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Afghanistan: USA empört über Karzais Verschwörungstheorie

Aus Kabul berichtet

Afghanistans Präsident Karzai: Angriff auf den Verbündeten Zur Großansicht
REUTERS

Afghanistans Präsident Karzai: Angriff auf den Verbündeten

Sind die USA und die Taliban heimliche Partner? Diese sonderbare Behauptung stellt jetzt der afghanische Präsident Karzai auf - Parlamentarier und Militärs halten das ebenfalls für möglich. US-Vertreter sind empört, Verteidigungsminister Hagel sagte ein Treffen mit Karzai ab.

Eigentlich ging es bei der Veranstaltung in Kabul um die Rolle der Frauen in Afghanistan, ein Nachklapp zum Weltfrauentag. Doch Hamid Karzai hielt das nicht davon ab, zum verbalen Schlag gegen die USA auszuholen. Afghanistans Präsident brachte den wichtigsten Partner im Anti-Terror-Krieg ausgerechnet mit den Taliban in Verbindung - jener Gruppe, die die USA seit Ende 2001 in Afghanistan zu bekämpfen versuchen.

Die USA und die Taliban würden "heimlich zusammenarbeiten, um Afghanistan instabil zu halten", erklärte er. Die Taliban würden afghanische Zivilisten "zum Nutzen Amerikas töten". Das alles geschehe, um einen Verbleib von US-Sicherheitskräften über viele Jahre zu rechtfertigen.

Karzai, der bekannt ist für seine wankelmütige Haltung zu Washington, erstaunte diesmal selbst die an seine Wutausbrüche gewöhnten US-Vertreter. Der neue Isaf-Kommandeur, US-General Joe Dunford, sagte, Karzai habe ihm nie direkt gesagt, die USA würden mit den Taliban kollaborieren. "Daher weiß ich nicht, was ihn dazu gebracht hat, das heute zu behaupten." Die Behauptung sei jedenfalls "kategorisch falsch", die USA hätten "keinen Grund, mit den Taliban zusammenzuarbeiten".

"Verständnis für Karzais schwierige Lage"

Der neue US-Verteidigungsminister Chuck Hagel, der sich zu einem dreitägigen Besuch in Kabul aufhielt, sagte vor Reportern, er habe ein "sehr direktes Gespräch" mit Karzai geführt und habe Verständnis für die "schwierige Lage", in der Karzai sich befinde. "Ich kann den Druck nachvollziehen, unter dem er sich befindet."

Eine gemeinsame Pressekonferenz mit Karzai in dessen Präsidentenpalast ließ Hagel trotzdem absagen. Das Pentagon nannte dafür "Sicherheitsgründe", US-Diplomaten deuteten jedoch an, der wahre Grund sei die Verärgerung über Karzais Äußerung. Hagels Reise fand unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Am Samstag hatte sich ein Selbstmordattentäter vor dem afghanischen Verteidigungsministerium in die Luft gesprengt und neun Menschen in den Tod gerissen. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag und bezeichneten ihn als "Botschaft an Hagel".

Mit seiner Meinung, die USA würden heimlich den Terror unterstützen, steht Karzai in Afghanistan nicht allein da. "Immer mehr Menschen glauben das", sagte auch ein afghanischer General, der seinen Namen nicht genannt wissen wollte, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Auch ich bin davon überzeugt, dass die Taliban Helfer von Seiten der Amerikaner haben." Mehrere afghanische Parlamentarier erklärten auf Nachfrage, sie hielten es nicht für ausgeschlossen, dass die Taliban Unterstützung aus Washington erhielten.

Uniformierter tötet zwei US-Soldaten

Diese Theorie mutet seltsam an, zumal US-Soldaten regelmäßig Opfer von Angriffen der Taliban werden. Am Montag starben bei einem Gefecht auf einer von US- und afghanischen Soldaten gemeinsam genutzten Militärbasis in der an Kabul angrenzenden Provinz Wardak mindestens drei afghanische Sicherheitskräfte und zwei US-Soldaten. Nach Nato-Angaben hatte ein Mann in afghanischer Uniform das Feuer eröffnet. Er wurde bei dem Schusswechsel getötet.

Karzai hatte US-Spezialeinheiten und von ihnen gegründeten "illegalen bewaffneten Gruppierungen" im Februar noch vorgeworfen, in Wardak gegen die dortige Bevölkerung vorzugehen und für den Tod und das Verschwinden afghanischer Zivilisten verantwortlich zu sein. Per zweiwöchigem Ultimatum hatte er den Rückzug der Einheiten aus der Provinz gefordert. Zudem hatte Karzai es afghanischen Militärs untersagt, bei Gefechten mit Taliban Nato-Unterstützung anzufordern.

Wie lange die USA noch in Afghanistan bleiben wollen, mit welcher Truppenstärke und welchem exakten Auftrag, ist selbst in Washington noch unklar. Die USA hatten erst kürzlich innerhalb der Nato für Verwirrung gesorgt mit geheimen Plänen für einen Radikalabzug. Demnach sollen nach 2014 nur noch 10.000 Soldaten am Hindukusch stationiert bleiben.

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insgesamt 71 Beiträge
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1.
stopfiatmoney 11.03.2013
Zitat von sysopREUTERSSind die USA und die Taliban heimliche Partner? Diese sonderbare Behauptung stellt jetzt der afghanische Präsident Karzai auf - Parlamentarier und Militärs halten das ebenfalls für möglich. US-Vertreter sind empört, Verteidigungsminister Hagel sagte ein Treffen mit Karzai ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/karzai-unterstellt-usa-kooperation-mit-den-taliban-a-888171.html
Übersetzt: entweder "Mehr Geld für meinen Clan" oder "Gebt mir endlich das One-Way-Flugticket für 2014".
2. Ja genau!
oncho 11.03.2013
KarzAi hat recht. In Syrien werden auch Terroristen vom Westen unterstützt, genau wie al-ciada
3. Man kann gespannt sein
kb26919 11.03.2013
In welchem Land Karzai Asyl ersuchen wird wenn die ausländischen Truppen abgezogen sind,daß die Taliban ihn im Amt belassen werden ist kaum zu erwarten.
4. Nur so ein Gedanke
Deep_Thought_42 11.03.2013
... vielleicht sind ja Hamid Karzai und die Taliban heimliche Partner ... Erinnert mich irgendwie an Rudyard Kipling "Kim" The Great Game.
5. Plausibel !
Der Heuchler 11.03.2013
So abwaegig klingt die Behauptung nicht, wenn man bedenkt, dass die CIA schon desoefteren auch Anschlaege auf eigene Einrichtungen, Soldaten oder Landsleute ausgeuebt hat.
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Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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