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12. September 2012, 00:23 Uhr

Großdemo in Barcelona

Eineinhalb Millionen Katalanen demonstrieren für Unabhängigkeit

Es war eine gigantische Machtdemonstration auf den Straßen Barcelonas: Eineinhalb Millionen Menschen haben für die Unabhängigkeit Kataloniens demonstriert - die Regionalregierung hatte dazu aufgerufen. Sie will den Druck auf Madrid erhöhen, weil sie sich bei der Steuerverteilung benachteiligt fühlt.

Barcelona - Sie schwenkten katalanische Fahnen, viele von ihnen trugen dazu die charakteristische Mütze der Katalanen. Weit mehr als eine Million Menschen haben am Dienstag in Barcelona für einen unabhängigen katalanischen Staat demonstriert. Die im März gegründete Unabhängigkeitsbewegung Katalanische Nationalversammlung (ANC) hatte zu der Demonstration am Nationalfeiertag Kataloniens ("Diada") aufgerufen.

Die Zahl der Teilnehmer übertraf alle Erwartungen. Die ANC sprach sogar von zwei Millionen Teilnehmern. Während des Marschs von der Plaça de Catalunya durch das Stadtzentrum zum Regionalparlament am katalanischen Nationalfeiertag, der Diada, erklang immer wieder der Ruf "In- Inde- Independencia" (Unabhängigkeit).

Die Großkundgebung im Zentrum Barcelonas stand unter dem Motto "Katalonien, ein neuer Staat Europas". Sie war die größte Demonstration in der Geschichte der Region im Nordosten Spaniens. Bis zu eintausend Reisebusse mit Demonstranten waren nach Angaben der katalanischen Zeitung "La Vanguardia" aus allen Teilen der Region in die Hauptstadt Kataloniens gefahren.

Die Demonstranten warfen der Zentralregierung in Madrid vor, aus Geldnot Milliarden aus der nordöstlichen Region abzuziehen. Viele Katalanen haben das Gefühl, deutlich zu viel Steuergelder nach Madrid abgeben zu müssen - während die Regionalregierung gezwungen ist, Beschäftigte entlassen und Leistungen zu kürzen.

Katalonien ist eine der reichsten Regionen Spaniens. Von der Wirtschaftskraft her ist die Region im Nordosten des Landes gar die Nummer eins unter den 17 "autonomen Gemeinschaften" in Spanien. Dennoch ist Katalonien stark verschuldet: Die Regionalregierung mutmaßt, dass ein großer Teil der eingenommenen Steuern nicht nach Katalonien zurückfließt, sondern an ärmere Regionen in Südspanien verteilt wird.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut CEO befürworten 51 Prozent der Katalanen die Unabhängigkeit. Diese Zahl sei in den vergangenen Jahren wegen der gravierenden Wirtschaftskrise in Spanien ständig gewachsen.

In anderen Sprechchören wurde der spanische Zentralstaat beschuldigt, Katalonien in die Krisenspirale hineinzuziehen. Die vom katalanischen Bündnis Convergència i Unió (CiU) gestellte Regionalregierung hatte dazu aufgerufen, sich massiv an der Demonstration zu beteiligen. Sie will Druck auf die Regierung in Madrid ausüben, damit diese den Haushaltspakt revidiert. Darin ist festgelegt, wie viel der vom Zentralstaat eingetriebenen Steuern die Region im Nordosten Spaniens erhält.

Der Regierungschef der autonomen Region Katalonien, Artur Mas, warnte die Zentralregierung in Madrid, dass "Kataloniens Weg in die Freiheit sich öffnen wird", wenn Madrid und Barcelona keine Einigung über einen Fiskalpakt erzielten. Die Regierung in Barcelona klagt seit längerem darüber, dass Katalonien mehr als 16 Milliarden Euro jährlich zur Entwicklung der restlichen Regionen Spaniens beisteuere, ohne dass davon etwas in die katalanische Kasse zurückfließe.

Katalonien ist mit 7,5 Millionen Einwohnern die wirtschaftlich stärkste Region Spaniens. Die separatistische Bewegung behauptet, dass ein unabhängiges Katalonien zu den wichtigsten Wirtschaftsmächten in Europa gehören würde. Mit 42 Milliarden Euro ist Katalonien allerdings auch die am meisten verschuldete Region Spaniens. Die Schulden belaufen sich auf 21 Prozent des katalanischen Bruttosozialprodukts.

Die Regionalregierung hatte im August bei der Regierung in Madrid Nothilfe im Umfang von gut fünf Milliarden Euro beantragt. In der nordöstlichen Region, die rund ein Viertel des spanischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet, beläuft sich laut der Website El Confidencial der Schuldenstand auf rund 48 Milliarden Euro.

Katalonien hatte zudem im März verkündet, eine Bettensteuer einzuführen. Barcelona-Besucher und Costa-Brava-Urlauber müssen Hoteliers ab dem 1. November bis zu 2,50 Euro pro Nacht extra zahlen.

kha/dpa/AFP

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