Afghanistan-Krieg Karzai bittet Berlin um Hilfe bei Taliban-Gesprächen

Heikler Vermittlerjob für Deutschland: Der afghanische Präsident hat die Bundesrepublik um diskrete Hilfe bei der Vorbereitung von Friedensgesprächen mit den Taliban gebeten. Ein erster Versuch war gescheitert. Karzai selbst hatte die Verhandlungen torpediert.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai: Deutschland soll vermitteln
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Der afghanische Präsident Hamid Karzai: Deutschland soll vermitteln

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Berlin - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat die Bundesregierung eindringlich um Hilfe Berlins bei der schwierigen Vermittlung von Friedensgesprächen mit den Taliban gebeten. Bei einem Treffen mit Außenminister Guido Westerwelle am Rande der internationalen Geberkonferenz in Tokio Anfang Juli regte Karzai nach SPIEGEL-Informationen an, dass Deutschland wie schon in den Jahren 2010 und 2011 als diskreter Vermittler bei der politischen Annäherung zwischen Kabul und den Islamisten aktiv werden solle.

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Heft 30/2012
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Deutschland spielte bei der bisher einzigen erfolgversprechenden Annäherung an die Taliban eine entscheidende Rolle. Unter strengster Geheimhaltung hatte der damalige deutsche Sonderbeauftragte Michael Steiner im Jahr 2010 erste Sondierungsgespräche zwischen einem Taliban-Gesandten und Vertretern der US-Regierung eingefädelt. Steiner agierte damals als neutraler Vermittler zwischen den Radikalislamisten und den USA. In langwierigen Vorbereitungen überzeugte er beide Seiten, sich an einen Tisch zu setzen und zunächst ohne Vorbedingungen zu reden.

Die heikle Mission gelang, zunächst jedenfalls. Nach mehreren Überprüfungen, ob der Taliban-Gesandte tatsächlich von der Führung der Aufständischen gesandt worden war, organisierte Steiner ein erstes Treffen zwischen Tayyeb Agha, der als enger Vertrauter von Mullah Omar gilt, und zwei US-Regierungsvertretern vom Außenministerium und Nationalen Sicherheitsrat. Das erste Treffen fand unter strengster Geheimhaltung in einer Residenz des BND in Pullach statt. Zuvor hatte der Geheimdienst den Taliban-Emissär mit einem Privatjet nach Deutschland gebracht.

Treffen wie im Geheimdienstroman

Details über das Treffen lesen sich wie aus einem Geheimdienstroman: Nach einigen Stunden der ersten Gespräche lud Steiner den Gesandten des Taliban-Chefs zu einer Sightseeing-Tour in seiner Heimat ein. Gemeinsam mit dem Top-Taliban besuchte er eine Kirche und nahm ihn auf einen Ausflug mit einer Seilbahn mit. Die Treffen mussten auf beiden Seiten streng geheim bleiben - weder die USA noch die Taliban hätten den Kontakt zu Hause verkaufen können.

Bei der Annäherung ging es stets um einen ersten Schritt für spätere Verhandlungen zwischen den Taliban, den USA und irgendwann auch der afghanischen Regierung. Spätestens seitdem der Abzug aus Afghanistan beschlossen ist, gilt es unter allen engagierten Nationen als Konsens, dass man die heutigen Aufständischen nach dem Rückzug der ausländischen Soldaten wieder in das Machtgefüge in Afghanistan reintegrieren muss. Anders scheint ein Abgleiten des Landes in Chaos kaum noch aufzuhalten.

Bei weiteren Treffen besprachen Agha und die US-Vermittler deswegen einen ersten Deal, eine Art vertrauensbildende Maßnahme. Zum einen sollten die USA fünf Taliban-Gefangene aus dem Anti-Terror-Lager Guantanamo Bay entlassen. Im Gegenzug wollten die Taliban einen seit dem Sommer 2009 in Afghanistan entführten US-Soldaten freilassen. Beide Seiten hätten so guten Willen und Handlungswillen bewiesen. Als Ergebnis sollten die Taliban in Katar eine erste diplomatische Vertretung eröffnen dürfen, die dann als Anlaufstelle für echte politische Gespräche dienen sollte.

Karzai fühlte sich bei ersten Kontakten düpiert

Ende 2011, mittlerweile hatte sich die Gruppe bereits mehr als siebenmal getroffen, schien der diplomatische Drahtseilakt zu gelingen. Kurz nach der Afghanistankonferenz in Bonn wollte man gemeinsam in Katar die diplomatische Vertretung eröffnen, das Rote Kreuz hatte in Guantanamo bereits mit den dort inhaftierten Taliban-Kommandeuren gesprochen. Allerdings torpedierte nun Afghanistans Präsident Karzai die greifbare Einigung. Er fühlte sich bei den Gesprächen ausgeschlossen und kritisierte den Prozess als nicht legitim. Kurz vor dem Durchbruch gerieten die Gespräche ins Stocken.

Richtig in Gang kamen die Verhandlungen danach nicht mehr. Zwar traf man sich noch, mittlerweile aber wurde für die USA eine mögliche Freilassung von fünf Top-Taliban aus Guantanamo innenpolitisch immer schwieriger. Auch für die Taliban wurde die Situation nicht einfacher: Nachdem die Gespräche öffentlich bekannt waren, revoltierten innerhalb der Bewegung einige Kommandeure gegen die Annäherung an den erklärten Todfeind USA. Schließlich brachen die Taliban den Kontakt im Frühjahr 2012 komplett ab.

