Von Mathieu von Rohr, Paris
Etwas wird anders sein als bisher, wenn sich Angela Merkel und Nicolas Sarkozy am Nachmittag zu ihrem ersten gemeinsamen TV-Interview im Elysée-Palast vor die Kameras setzen.
Es wird zwar wie immer um die Euro-Krise gehen, insbesondere um die Frage, ob Griechenland für ein paar Tage gerettet oder doch schon pleite ist, also um all die großen Themen, um deren Lösung sich die Kanzlerin und der französische Staatschef sich seit zwei Jahren bemühen. Es wird die ganz große Show, aufgezeichnet im Salon Murat, einem mit allerlei Goldornament und Spiegeln ausgestatteten Prunksaal.
Doch es wird vor allem auch der erste Wahlkampfauftritt sein, den Merkel für Sarkozy absolviert, und damit ist es der Auftakt zur deutlichsten Einmischung eines Kanzlers in die Innenpolitik eines Nachbarlandes, die es in der Geschichte der Bundesrepublik gab.
Die Kanzlerin hat sich entschieden, dass sie sich mit aller Macht für die Wiederwahl Sarkozys einsetzen will: des Mannes, mit dem sie zu Beginn überhaupt nicht klarkam, an den sie sich aber mittlerweile gewöhnt hat, dem sie vertraut und mit dem sie so etwas wie eine gemeinsame Linie für die Lösung der Krise gefunden hat.
Die Kanzlerin geht damit ein hohes Risiko ein. Sie nimmt vor allem in Kauf, Sarkozys sozialistischen Gegenkandidaten François Hollande zu brüskieren, der nach aktuellen Umfragen am 6. Mai mit klarem Vorsprung gewählt würde und mit dem sie dann zusammenarbeiten müsste.
Sie nimmt aber auch in Kauf, dass die alten Ressentiments gegen das übermächtige Deutschland in Frankreich weiter aufbrechen und dass sie das Land in eine prodeutsche Rechte und eine antideutsche Linke spaltet. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass ihre Unterstützung Sarkozy nicht nur nicht hilft, sondern ihm sogar schadet.
Es ist schwer zu sagen, ob Merkel und der CDU-Führung all das bewusst war, als sie den Anfragen aus Sarkozys Umfeld nachkamen, sich für den Amtsinhaber einzusetzen. Im Außenministerium ist es angesichts der offenen Parteinahme der Kanzlerin vielen unwohl - allen voran Außenminister Guido Westerwelle, der dem SPIEGEL sagte: "Die Bundesregierung ist nicht Partei im französischen Wahlkampf."
Die Kanzlerin wird mindestens zwei Wahlkampfauftritte für Sarkozy absolvieren, sie wird auch bei der ersten großen Kundgebung auf der Bühne stehen, wenn der Präsident endlich offiziell seine Kandidatur erklärt hat - voraussichtlich Ende Februar oder Anfang März.
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