Scheidender Präsident Karzai wirft den USA Egoismus vor

Ein Abschied unter Freunden sieht anders aus. Der scheidende afghanische Präsident Karzai hat die USA in einer Rede vor Regierungsmitarbeitern frontal angegriffen. US-Botschafter Cunningham keilt wenig diplomatisch zurück.

Scheidender Präsident Karzai: USA frontal angegriffen
DPA

Scheidender Präsident Karzai: USA frontal angegriffen


Kabul - Vor der Machtübergabe in Afghanistan hat der scheidende Präsident Hamid Karzai dem wichtigsten Bündnispartner USA Egoismus vorgeworfen. "Die Vereinigten Staaten waren nie erpicht darauf, Afghanistan Frieden und Stabilität zu bringen, weil sie nur ihre eigenen Interessen verfolgt haben", sagte Karzai. Welche Interessen das sein sollten, erläuterte er nicht.

Die USA ließen die Anfeindungen nicht auf sich sitzen. US-Botschafter James Cunningham nannte Karzais Äußerungen "rüde und undankbar". Die Bemerkungen "entehren die großen Opfer, die Amerikaner hier gebracht haben und weiterhin bringen", sagte der Diplomat.

Karzai regiert Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes vor knapp 13 Jahren. Seine Kritik an den USA hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Er machte die USA für zahlreiche zivile Opfer bei Militäroperationen verantwortlich und warf ihnen außerdem vor, bei der Präsidentenwahl 2009 gegen ihn gearbeitet zu haben. Am kommenden Montag wird Karzais Nachfolger Aschraf Ghani vereidigt.

Karzai sagte in einer Abschiedsrede an Regierungsmitarbeiter in Kabul: "Die Afghanen sind Opfer eines ausländischen Krieges auf ihrem eigenen Boden." Karzai hat mehrfach betont, der Krieg gegen radikalislamische Gruppen wie die Taliban müsse in deren Zufluchtsorten in Pakistan gekämpft werden, nicht in Afghanistan. Das Nachbarland kritisierte er mit den Worten: "Pakistan will unsere Außenpolitik kontrollieren, aber die afghanische Regierung wird das niemals zulassen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel lud den künftigen Staats- und Regierungschef Ghani nach Deutschland ein. Merkel habe am Dienstag mit Ghani telefoniert und ihm gratuliert, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Deutschland sei bereit, Afghanistan weiterhin zu unterstützen - "sowohl im Sicherheitsbereich als auch in den Bereichen Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit".

Die Wahlleitung hatte Ghani am Sonntag zum künftigen Präsidenten erklärt. Vorausgegangen war ein Streit um die Auszählung der Stichwahl von Mitte Juni.

jbe/dpa



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Hilfe2011 23.09.2014
1. Die Zeit vom großen und mächtigen Amerika
die ist vorbei. Nur gut das die Menschen die Machenschaften des amerikanischen und NATO Imperialismus weltweit heute durchschaut haben. Leider fehlt die politische Erkenntnis in der derzeitigen Bundesregierung. Aber es kommt die Zeit, sie läuft immer schneller, wo falsche Politiker Entscheidungungen unser gesamten gesellschaftliches Leben stark beeinflussen werden.
kitty 23.09.2014
2. Was denn sonst?
Die USA haben erst die Taliban im Krieg gegen die Sowjetunion unterstützt nach dem Motto: "die Feinde unserer Feinde sind unsere Freunde". Als sich die Geister, die sie erst selber riefen, gegen sie wanden, kam es zu diesen sinnlosen Krieg. Erst nachdem an dessen Erfolglosigkeit keine Zweifel bestehen macht man sich jetzt endlich vom Acker. Für die Afghanen wird alles wie es schon vorher war - ein zerstörtes Land und Elend. Ich frage mich sowieso, warum wir Mitteleuropäer glauben, unser westliches Demokratie- und Freiheitsverständnis unbedingt in Länder mit tratitionellen Stammesgesellschaften exportieren zu müssen.
Shoxus 23.09.2014
3. Tja
so ganz Unrecht hat er ja nicht. Mich hat das ja damals gewundert aber auf Phoenix haben sie vor glaub 1 Jahr mal gesagt, das es in dem Krieg letztendlich nur um die Ressourcen ging. Wie immer eben. Die USA wollen niemandem Demokratie, Freiheit und Frieden bringen. Die sind nur darauf erpicht Bodenschätze möglichst günstig abzugreifen und Weltmacht No.1 zu bleiben.
meier_7 24.09.2014
4.
Naja, irgendwie haben sie beide Recht, das würde das ganze fast schon wieder lustig erscheinen lassen, wenn das Ergebnis nicht so traurig wäre.
liebe-wahrheit 24.09.2014
5. USA - Egoistisch!!!
wer hätte das gedacht. Die USA haben noch nie anders gehandelt. Mit der Flosskel "Wir bringen Demokratie" scheint die ganze Welt einverstanden zu sein um strategische Kriege zugunsten der USA zu führen ... Diktatorische Staaten sind den USA nur deshalb ein Dorn im Auge, weill sie sich nicht über die Wirtschaft in die Knie zwingen und leiten lassen - das ist der einzigste Grund. Die Menschen und deren Situation haben dabei nie eine Rolle gespielt, wurde so aber immer geschickt in den Medien dargestellt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.