Kandidatenrennen der Republikaner Außenseiter Santorum gewinnt drei US-Vorwahlen

Das Kandidatenrennen der US-Republikaner wird wieder spannend: Der religiöse Außenseiter Rick Santorum hat überraschend die Abstimmungen in Minnesota, Missouri und Colorado für sich entschieden. Der Favorit Mitt Romney schnitt enttäuschend ab und gerät nun massiv unter Druck.

AP

Washington - Es ist ein wichtiger symbolischer Erfolg für Rick Santorum, der bisher nur als Außenseiter im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner galt: Der ehemalige Senator von Pennsylvania gewinnt die Vorwahlen in den Bundesstaaten Minnesota und Missouri mit deutlichem Vorsprung, wie unter anderem die Fernsehsender CNN und NBC meldeten. Auch in Colorado hat der 53-Jährige gewonnen.

  • In Minnesota kam Santorum nach Auszählung von gut 70 Prozent der Stimmen auf etwa 45 Prozent. An zweiter Stelle lag überraschend der Kongressabgeordnete Ron Paul mit gut 27 Prozent. Der bisherige Favorit Mitt Romney kam nur auf Platz drei mit 17 Prozent, der ehemalige Parlamentspräsident Newt Gingrich auf 10 Prozent.
  • In Missouri konnte Santorum sogar 55 Prozent der Stimmen für sich verbuchen. Romney kam hier auf Platz zwei mit gut 23 Prozent, Ron Paul auf über 12 Prozent. Gingrich stand nicht auf den Wahlzetteln. Die Abstimmung in diesem Staat hatte lediglich symbolischen Charakter, weil dort erst im März verbindlich gewählt wird.
  • Auch in Colorado gewann Santorum nach Angaben des örtlichen Republikaner-Chefs, Ryan Call, auf CNN. Santorum kam demnach auf 40 Prozent der Stimmen und landete damit klar vor Romney. Dieser erhielt knapp 35 Prozent der Stimmen. Gingrich landete auf Platz drei mit knapp 13 Prozent der Stimmen, der texanische Senator Paul erhielt knapp 12 Prozent.

Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner scheint damit wieder offen. Santorum wirbelt mit seinem überraschendem Erfolg den Kampf um die Kandidatur gehörig durcheinander. Romney konnte seinen Favoritenstatus nach den klaren Siegen in New Hampshire, Nevada und Florida nicht festigen.

"Konservative Alternative zu Obama"

Sehr konservative Republikaner beäugen Romney nach wie vor mit Argwohn, weil er moderate Ansichten zu Abtreibung und Homosexuellenrechten vertrat. Santorum präsentiert sich dagegen als Hardliner. Zuletzt hatte Romney die Vorwahlen in dem bevölkerungsreichen Staat Florida gewonnen. Für Santorum waren die Siege am Dienstag die ersten nach seinem sehr knappen Sieg in Iowa im Januar.

In seiner Siegesrede unterstrich er euphorisch, ein besserer Herausforderer von Amtsinhaber Barack Obama bei der Wahl im November zu sein als Romney. Der Ex-Gouverneur von Massachusetts vertrete im Kern die gleichen Positionen wie der Demokrat im Weißen Haus, kritisierte Santorum. "Ich stehe hier als die konservative Alternative zu Obama", sagte er und griff dabei den US-Präsidenten scharf an: "Er hat niemals auf die Stimmen des Volkes gehört. Er denkt, er ist schlauer als Ihr, besser als Ihr".

Romney gratulierte Santorum zu seinem Erfolg, gab sich aber weiter zuversichtlich, Präsidentschaftskandidat zu werden. Er stellte sich bei seiner Rede im Hauptquartier seiner Anhänger in Denver als Außenseiter dar. Als einziger habe er niemals im Politikbetrieb der Hauptstadt Washington gearbeitet, sondern habe vor allem in der privaten Wirtschaft Erfahrung gesammelt.