Ob ein zweiter Versuch noch Erfolg haben kann, ist ungewiss. Michael Steiner, mittlerweile Botschafter in Indien, hatte Karzai im Frühjahr 2012 zwar in Kabul signalisiert, er halte einen zweiten deutschen Vermittlungsversuch für möglich, allerdings nicht vor der US-Präsidentenwahl im November. Ebenso machte Steiner klar, dass neue Gespräche nur funktionieren könnten, wenn Karzai, der allen Aktivitäten der USA mittlerweile fast paranoid gegenübersteht, diesmal voll hinter dem Prozess steht und ihn nicht wieder von außen stört.

Die Bundesregierung lehnt öffentlich jeglichen Kommentar zu den Bemühungen Steiners und auch zu einer möglichen neuen Rolle Deutschlands bei der Annäherung an die Taliban ab. Westerwelle versicherte jedoch in Tokio generell, dass Berlin den Friedensprozess jederzeit unterstützen werde. Wie kein anderer deutscher Minister wiederholt er bei jeder Äußerung zu Afghanistan, dass eine politische Lösung der einzige Ausweg aus der Misere sein kann.

Die afghanischen Bemühungen um einen Dialog mit den Taliban haben erst kürzlich einen harten Rückschlag erlitten. Zwar gelang es der Kabuler Regierung, einen Vertreter der Rebellen zu einem informellen Treffen mit einem Gesandten des sogenannten Friedensrats von Hamid Karzai nach Dubai zu bewegen. Doch schon der zweite Versuch eines Gesprächs, das auch die Vereinten Nationen unterstützt hatten, scheiterte. Da Pakistan Wind von den Kontakten bekommen hatte, verweigerte es dem Taliban-Mann die Ausreise.



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salomedietrich 23.07.2012
1. Fortsetzung des alten Schmierentheaters.
Für alle !!! islam. Staaten müsste es nur ein Mottodes Westens, eine Handlung geben - raus aus diesen kaputten Ländern, die gar nicht die Absicht haben, eine andere Ideologie, als den Islam, zu akzeptieren. Selbst den Dümmsten müsste schon lange klar sein, was DIE von uns wollen ist allein Geld und Waffen! Und was erhalten wir von ihnen? Ausser Schmähung und Verachtung natürlich? Nix! Denn das Öl könnten wir überall auf den Spotmärkten kaufen, die schenken uns doch nichts! Und dass wir ihnen unverständlicherweise Millionen religiöse Anhänger aufgenommen haben und mit Milliarden alimentieren - das haben wir doch gerne gemacht. Das ist doch selbstverständlich. Das sehen sogar die Hartz IV Empfänger so, und sind zufrieden mit der 5 Euro-Erhöhung. Denn-wer so bereichert wird, der kann auf nichts mehr hoffen! Sozusagen - wunschloses Unglück (P. Handke-verzeih!)
Grafsteiner 23.07.2012
2. Hä?
Kann der mit seinen Landsleuten nicht in Paschtu reden und braucht die Bundeswehrdolmetscher? Er ist doch selbst Paschtune, Mitglied des paschtunischen Popalzai-Clans und von seinem Herkommen müsste er eigentlich viele prominente Vertreter der Taliban kennen. "Karzai ist ein Nachfahr von Ahmad Schah Durrani. Sein Großvater war während der Regierung des Königs Zahir Schah Nationalratspräsident. Sein Vater war Senator." Ich kann mir kaum vorstellen, dass Einmischungen in die inneren Angelegenheiten Afghanistans Erfolge bringt. Die letzten 12 Jahr haben das genaue Gegenteil bewiesen. Wikipedia: "1999 fiel Karzais Vater einem Mordanschlag zum Opfer, Hamid und sein Bruder Ahmad Wali Karzai entkamen nur knapp. Nach der Bluttat erbte Hamid den Titel des Khans der 500.000 Popalzai und wurde ein Führer im bewaffneten Widerstand gegen die Taliban. Ahmad Wali Karzai galt bis zu seiner Ermordung durch die Taliban am 12. Juli 2011 als der größte Drogenproduzent/-händler Afghanistans, der unter anderem auf der Lohnliste des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA stand."
goetterdaemmerung 23.07.2012
3. opium fuers Volk
vieleicht kann dan Merkels Oberhaendler einen besseren Preis fuers Opium bzw. Heroin aushandeln?schliesslich gabs auch dank des deutschen Beitrags mal wieder ne Rekorternte.und in BRDigen kann dann das RD mit einer Hundertschaft ein Paerchen mit zwei Gramm hops nehmen. das Ganze Angaschment Deutschlands in Afganistan ergibt keinen Sinn.
papayu 23.07.2012
4. Durchblick ?
Na ja, da hatten sich unter STRENGSTER Geheimhaltung ein paar Taliban nach DE einladen lassen. Nun kann es jeder im Spiegel nachlesen! Ach so, Taliban lesen keinen Spiegel oder doch? Und was den Herren Westerwelle angeht, der soll sich mal den Koran vornehmen und genau studieren!! Guten Morgen!
herr_kowalski 23.07.2012
5. Finger weg von diesem Typ
Zitat von sysopAPHeikler Vermittlerjob für Deutschland: Der afghanische Präsident hat die Bundesrepublik um diskrete Hilfe bei der Vorbereitung von Friedensgesprächen mit den Taliban gebeten. Ein erster Versuch war gescheitert. Karzai selbst hatte die Verhandlungen torpediert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,845800,00.html
Wenn sich Deutschland jetzt auch noch auf die Art in den Konflikt ziehen läßt, kommen wir nie mehr einigermaßen heil aus dem Schlamassel. Sollen die Amis die Kartoffeln aus dem Feuerchen holen. Die haben es auch angezündet.
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