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Teherans Mann für Syrien: Irans gefährlichster General

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Kuds-Brigaden: Irans Exporteure der Revolution Fotos
DPA

Er ist Teherans Mann für heikle Missionen im Ausland: Kassim Soleimani, Chef der Eliteeinheit al-Kuds. In Afghanistan und im Irak hat er den Amerikanern bereits schwer zu schaffen gemacht. Jetzt soll er Irans Einfluss in Syrien retten.

Teheran/Damaskus - An Selbstbewusstsein mangelt es dem etwa 1,66 Meter großen General nicht. "Sie sollten wissen, dass ich, Kassim Soleimani, die iranische Politik steuere, was den Irak, den Libanon, Gaza und Afghanistan betrifft", ließ er 2008 dem US-General David Petraeus ausrichten, damals Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen im Irak. So berichteten es Diplomaten in von WikiLeaks veröffentlichten Depeschen. Inzwischen könnte Soleimani noch ein weiteres Land dieser Liste hinzufügen: Syrien.

Der 56-Jährige mit dem akkurat gestutzten grauen Bart ist Chef der Kuds-Einheit, der Besten der Besten. Sie ist die für Auslandseinsätze zuständige Task Force der iranischen Revolutionsgarden, der Elitetruppen der Islamischen Republik. Nur der Oberste Revolutionsführer, Ajatollah Ali Chamenei, hat Soleimani Weisungen zu erteilen.

Soleimanis Mission als Chef der Kuds-Einheit ist es, die Prinzipien der Islamischen Republik zu verbreiten und das iranische Regime gegen mögliche Bedrohungen von außen abzusichern. Dabei ist Soleimanis Devise "Angriff ist die beste Verteidigung", so der Iran-Experte Ali Alfoneh. Er hat mehrere Artikel über den "gefährlichsten General", wie er ihn nennt, veröffentlicht, darunter diese Soleimani-Biografie.

Im Sog der Aufstände gegen den Schah trat Soleimani als junger Mann den Revolutionsgarden bei. Seitdem marschiert er in ihren Reihen von Erfolg zu Erfolg. Er gilt als mutig und ungeduldig bis an die Grenze zur Tollkühnheit, ehrgeizig, intelligent und extrem charismatisch. 1997 oder 1998 wurde er zum Chef der Kuds-Einheit ernannt. Wann genau, ist nicht sicher - die Soldaten der Einheit sind Schattenkrieger. Erfolg heißt für sie auch, wenn wenig über ihre Einsätze und Kämpfer bekannt wird.

Soleimanis wichtigste Einsätze als Chef der Kuds:

  • Afghanistan: Der Aufstieg der sunnitischen Radikalislamisten in Irans Nachbarland machte Teheran Sorgen. Soleimani unterstützte erst die Taliban-Gegner. Dann half er nach dem Einmarsch der Nato-Truppen, diesen das Leben schwer zu machen.
  • Irak: Nach dem Sturz von Saddam Hussein unterstützte Teheran schiitische Milizen. Diese Kämpfer machten den US-Soldaten zu schaffen. Spätestens seit dem US-Abzug dürfte Teherans Einfluss in Bagdad größer sein als der Washingtons. Viele der Milizionäre sind inzwischen in den irakischen Sicherheitsapparat und die Bürokratie aufgerückt.
  • Saudi-Arabien: Auch hinter einem Anschlagsversuch auf den saudischen Botschafter in den USA 2011 wurde Soleimani vermutet. Doch sicher belegt ist dies bis heute nicht.

Nun soll es der General in Syrien richten.

Für Syrien hat Soleimani bereits einen Plan B

Seit Beginn der Aufstände gegen Baschar al-Assad kommt Kassim Soleimani häufig nach Damaskus. Er berät das syrische Regime, sorgt für den reibungslosen Ablauf der iranischen Waffentransporte, schickt Berater für Assads Armee und Milizen und offenbar sogar kleine Teams für den direkten Kampf gegen die Rebellen, wie Video-Aufnahmen der Revolutionsgarden zeigen, zuletzt ausgewertet von der BBC. Soleimani hat in Syrien bereits einen seiner wichtigsten Männer verloren.

