Neu-Delhi/Islamabad - Indiens Armeechef Bikram Singh hat Pakistan offen mit Rache gedroht, wenn in der geteilten Region Kaschmir wieder die Waffenruhe gebrochen werde. "Indien behält sich das Recht vor, zu einer Zeit und an einem Ort seiner Wahl zurückzuschlagen", sagte Singh. "Wir werden nicht passiv bleiben, wenn wir angegriffen werden."
Der Armeechef forderte bei einem erneuten Angriff Pakistans eine "aggressive" Reaktion seiner Soldaten. "Wir erwarten von unseren Kommandeuren, dass sie aggressiv sind. Die Befehle sind sehr klar: Im Fall einer Provokation erwarte ich von meiner Kommandoeinheit, dass sie darauf reagiert."
Singh warf Pakistan vor, einen schweren Angriff am Dienstag vergangener Woche geplant zu haben. "So eine Operation benötigt Zeit und Planung und bedarf detaillierter Aufklärung." Bei dem Gefecht waren nach offiziellen indischen Angaben zwei Soldaten getötet worden. Die Leichen wurden demnach verstümmelt, einer fehlte der Kopf. Pakistan bestreitet aber, dass es einen derartigen Vorfall gab. Die Regierung in Islamabad wirft Indien dagegen vor, bei unprovozierten Angriffen zwei pakistanische Soldaten getötet zu haben.
Ein Krisentreffen zwischen Brigadegenerälen der Atommächte blieb derweil ohne Ergebnis. Der indische Armeesprecher Jagdeep Dahiya berichtete, Indien habe die Rückgabe des Kopfes des enthaupteten Soldaten gefordert.
Die pakistanische Armee teilte nach dem Treffen mit, man habe Protest bei der indischen Armee gegen deren "andauernde Waffenstillstandsverletzungen" an der Demarkationslinie eingelegt. Pakistan habe nicht unprovoziert geschossen, keine indischen Stellungen angegriffen oder indische Soldaten getötet.
Indien und Pakistan haben Ende 2003 in der geteilten Region Kaschmir einen Waffenstillstand vereinbart. Trotzdem kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, für die sich die Truppen beider Länder in der Regel gegenseitig verantwortlich machen. Die derzeitigen Verletzungen der Waffenruhe sind allerdings die bislang schwersten seit dem Abkommen vor gut neun Jahren.
als/dpa/AFP
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