt, muss der Vizepräsident die Exekutivrolle übernehmen", sagte etwa der oppositionelle Abgeordnete Hiram Gaviria. Der Abgeordnete Carlos Berrizbeitia erklärte, Chávez könne nicht von Havanna aus regieren. "Die Gesundheit des Landes muss über der Gesundheit des Präsidenten stehen."

Chávez selbst kündigte indes an, seine volle präsidentielle Macht nur dann an seinen Vize Elías Jaua abgeben zu wollen, wenn seine "Fähigkeiten eingeschränkt sind". In einem Dekret hat er allerdings Jaua und Finanzminister Giordani gewisse Kompetenzen übertragen.

kgp/dpa/dapd

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insgesamt 7 Beiträge
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1. das sind die wahren Demokraten dieser Welt...
beraterit 19.07.2011
die geben noch nicht mal den Löffel ab, obwohl sie grad den Löffel abgeben.. und Merkel und WW und Co - obwohl demokratisch zu 100 % legitimiert - will man hier rausmobben.
2. Zu optimistisch?
sukowsky, 19.07.2011
Die regierenden Sozialisten wünschen sich Chavez bei der Wahl 2012. Die Krankheit von Ch. wird da wohl entscheiden ob da was draus wird!
3. Es ist gut, wenn es "wahre Demokraten" wie Sie gibt
derandersdenkende 19.07.2011
Zitat von berateritdie geben noch nicht mal den Löffel ab, obwohl sie grad den Löffel abgeben.. und Merkel und WW und Co - obwohl demokratisch zu 100 % legitimiert - will man hier rausmobben.
Sie machen also Unterschiede zwischen demokratischen Wahlen. Sehr interessant! 100% demokratisch legitimiert ist, wer Ihnen in den Kram paßt, alle anderen muß man anzweifeln. Die deutsche Regierung ist durch seine Bürger nicht mal zu einem Drittel legitimiert und etwa genausoviel sind bereit Sie noch weitere Zeit zu ertragen. Ich glaube nicht, daß die Zustimmung für Chavez in Venezuela schlechter ausfällt, nur weil es in der hiesigen Meinungsmaschine anders propagiert wird. Chavez ist Interessenvertreter, wie Merkel und Westerwelle. Vielleicht haben Sie unterschiedliche Klientel, die Sie vertreten, aber ob sie es richtig für die demokratische Mehrheit tun, darüber können nur demokratische Wahlen entscheiden. Oder hätten Sie gern, daß wir den Venezolanern einen Somoza, Duvalier, Strößner oder Pinochet vor die Nase setzen und das Ganze dann aus der Ferne für demokratisch erklären.
4. Legitimiert?
kaiserjohannes 19.07.2011
Zitat von berateritdie geben noch nicht mal den Löffel ab, obwohl sie grad den Löffel abgeben.. und Merkel und WW und Co - obwohl demokratisch zu 100 % legitimiert - will man hier rausmobben.
Entschuldigen Sie, aber man sollte Aprikosen nicht mit Wassermelonen vergleichen. Merkel und Chavez haben allerdings eines gemeinsam: Sie wurden beide demokratisch gewählt und beide regieren gegen den Interessen der eigenen Nation.
5. ...
Mardor 19.07.2011
Zitat von kaiserjohannesEntschuldigen Sie, aber man sollte Aprikosen nicht mit Wassermelonen vergleichen. Merkel und Chavez haben allerdings eines gemeinsam: Sie wurden beide demokratisch gewählt und beide regieren gegen den Interessen der eigenen Nation.
Deutsche Sprache, schwere Sprache: Entweder "sie regieren gegen die Interessen" oder "sie regieren entgegen den Interessen", aber nicht "gegen den Interessen". Autsch.
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