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Karzai gegen Abdullah Westen riskiert Blamage mit Afghanistan-Stichwahl

Foto: AP

2. Teil: Manipulationen auch bei der Stichwahl?

US-Verteidigungsminister Robert Gates erklärte dagegen noch am Montagabend, die Regierung von Barack Obama könne mit einer weiteren Entsendung von Soldaten an den Hindukusch nicht warten, bis die "Probleme rund um die Regierungsbildung" gelöst seien. Sollte Obama sich aber tatsächlich schon jetzt für mehr Soldaten in Afghanistan entscheiden, müsste er erklären, weshalb er eine korrupte Regierung unterstützen will.

US-General Stanley McChrystal hat Obama um 40.000 zusätzliche Soldaten gebeten. Die USA stellen bereits 32.000 der insgesamt 68.000 Isaf-Soldaten und haben weitere 33.000 Soldaten außerhalb der Isaf-Struktur in Afghanistan. Von den meisten Afghanen werden sie längst nicht mehr als Befreier, sondern als Besatzer empfunden. Die USA suchen auch deshalb nach einer neuen Strategie, um das Vertrauen der Einheimischen zurückzugewinnen.

Der Westen in der Glaubwürdigkeitsfalle

Doch Afghanistan hat sich längst zur Glaubwürdigkeitsfalle für den Westen entwickelt. Dabei ist das Land dringend auf Hilfe der Weltgemeinschaft und insbesondere des Westens angewiesen. Sollte die Nato abziehen und Afghanistan sich selbst überlassen, wie es immer wieder in den Nato-Staaten gefordert wird, hätte der Westen endgültig verloren - es wäre eine Kapitulation vor den Taliban und ein Zeichen an die Welt: Mit Selbstmordattentaten und Guerilla-Taktik kann man die Nato besiegen.

Die erzwungene Bereitschaft von Karzai zur Stichwahl stellt die afghanischen, aber auch die internationalen Wahlorganisatoren vor ein neues Dilemma: Auch wenn die Wahlkommission gebetsmühlenartig wiederholt, sie bereite schon eine Stichwahl vor und drucke sogar bereits die Wahlunterlagen für den zweiten Anlauf, steht die Finanzierung des Urnengangs noch nicht. Die eigentliche Wahl hatte die internationale Staatengemeinschaft mit rund 300 Millionen Dollar fast vollständig bezahlt. Ob man bis Anfang November den gleichen Betrag wieder zusammenbekommt, ist unklar.

Kritische Beobachter fragen sich zudem, was der zweite Wahlgang eigentlich bringen soll, denn die Konditionen für die Stimmabgabe werden nicht besser sein als am 20. August. So werden auch beim zweiten Wahlgang Hunderttausende "Geisterwähler", die nur zum Schein registriert sind, zur Stimmabgabe berechtigt sein. Zudem werden in die Regionen, aus denen laut den Prüfungen die meisten gefälschten Stimmen kamen, auch jetzt keine unabhängigen Beobachter reisen können. "Dem Betrug bei der Stichwahl stehen damit auch Anfang November Tür und Tor offen", so ein westlicher Diplomat in Kabul.

Die internationalen Truppen stehen ebenfalls vor einer neuen Mammutaufgabe. Auch wenn sie die Wahlen nur in der zweiten Reihe absicherten und den Afghanen den unmittelbaren Schutz der Wahllokale überließen, kommen auf die Isaf-Soldaten erneut enorme logistische Aufgaben zu. Hochrangige Militärs hatten nach dem ersten Wahlgang gar gesagt, die Nato-Einheiten würden einen zweiten Durchgang nicht absichern können. Spätestens Ende dieser Woche, wenn sich die Nato-Verteidigungsminister in Bratislava treffen, wird dieses Thema ganz oben auf der Tagesordnung stehen.

Hillary Clinton rechnet fest damit, dass am Ende Karzai weiterregieren wird. "Ich denke, man kann davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit seines Sieges in einer zweiten Runde wohl sehr hoch ist", sagte sie dem Nachrichtensender CNN.

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insgesamt 780 Beiträge
nahal 20.10.2009
Wie soll man das vergleichen? Afghanistan ist etwas demokratischer als Russland und China, fast so demokratisch wie Iran und etwas undemokratischer als Deutschland. Oder?
Zitat von sysopWie demokratisch ist Afghanistan heute?
Wie soll man das vergleichen? Afghanistan ist etwas demokratischer als Russland und China, fast so demokratisch wie Iran und etwas undemokratischer als Deutschland. Oder?
Toru_Okada 20.10.2009
In den Köpfen der Afghanen wird die Demokratie vielleicht in 2 bis 3 Generationen ankommen (aber wie es aktuelle scheint eher nicht, denn diese „Demokratie“ ist auf dem besten Wege eine Totgeburt zu werden) …
Zitat von sysopWie demokratisch ist Afghanistan heute?
In den Köpfen der Afghanen wird die Demokratie vielleicht in 2 bis 3 Generationen ankommen (aber wie es aktuelle scheint eher nicht, denn diese „Demokratie“ ist auf dem besten Wege eine Totgeburt zu werden) …
SaT 20.10.2009
sagen wir mal so etwa wie der Iran. Der Machthaber verhindert mit allerlei Tricks seine Abwahl. Allerdings ist weder der politische noch der mediale Aufschrei im Westen hierzu mit jenem vor ein paar Monaten im Falle der [...]
sagen wir mal so etwa wie der Iran. Der Machthaber verhindert mit allerlei Tricks seine Abwahl. Allerdings ist weder der politische noch der mediale Aufschrei im Westen hierzu mit jenem vor ein paar Monaten im Falle der Wahlfälschungen im Iran vergleichbar.
ewspapst 20.10.2009
Ziitat syop Gibt Hamid Karzai dem Druck der Amerikaner nach? Angesichts massiver Fälschungen bei den Wahlen im Sommer soll der afghanischen Präsidenten noch einmal gegen seinen Rivalen Abdullah antreten. Wie demokratisch ist [...]
Ziitat syop Gibt Hamid Karzai dem Druck der Amerikaner nach? Angesichts massiver Fälschungen bei den Wahlen im Sommer soll der afghanischen Präsidenten noch einmal gegen seinen Rivalen Abdullah antreten. Wie demokratisch ist Afghanistan heute? Hallo Sysop, Ihre Frage lautet: Wie demokratisch ist Afghanistan heute? In den letzten hundert Jahren ist Afghanistan zu keiner Zeit demokratisch gewesen. Die vielen Besatzer, England, Pakistan, Russland, UDSSR und USA um nur einige zu nennen haben sich dort doch nicht wegen der Menschenrechte und der Demokratie aufgehalten. Die haben ihre eigenen Interessen verfolgt. Und die Afghanen selber? Sind Sie wirklich der Meinung, in einer Stammesgesellschaft gäbe es Demokratie? Auch dort zählt der Machterhalt einer Personengruppe zu den stärksten Antrieben. Aber vielleicht haben wir neben PSL noch andere Experten, die uns darüber neue Erkenntnisse vermitteln.
Rainer Daeschler 20.10.2009
Gegenfrage: Wie atheistisch ist der Vatikan?
Gegenfrage: Wie atheistisch ist der Vatikan?
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