Auch Romney griff den US-Präsidenten an und kritisierte die Bilanz seiner Wirtschaftspolitik. Während Obamas Amtszeit hätten mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verloren als jemals zuvor, zahlreiche Unternehmen seien in den vergangenen vier Jahren pleitegegangen und immer mehr Familien seien auf Lebensmittelmarken angewiesen. Damit sei Obama an seinen eigenen Zielen gescheitert. "Obama hat versagt - wir werden Erfolg haben."

heb/dpa/dapd

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LeToubib 08.02.2012
1.
Zitat von sysopDas Kandidatenrennen der US-Republikaner wird wieder spannend: Der religiöse Außenseiter Rick Santorum hat überraschend die Abstimmungen Abstimmungen in den Staaten Minnesota und Missouri gewonnen. Der Favorit Mitt Romney schnitt enttäuschend ab und gerät kräftig unter Druck. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813960,00.html
Damit mag Santorum sogar Recht haben: Schlauer und besser zu sein als John Doe ist wohl auch nicht allzu schwierig ... Aber ein gegenseitiges Zerfleischen der Rep.-Kandidaten kann Obama und damit den U.S.A. und damit der restlichen Welt doch nur nutzen, oder?
ceilks 08.02.2012
2. Religion
Zitat von sysopDas Kandidatenrennen der US-Republikaner wird wieder spannend: Der religiöse Außenseiter Rick Santorum hat überraschend die Abstimmungen Abstimmungen in den Staaten Minnesota und Missouri gewonnen. Der Favorit Mitt Romney schnitt enttäuschend ab und gerät kräftig unter Druck. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813960,00.html
Was sagt Benedikt denn dazu, dass eins seiner Schaefchen zum strengglaeubigen Evangelikalen wird? Im Ernst: Wenn schon auf die Religion Satorums abgeziehlt wird, sollte man sie wenigstens richtig hin bekommen.
nechtan 08.02.2012
3.
Zitat von sysopDas Kandidatenrennen der US-Republikaner wird wieder spannend: Der religiöse Außenseiter Rick Santorum hat überraschend die Abstimmungen Abstimmungen in den Staaten Minnesota und Missouri gewonnen. Der Favorit Mitt Romney schnitt enttäuschend ab und gerät kräftig unter Druck. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813960,00.html
Wie nett noch ein religiöser Fanatiker mit antiquierter Weltanschauung, das schreit ja nach einem neuem "Heiligen Krieg". Ich hoffe das, das amerikanische Volk sich nicht durch solche Leute beeindrucken lässt.
Alimentator 08.02.2012
4. Omg! Omg! Omg!
Jippie! Es bleibt spannend - und zum Glück dauert das noch mehrere Monate. Ich kann gar nicht genug von dieser Präsidentenwahl bekommen. Wer wird unser nächster US-Präsident und was wird er für Deutschland anders machen? [/Ironie]
reflexxion 08.02.2012
5. kommt mir vor wie die Kür des SPD Kanzlerkandidaten
Jetzt mal vollkommen weg von den politischen Zielen, das wirkt auf mich wie die Diskussionen um den SPD Kanzlerkandidat für 2013. Auf der einen Seite steht da eine Amtsinhaberin, die das einfach wie Obama aussitzen kann, sie hat nichts erreicht von dem was sie vorhatte, wenn sie denn was vor hatte - das ist wie bei Obama, der aber immerhin was versprach, was er nicht liefern konnte. Auf der anderen Seite ist da eine immer noch große Partei, die ihr Ei nicht legen kann, weil die sogenannte Führungsspitze nicht führungstauglich ist. Ich sehe weder bei der Witzfigur Gabriel noch dem geborenen Bürovorsteher Steinmeier die Kanzlertauglichkeit, von Wählbarkeit ganz zu schweigen. Steinbrück hat sich bereits ins abseits gebracht und Frau Kraft aus NRW dürfte es erst recht nicht werden, denn sie agiert dort nicht gerade strahlend. Bleibt noch Frau Nahles, aber daran kann ich auch nicht glauben, dazu ist die SPD in sich auch viel zu konservativ. Wir werden also vielleicht auch den Kandidaten der Woche erleben, wenn es bei der SPD mal konkreter wird. Meist haben sie sich ohne fremde Einwirkung selbst zerfleischt. Meine große Angst ist dabei nur, das uns diese Frau Merkel auch nach 2013 erhalten bleibt, einfach nur mangels irgendeiner Alternative.
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