Kabul - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat den Rückzug von US-Spezialeinheiten aus der Unruheprovinz Wardak angeordnet. Die Truppen müssten binnen zwei Wochen die an Kabul angrenzende Provinz verlassen. Er warf den US-Truppen und von ihnen gegründeten "illegalen bewaffneten Gruppierungen" vor, gegen die dortige Bevölkerung vorzugehen. Die Spezialkräfte seien für den Tod und das Verschwinden afghanischer Zivilisten verantwortlich, teilte die Regierung nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates mit.
Das afghanische Verteidigungsministerium solle dafür sorgen, dass die US-Spezialeinheiten innerhalb von zwei Wochen aus der an Kabul angrenzenden Provinz Wardak abziehen. Dort seien nach einem Militäreinsatz von US-Soldaten neun Menschen verschwunden. Bei einer anderen Operation sei ein Student festgenommen worden. Später wurde seine enthauptete Leiche gefunden, wie es weiter hieß.
Die US-Truppen sorgten gemeinsam mit ihren bewaffneten Verbündeten für "Unsicherheit und Instabilität" hieß es weiter. Mehrere Einwohner der Provinz hatten sich laut dem Präsidentensprecher zuvor bei der Regierung in Kabul über willkürliche Festnahmen und Hausdurchsuchungen beschwert. Nach einer Untersuchung der Vorwürfe habe sich Karzai zu der Maßnahme entschlossen.
Weniger als zwei Jahre vor dem Abzug der US-geführten Nato-Kampftruppen aus Afghanistan nehmen die Spannungen zwischen den Regierungen in Kabul und Washington erkennbar zu. Zuletzt hatte Karzai Mitte Februar verfügt, dass die afghanische Armee künftig keine Luftangriffe der Nato mehr anfordern darf, nachdem bei einem solchen Angriff mehrere Frauen und Kinder getötet worden waren.
In Wardak haben die afghanischen Sicherheitskräfte große Schwierigkeiten, die Oberhand über die radikalislamischen Taliban-Rebellen zu gewinnen. Militär-Transporte nach Kandahar und in die südlichen Provinzen werden dadurch erheblich erschwert.
Bei zwei Selbstmordanschlägen in Puli Alam, der Hauptstadt der ebenfalls an Kabul grenzenden Provinz Logar, und in Dschalalabad wurden mindestens drei afghanische Sicherheitsvertreter getötet. In Dschalalabad sprengte sich nach Polizeiangaben ein Selbstmordattentäter vor der örtlichen Geheimdienstzentrale in die Luft. In Puli Alam riss ein Attentäter einen Polizisten mit sich in den Tod. Einen dritten Selbstmordanschlag in Kabul konnte die Polizei nach Angaben ihres Chefs Mohammad Ajub Salagi vereiteln. Der Mann sei bei dem Versuch erschossen worden, mit seinem mit Sprengstoff beladenen Geländewagen in das Diplomatenviertel einzudringen.
nck/AFP/dpa
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