Von Florian Gathmann und Stefan Simons
Berlin/Paris - Schafft er doch noch ein Comeback? Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der in den Umfragen schon hoffnungslos hinter seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande zurücklag, hat eine Aufholjagd gestartet. Im ersten Wahlgang am 22. April - so zeigen es mehrere aktuelle Befragungen - könnte Sarkozy sogar knapp vor Hollande landen. Doch für die Stichwahl am 6. Mai sagen die gleichen Demoskopen nach wie vor einen Sieg des Sozialisten voraus. Auch wenn der Abstand schmilzt.
Es könnte also sein, dass der künftige französische Präsident François Hollande heißen wird. Und damit muss man sich auch außerhalb Frankreichs so langsam auf den möglichen Machtwechsel im Elysée-Palast vorbereiten. Beispielsweise in Berlin.
Dort hofft Kanzlerin Angela Merkel zwar nach wie vor, dass Sarkozy am Ende vorne liegt: Den amtierenden Präsidenten hat sie trotz aller Wesensdifferenzen als verlässlichen Partner kennengelernt. Und gerade bei der Euro-Rettung focht sie mit Sarkozy Seite an Seite, wie zuletzt in Sachen EU-Fiskalpakt, für den sich Merkel besonders engagiert hat. Herausforderer Hollande dagegen hat bereits angekündigt, als Präsident den Anti-Schulden-Vertrag postwendend neu verhandeln zu wollen. Aus Sicht Merkels wäre das fatal, die komplette Finanz-Konstruktion der neuen EU könnte wieder ins Wanken geraten.
Aber es hilft wohl nichts. Im Kanzleramt scheint die Einsicht eingezogen zu sein, dass man auch mit einem Staatsoberhaupt Hollande wird leben müssen. Die so wichtige Achse Berlin-Paris muss dann auch mit ihm funktionieren.
Zarte Bande ins Hollande-Lager
Und so werden zwischen Hollandes und Merkels Lager erste zarte Bande geknüpft. Natürlich ganz inoffiziell, und natürlich nur auf Arbeitsebene. Alles andere würde auch etwas eigenartig wirken, nachdem die Kanzlerin im französischen Wahlkampf zunächst sogar klar Position für Sarkozy bezogen hatte. Ein Treffen mit Hollande, um das der Sozialist offiziell gebeten hatte, steht nach wie vor nicht an. Die Kanzlerin, so hatte es jüngst der SPIEGEL berichtet, soll mit anderen konservativen Regierungschef-Kollegen aus der EU sogar über einen Hollande-Boykott gesprochen haben.
Gleichzeitig aber wissen sie in der Berliner Regierungszentrale auch, dass bei allen Meinungsverschiedenheiten ein Zerwürfnis mit dem sozialistischen Kandidaten keine gute Grundlage für die künftige Zusammenarbeit wäre. Im Kanzleramt gibt es Leute, die ohnehin eine große Nähe zu Frankreich haben. Beispielsweise Nikolaus Meyer-Landrut, Leiter der Abteilung Europa und einer der wichtigsten Mitarbeiter Merkels: Der Diplomat Meyer-Landrut - verheiratet mit einer Französin - hat über das Thema "Frankreich und die deutsche Einheit" promoviert, für den früheren Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing arbeitete er als Sprecher in dessen Zeit als Chef des EU-Verfassungskonvents.
Im Hollande-Lager bestätigt man die Kontakte ins Kanzleramt. "Es gibt keine offiziellen Verbindungen, es gibt nur Botschaften, die zwischen den Beratern ausgetauscht werden", sagt Jean-Marc Ayrault, Fraktionschef der Sozialisten in der Nationalversammlung und enger Vertrauter des Präsidentschaftskandidaten. Aber das sei ja auch nur klug, glaubt er: "Wenn Hollande vom französischen Volk gewählt wird, dann kommt er mit einem Mandat. Das wissen sie auch im Kanzleramt und es ist gewiss intelligenter, sich auf einen Wechsel einzustellen, als solch eine Möglichkeit auszuschließen."
Dass sein Chef - anders als beispielsweise in Polen oder Italien durch die Präsidenten Bronislaw Komorowski und Giorgio Napolitano - in Deutschland nicht offiziell empfangen wird, sieht der Hollande-Vertraute Ayrault gelassen. "Ich glaube in Berlin ist man vorsichtiger als anderswo", sagt er. "Es gibt in der Umgebung von Merkel Leute, die eine harte Linie verfolgen - andere sind wesentlich pragmatischer."
Leicht werde man es in Berlin mit einem Präsidenten Hollande jedenfalls nicht haben, darauf weist Ayrault schon einmal hin: "Wir haben eine Reihe von Erwartungen und Forderungen, die wir auf den Tisch legen werden."
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