Politik

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Demos zum katalanischen Nationalfeiertag

Die Spalter sind gespalten

Die Katalanen feiern Nationalfeiertag, doch Einheit sieht anders aus. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist gegen einen eigenen Staat, die andere Hälfte dafür. Den Aufmüpfigen ist eine Reizfigur abhandengekommen.

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Dienstag, 11.09.2018   08:42 Uhr

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An diesem 11. September werden sie ihre rot-gelb-blauen Fahnen hervorkramen und die gelben T-Shirts überstreifen, für die farbenfrohe Riesen-Demo.

Zehntausende, Hunderttausende werden auf Barcelonas Avenidas ziehen, zum katalanischen Nationalfeiertag Diada. Sie werden gemeinsam Volkslieder singen, womöglich bilden einige Mutige wieder "Castells" - die schwindelerregenden Menschenpyramiden, in denen sich jeder auf seinen Nächsten verlassen muss, sollen die kulturelle Eigenständigkeit Kataloniens symbolisieren. Und den Zusammenhalt.

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Im realen Leben der Katalanen hapert es mit dem Zusammenhalt allerdings derzeit. Die Unabhängigkeitsbestrebungen eines Teils der Bevölkerung, das irreguläre Abspaltungsreferendum von Spanien, eine verquaste Unabhängigkeitserklärung, die Zwangsverwaltung durch Madrid, Inhaftierungen separatistischer Politiker, die Flucht des Ex-Regierungschefs Carles Puigdemont, dessen Verhaftung in Deutschland und das letztlich ergebnislose Auslieferungsverfahren - all das polarisiert.

Etwa die Hälfte der Katalanen ist entschieden gegen den katalanischen Staat. Die andere Hälfte will die Loslösung - oder mehr Autonomie. Es ist verfahren.

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Die Diada offenbart die Spaltung. Die drei größten prospanischen Parteien im katalanischen Parlament boykottieren die Demonstration. Aber selbst unter denen, die mitmachen, herrscht Uneinigkeit und Unklarheit, wofür genau sie auf die Straße gehen.

"Das prokatalanische Lager hat sich intern weiter ausdifferenziert", sagt der deutsch-katalanische Politologe Peter A. Kraus von der Uni Augsburg. "Es gibt Hardliner und Softliner - und innerhalb der Blöcke unterschiedliche Positionen."

Im katalanischen Herbst 2017 hatten die drei separatistischen Parteien ein gemeinsames Ziel. Sie wollten das verfassungswidrige Referendum gegen den Willen Madrids durchziehen - und anschließend möglichst die Unabhängigkeit verwirklichen. Ihr Plan scheiterte. Das Plebiszit war irregulär, Madrid setzte die Regierung ab, kein Staat erkannte die proklamierte "República Catalana" an.

Und nun?

"Die Uneinigkeit ist nicht gut für unsere Sache", sagt eine führende Unabhängigkeitsaktivistin im Gespräch mit dem SPIEGEL. "Wir haben kein gemeinsames Ziel, keinen gemeinsamen Plan, wie wir weiter machen."

Ihr Feindbild Nummer eins ist den Independentistas abhandengekommen. Mariano Rajoy, der konservative Hardliner, ist nicht mehr Premier in Madrid. Sein Nachfolger, der Sozialist Pedro Sánchez, beschwört den Dialog. Kürzlich hat er Barcelona sogar ein Referendum angeboten - über Autonomie, nicht über die Abtrennung von Spanien. Wie und worüber soll man mit Sánchez verhandeln? Diese Frage spaltet die Bewegung.

"Die Diada wird ein Motivationstest"

Einig sind sich die Independentistas nur über ihre Solidarität mit den Politikern und Aktivisten, die in Untersuchungshaft sitzen. Demnächst sollen die Prozesse beginnen, Spaniens Justiz wirft den Angeklagten unter anderem gewalttätige Rebellion vor. Dutzende spanische Rechtswissenschaftler halten das für überzogen. Wie auch das OLG Schleswig. Es lehnte ab, Puigdemont wegen Rebellion auszuliefern.

Die Prozesse werden die Katalanen wieder aufwühlen. Schon jetzt liefern sie sich einen absurden Streit um gelbe Schleifen, die überall in Katalonien hängen. Sie symbolisieren Solidarität mit den Inhaftierten. Die Sympathisanten hängen sie auf, die Gegner hängen sie ab. Man beschimpft einander, ab und an gibt es kleinere Handgreiflichkeiten.

Wie gut die Independentistas mobilisieren können, wird der Dienstag zeigen. "Die Diada wird ein Motivationstest", sagt Kraus. "Es geht darum, massive Präsenz auf den Straßen zu zeigen, mit mehreren Hunderttausend Menschen." Die Latte liegt hoch. Zur Diada 2017 kamen mehr als 600.000.

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