Mehr als 20 Jahre Verhandlungen Anrainerstaaten einigen sich über Zukunft des Kaspischen Meeres

Es geht um Öl, Gas - und Kaviar: Die fünf Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres haben sich weitgehend auf einen rechtlichen Status des weltweit größten Binnengewässers geeinigt. Eine Frage aber bleibt offen.

Kasachisches Ölfeld im Kaspischen Meer
REUTERS

Kasachisches Ölfeld im Kaspischen Meer


Russland, Iran, Kasachstan, Turkmenistan und Aserbaidschan teilen sich das Kaspische Meer. Nun haben die Staatschefs dieser Länder nach mehr als 20 Jahren Verhandlungen ihren Streit über den rechtlichen Status des weltgrößten Binnengewässers weitgehend beigelegt.

Sie unterzeichneten am Sonntag im kasachischen Küstenort Aktau eine entsprechende Übereinkunft. Der russische Präsident Wladimir Putin sprach von einem ausgewogenen Vertrag, der die Zusammenarbeit auf ein neues partnerschaftliches Niveau hebe. Die Staaten müssen das Dokument noch ratifizieren.

Russlands Präsident Wladimir Putin auf dem Gipfel in Aktau
AFP

Russlands Präsident Wladimir Putin auf dem Gipfel in Aktau

Der Streit über den Status des Binnenmeeres, das etwas größer ist als Deutschland, war nach dem Zerfall der Sowjetunion aufgekommen. Bis dahin hatten das zaristische Russland beziehungsweise später die Sowjetunion und die Perser - heute Iran - das leicht salzige Gewässer kontrolliert.

Mit der Unabhängigkeit Aserbaidschans, Kasachstans und Turkmenistans 1991 kamen drei weitere Staaten hinzu, die eigene Ansprüche anmeldeten. Seit 1996 haben die fünf Länder über den Verlauf der Seegrenzen und die Nutzung des Gewässers verhandelt.

Aufteilung von Boden und Untergrund weiter unklar

Zwar bezeichneten die Gipfelteilnehmer die Einigung als historisch, doch eine der zentralen Fragen blieb nach iranischer Darstellung offen. "In der Konvention über den rechtlichen Status des Kaspischen Meeres wird die Aufteilung des Bodens und des Untergrunds noch nicht definiert", sagte der iranische Präsident Hassan Ruhani der Agentur Interfax zufolge. Darüber müsse weiter verhandelt werden.

Die Aufteilung des Meeresbodens ist wirtschaftlich entscheidend für die Ausbeutung der großen Mengen an Öl und Gas, die unter dem Kaspischen Meer lagern. Zudem hängt davon ab, wie Pipelines durch das Gewässer gebaut werden können.

Turkmenistan ist daran interessiert, seine Energieressourcen über Aserbaidschan nach Südeuropa liefern zu können. Europa könnte dadurch unabhängiger von russischem Gas werden. Russland hatte in der Vergangenheit den Bau einer transkaspischen Pipeline von Turkmenistan nach Aserbaidschan zu verhindern versucht, um seine Position als Gaslieferant für Europa zu wahren.

Die Konvention regelt unter anderem auch, dass keine Streitkräfte von Drittstaaten das Kaspische Meer nutzen dürfen. Dies war vor allem Russland ein Anliegen. Moskau betrachtet weite Teile der Region als seine traditionelle Einflusssphäre. Putin schlug den Gipfelteilnehmern zudem eine Zusammenarbeit etwa beim Transport, beim Kampf gegen Drogenschmuggel und im Tourismus vor.

dop/dpa



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