Betrugsvorwürfe: Karzai will Ausländer aus Wahlkommission verbannen

Als Hamid Karzai 2009 wiedergewählt wurde, waren mehr als eine halbe Million für ihn abgegebene Stimmzettel gefälscht. Jetzt zieht Afghanistans Präsident daraus eigenwillige Konsequenzen: Bei der nächsten Abstimmung sollen keine Ausländer mehr in der Wahlkommission vertreten sein.

Karzai: Der Präsident hält nicht viel von Wahlbeobachtern Zur Großansicht
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Karzai: Der Präsident hält nicht viel von Wahlbeobachtern

Kabul - Hamid Karzai hält nicht viel von ausländischen Beobachtern in einer Wahlkommission. Die Beteiligung von Ausländern am Wahlbeschwerde-Ausschuss verletze die Souveränität Afghanistans, sagte der Präsident am Donnerstag nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Kabul. Deshalb plädiere er für ihren Ausschluss: "Ausländische Beobachter können immer noch kommen, um über die Transparenz oder mangelnde Transparenz der Wahl zu wachen."

Die Wahlbeschwerde-Kommission wird von der Uno unterstützt. Bei der Präsidentenwahl 2009 hatte sie mehr als eine halbe Million für Karzai abgegebene Wahlzettel als Fälschung gewertet und für ungültig erklärt. Zwei der fünf Kommissionsmitglieder sind Ausländer.

Im Jahre 2010 hatte Karzai die Kommission schon unter seine Kontrolle gebracht. Seither bestimmt er die afghanischen Mitglieder und nicht mehr die Vereinten Nationen. "Einer der Gründe, warum Karzai die Ausländer in der Kommission loswerden will, ist, dass sie es in der Vergangenheit waren, die Wahlmanipulationen öffentlich angeprangert haben", sagte der Parlamentarier Mohiuddin Mahdi aus der Provinz Baghlan im Norden des Landes der Nachrichtenagentur Reuters.

Karzai selbst darf zwar nach zwei Amtszeiten bei der nächsten Präsidentenwahl 2014 nicht mehr antreten. Seine Gegner befürchten aber, dass er einen Verbündeten oder Verwandten in dem Amt installieren könnte. Karzais älterer Bruder Abdul Kaium, ein Geschäftsmann, hat bereits sein Interesse an der Kandidatur bekundet.

Die Wahlen fallen mit dem Abzug der internationalen Kampftruppen aus Afghanistan zusammen, die das Land bis Ende 2014 verlassen haben sollen. Die Afghanen seien bereit, die Sicherheitsverantwortung rascher als geplant zu übernehmen, sagte Karzai. Rasmussen erklärte dagegen, es bleibe beim vereinbarten Zeitplan. Die Nato werde den Kampfeinsatz bis Ende 2014 durchziehen.

als/Reuters/AFP

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Karzai!
flieder2 18.10.2012
Aha, er braucht die westlichen Gutmenschen mit ihrer Demokratie und Menschenrechten nicht mehr. Vermutlich zahlen Chinesen und Russen mehr und stellen ueberhaupt keine Forderungen was freie Wahlen, Schulbildung auch fuer Maedchen u.s.w. fordern. Er kassiert das Geld, stellt seine Clanchefs ruhig und wir Westler gucken in die Roehre - keine Rohstoffe aus Afghanistan fuer uns.
2. Perverse Realitäten!
Benjowi 18.10.2012
Zitat von sysopAPAls Hamid Karzai 2009 wiedergewählt wurde, waren mehr als eine halbe Million für ihn abgegebene Stimmzettel gefälscht. Jetzt zieht Afghanistans Präsident daraus eigenwillige Konsequenzen: Bei der nächsten Abstimmung sollen keine Ausländer mehr in der Wahlkommission vertreten sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/karsai-will-auslaender-aus-wahlkommission-in-afghanistan-verbannen-a-862083.html
Wieso dieser offensichtlich korrupte Drogenbaron deutsche Unterstützung von hunderten Millionen Euro erhält, war für mich noch nie nachvollziehbar. Genausowenig der Sinn, dort die deutsche Bundeswehr als Drogenschutztruppe zu mißbrauchen. Dort findet mittlerweile unter dem Nato-Schutz der Löwenanteil der Welt-Heroinproduktion statt und mit diesem Teufeldszeug vergiften sich unsere Kinder. Das Ganze ist ein unglaublicher Vorgang und hat mit der "Mehrung des Nutzen des deutschen Volkes" wie es unsere Regierung ja so schön schwört, eher nichts mehr zu tun. Das Gegenteil dürfte richtig sein und das Geschwätz von der "Verteidigung der Freiheit am Hindukusch" ist der reine Hohn!
3.
Ernst August 18.10.2012
Zitat von sysopAPAls Hamid Karzai 2009 wiedergewählt wurde, waren mehr als eine halbe Million für ihn abgegebene Stimmzettel gefälscht. Jetzt zieht Afghanistans Präsident daraus eigenwillige Konsequenzen: Bei der nächsten Abstimmung sollen keine Ausländer mehr in der Wahlkommission vertreten sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/karsai-will-auslaender-aus-wahlkommission-in-afghanistan-verbannen-a-862083.html
Diese Demokratie in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.
4.
zakalwe. 18.10.2012
Es muß einem schon fast peinlich sein, was für einem Kleptokraten und Betrüger wir da in den Sattel geholfen haben. Noch viel schlimmer ist der Gedanke, das er neben den Taliban, Warlords und Drogenbaronen trotzdem noch wie der beste Mann für den Posten wirkt. Gott helfe Afghanistan.
5. wofür zu sterben lohnt
ServicePackXXL 18.10.2012
Zitat von sysopAPAls Hamid Karzai 2009 wiedergewählt wurde, waren mehr als eine halbe Million für ihn abgegebene Stimmzettel gefälscht. Jetzt zieht Afghanistans Präsident daraus eigenwillige Konsequenzen: Bei der nächsten Abstimmung sollen keine Ausländer mehr in der Wahlkommission vertreten sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/karsai-will-auslaender-aus-wahlkommission-in-afghanistan-verbannen-a-862083.html
endlich mal ein vernünftiger grund, warum unsere jungs und mädels fern der heimat in staubiger wüste leib, seele und leben riskieren: damit in afghanistan, diesem failed state, die demokratie eingeführt wird - und zwar von einem lump, äh, lupenreinen demokraten.
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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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