Karibikinseln Turks und Caicos: Briten putschen im eigenen Paradies

Regierung abgesetzt, Verfassung suspendiert - Großbritannien nimmt seine bislang autonomen Übersee-Territorien Turks und Caicos an die kurze Leine. London begründet den Schritt mit Korruptionsvorwürfen - der gefeuerte Inselpremier spricht von der Einführung einer Kolonialdiktatur.

Hamburg/London - Die Turks- und Caicosinseln haben eigentlich alles, was ein Paradies braucht: kilometerlange Sandstrände, unberührte Korallenriffe und dazu reichlich Sonne. Nur eine vernünftige Regierung, die gibt es auf der karibischen Inselkette nicht: Die Administration des autonomen britischen Überseeterritoriums gilt seit Langem als ineffizient und korrupt.

Am Freitagabend zog das Londoner Außenministerium die Notbremse. Staatssekretär Chris Bryant erklärte den Premier und die sechs Inselminister für abgesetzt. Das Parlament wurde aufgelöst, und die Verfassung, die den Turks und Caicos weitgehende Autonomie von Großbritannien garantiert, wurde ebenfalls außer Kraft gesetzt.

Die 32.000 Einwohner und alle Behörden unterstehen fortan direkt Gouverneur Gordon Wetherell, dem Statthalter Ihrer Majestät in der Hauptstadt Cockburn Town. De facto sind die Inseln nun wieder ein Protektorat Großbritanniens.

Sonne, Korruption und Inkompetenz

London begründet den ungewöhnlichen Schritt mit der ausufernden Korruption auf den Inseln. Eine im Juli 2008 eingesetzte Kommission war zu dem Schluss gekommen, es gebe "eine Fülle an Informationen, die systemische Korruption nahelegen".

Hinzu kämen "politische Amoralität, Unreife und generelle Inkompetenz der Regierung" in praktisch allen Bereichen. Nach Angaben der BBC sollen hochrangige Regierungsmitglieder illegalerweise Land der Krone verkauft haben, um sich zu bereichern.

Der geschasste Premier Galmo Williams wirft London vor, die Turks und Caicos "rekolonialisieren" zu wollen. Der Schritt komme einem Putsch gleich - hier werde eine demokratisch gewählte Regierung durch eine "Ein-Mann-Diktatur" ersetzt.

Williams' unter Korruptionsverdacht stehender Vorgänger Michael Misick hatte zuvor erfolglos gegen die Außerkraftsetzung der Inselverfassung geklagt. Der Zeitung "Turks & Caicos Weekly News" sagte er, die Maßnahme verletze EU-Recht. Die Bewohner der Kronkolonie sind britische Staatsbürger.

Nach Angaben des Londoner Außenministeriums soll die Verfassung zwei Jahre lang suspendiert bleiben. Die für 2011 geplanten Parlamentswahlen sollen wie geplant stattfinden.

hil/Reuters

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