Karikaturenstreit Mehrere Tote bei Demonstrationen in Libyen

Mindestens elf Menschen sind bei Protesten vor dem italienischen Konsulat im libyschen Benghasi getötet worden. Zuvor hatte sich ein italienischer Minister in einem T-Shirt mit Mohammed-Karikaturen gezeigt. Italiens Ministerpräsident Berlusconi forderte den Minister zum Rücktritt auf.


Tripolis - Die Libyer seien getötet worden, als sie versucht hätten, das italienische Konsulat in Benghasi zu stürmen, sagte Botschafter Francesco Trupiano.
Libyens Regierung erklärte, es habe elf Opfer gegeben, darunter auch Tote. Das waren die meisten Opfer seit Ausbruch der Proteste in der muslimischen Welt.

Brennendes Auto vor dem italienischen Konsulat in Benghasi
REUTERS

Brennendes Auto vor dem italienischen Konsulat in Benghasi

Die Demonstranten steckten das Erdgeschoss des Konsulats in Benghasi, der einzigen westlichen Vertretung in der ostlibyschen Stadt, in Brand. Sie zündeten zudem eine dänische Fahne und Autos an.

Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder von steinewerfenden Menschen und schwerbewaffneten Sicherheitskräften. Schüsse waren zu hören. "Sie sollten das Militär hier herschicken", sagte ein Angestellter des Konsulats dem Sender Sky Italia TV. "Die Polizei kann sie nicht zurückhalten. Es wird immer schlimmer."

Botschafter Trupiano räumte ein, dass zu der Verärgerung der Demonstranten das Verhalten des italienischen Reformministers Roberto Calderoli möglicherweise beigetragen habe. Calderoli, der der rechtsgerichteten Lega Nord angehört, hatte in dieser Woche erklärt, er werde ein T-Shirt mit Karikaturen Mohammeds tragen. Gestern war er dann tatsächlich mit einem solchen T-Shirt im staatlichen Fernsehen RAI zu sehen gewesen.

Calderolis Ankündigungen hatten in Libyen für großes Aufsehen gesorgt. Nach den Rücktrittsforderungen von Silvio Berlusconi erklärte Calderoli, er werde seinen Posten räumen, falls dies helfen sollte, einen Dialog "zwischen der westlichen Welt und der islamischen Welt" aufzubauen. "Ich werde es in der Sekunde tun, in der ich ein Zeichen von der islamischen Welt bekomme, dass mein Schritt nützlich sein könnte." Bislang hielt er jedoch an seinem Amt fest.

Berlusconi sagte, es stehe nicht in seiner Macht, Calderoli zum Rücktritt zu zwingen. Die Mohammed-Karikaturen waren zuerst in einer dänischen Zeitung erschienen. Im Islam gilt eine bildliche Darstellung des Propheten als Gotteslästerung. Die teils gewaltsamen Proteste in der islamischen Welt halten seit Wochen an.

jul/rtr/ap



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