Washington schätzte Soleimanis Rolle in Syrien schon sehr früh als wesentlich ein. Bereits im April 2011 setzte es ihn auf die Syrien-Sanktionsliste. In dieser ersten Sanktionsrunde im Zuge der syrischen Aufstände ist Soleimani neben Mohsen Schisari, der bei den Kuds-Brigaden für die Ausbildung zuständig ist, der einzige Ausländer. Außer ihnen stehen acht Syrer auf der Liste, darunter Baschar al-Assad höchstpersönlich sowie dessen Geheimdienstchefs.

Seit fast drei Jahren unterstützt Iran den syrischen Verbündeten massiv. Dies hat nicht nur Irans Ruf in der arabischen Welt geschadet, sondern auch wirtschaftlich erhebliche Nachteile gebracht. Inzwischen beginnt man in Iran darüber nachzudenken, wie man den Einfluss in Syrien kostengünstiger behaupten könnte.

Und Soleimani hat für Syrien längst den Plan B für den Fall, dass Assad doch einmal stürzt. Er lässt inzwischen Teheran-treue Milizen ausbilden, getreu der Strategie, die sich auch im Irak und im Libanon als erfolgreich erwiesen hat. Im Libanon setzte Iran während des Bürgerkriegs auf eine neue schiitische Bewegung. Sie nannte sich Hisbollah - und ist heute die stärkste Kraft im Staat.

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1. nicht nötig
sysiphus-neu 10.11.2013
Ein Plan B scheint gar nicht nötig zu sein. Die reguläre syrische Armee und ihre Alliierten sind seit Monaten auf der Siegerstraße, sie schlagen die Dschihadisten und die letzten traurigen Reste der sogenannten FSA an allen Fronten. Sowohl die südlichen Vororte von Damaskus als auch die südöstliche Peripherie von Aleppo wurden erst kürzlich von der SAA befreit, was die Lage in beiden Metropolen erheblich verbessert. In etwa 6 Monaten dürften die Islamisten im Landesinneren endgültig geschlagen sein, dann verbleiben nur noch Teile der Grenzstreifen zur Türkei und zu Jordanien - beides dürfte beherrschbar sein. Wenn diese positive Entwicklung auch der Unterstützung durch den Iran zu verdanken ist, dann hat General Soleimani ganz hervorragende Arbeit geleistet.
2. Sehr zu begrüßen
erasmus89 10.11.2013
das der Iran offensichtlich die besseren Strategen hat, als die NATO und die Golfstaaten. Denn würde der Iran Syrien nicht stützen, wären jetzt Langbärte in Damaskus, die die Alawiten, Drusen, Kurden und Christen auf den Straßen schlachten würden. Gegen den sunnitischen Islamismus kann nur mit harter Gewalt vorgegangen werden, die NATO machts ja mit ihrem Drohnenkrieg vor.
3. Die übliche Kriegstreiber Propaganda bei SPON?
nano-thermit 10.11.2013
Das hatten wir ja schon ein paar Wochen nicht, seit Amerika sich in Syrien dich nicht bedienen durfte wie es wollte. Jetzt geht's wieder los? 1million Tote in Irak, mal schauen wieviele Zivilisten wir in Syrien umbringen können?! Viel Spaß?
4.
ein anderer 10.11.2013
Wurde der Mann in den USA geschult? Denn seine Strategien sind denen von den CIA praktizierten nicht sehr verschieden.
5.
interessierter_mitbürger 10.11.2013
Zitat von sysopddp images/ AY-COLLECTION/ SIPAEr ist Teherans Mann für heikle Missionen im Ausland: Kassim Soleimani, Chef der Eliteeinheit al-Kuds. In Afghanistan und im Irak hat er den Amerikanern bereits schwer zu schaffen gemacht. Jetzt soll er Irans Einfluss in Syrien retten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kassim-soleimani-und-die-mission-der-kuds-brigaden-in-syrien-a-930458.html
Für USA und Europa ist das alles weit weg. Für den Iran ist das Hinterhof und Vorgarten. Ist eine gewisse Vertretung eigener Interessen und die Sicherung eigener Sicherheit, dann nicht auch legitim oder zumindest legitimer? Wieviele der Anschläge und Terrorangriffe im Irak gehen denn auf das Konto der Schiiten? Inwiefern machte man denn den Nato-Truppen in Afghanistan das Leben schwer?...und was tat und tut "der Westen" dem Iran an? Sanktionen, Unterstellungen, Kriegsdrohungen,Versuch der Einflussname (auf die Nachbarstaaten),Entfesselung eines Bürgerkriegs im Nachbarland,...
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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