Ex-Katalanenpräsident Puigdemont gründet neue Separatistenbewegung

"Nationaler Ruf nach der Republik": So heißt eine neue Bewegung in Katalonien, die sich für eine Unabhängigkeit von Madrid starkmachen soll. Einer der Gründer ist der ehemalige Regionalpräsident Carles Puigdemont.

Carles Puigdemont
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Carles Puigdemont


Erst vor wenigen Tagen machte das Oberlandesgericht in Schleswig den Weg für seine Auslieferung frei, nun sorgt Carles Puigdemont mit einem neuen Politprojekt für Aufsehen: Zusammen mit seinem Nachfolger Quim Torra hat der ehemalige Katalanenpräsident eine neue separatistische Bewegung ins Leben gerufen. Unter dem Namen "Crida Nacional per la República" (Nationaler Ruf nach der Republik) soll die Organisation dazu dienen, auf die Gründung einer eigenständigen katalanischen Republik hinzuarbeiten.

An einem Festakt im Barcelona, bei dem ein entsprechendes Manifest verlesen wurde, nahm Puigdemont per Videoschalte teil. Er forderte alle Interessenten auf, sich der Bewegung anzuschließen.

Befürworter und Gegner - Unser Kampf um Katalonien

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Bislang gibt es in Katalonien mindestens drei Parteien, die die Unabhängigkeit der Region von Madrid befürworten. Im Herbst soll aus der neuen Bewegung eine Partei werden, die sämtliche Unabhängigkeitsbefürworter vereint und einen "unabhängigen Staat in Form einer Republik" anstrebt. "Wir sind stärker, wenn wir übergreifend und vereint handeln können", sagte Puigdemont.

Der 55-Jährige war im Herbst im Zuge eines verbotenen Unabhängigkeitsreferendums ins Ausland geflohen und hält sich derzeit in Deutschland auf. "Das Volk hat dem Mandat (des Referendums) immer die Treue gehalten und trotz aller Schwierigkeiten nicht nachgegeben", sagte Puigdemont. "Wir müssen weiterkämpfen, uns der ungerechtfertigten Repression stellen und uns weiter in Richtung einer katalanischen Republik bewegen."

Separatisten erringen erneut Mehrheit

Nach dem Referendum war Puigdemont von der spanischen Zentralregierung in Madrid abgesetzt worden und mit mehreren Mitstreitern ins Exil geflüchtet. Die spanische Justiz beschuldigte Puigdemont der Rebellion, des Aufruhrs und der Veruntreuung öffentlicher Gelder. Er floh im Oktober nach Belgien und wurde im März auf Grundlage eines von Spanien erwirkten europäischen Haftbefehls auf der Durchreise in Schleswig-Holstein festgenommen. Er kam unter Auflagen frei.

Die Justiz in Schleswig-Holstein will den Politiker wegen des Vorwurfs der Veruntreuung an Spanien ausliefern - aber nicht wegen Rebellion, dem Hauptvorwurf der spanischen Justiz. Ein Richter in Madrid muss über das weitere Vorgehen entscheiden.

Weitere katalanische Spitzenpolitiker sitzen seit dem Herbst in U-Haft. Dennoch hatten die Separatisten bei einer Neuwahl im Dezember erneut die Mehrheit errungen. Damals war Puigdemont noch mit dem Wahlbündnis Junts per Catalunya angetreten - dieses könnte Medienberichten zufolge nun in der neuen politischen Bewegung aufgehen.

vks/dpa/AFP



insgesamt 89 Beiträge
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just me 17.07.2018
1. Es wird wenig darüber berichtet
In den deutschen Medien wird sehr wenig über die Situation in Katalonien berichtet, so dass der normale Leser sich kein gutes Bild machen kann und auch diesen Artikel nicht einordnen kann. Auch können nur wenige gut genug Kastillanisch und Katalanisch um die muttersprachlichen Artikel lesen zu können. Als Resultat davon wird dann immer wieder unzurecht direkt Spanien mit D. verglichen. Nach dem Motto "was wäre wenn bei uns Bayern unabhängig werden wollte".
Heinzerl91 17.07.2018
2. Hoffentlich wirds
Zu wünschen wäre es den Katalanen, dass es in einem neuen Anlauf was wird. Due EU sollte sie eher stützen, was besseres gibt es doch nicht, als kleine, demokratische und wirtschaftlich starke Staaten. Wenn man sich im Gegensatz dazu die Spanische Regierung anschaut, die mit Gewalt die Katalanen unterdrückt...
mistermister 17.07.2018
3. Nationalist
Der Spiegel hofiert hier einen Nationalisten, wie er schlimmer nicht sein könnte. Erstaunlich. Dass er jedoch in eine Schublade mit Le Pen, Conte, Farage etc passt, interessiert die wenigsten. Der Typ gehört eindeutig ins Gefängnis. Seine Ziele sind zerstörerisch.
gesell7890 17.07.2018
4. Wird
Zeit, daß dieser Hetzer im Knast verschwindet, wo er hingehört!
urmedanwalt 17.07.2018
5. Ein Unbelehrbarer
der dauernd mit dem Feuer spielt. Dieser Kerl ist ebenso ein Psychopath wie der frühere Ministerpräsident. Wir haben genügend Spalter in der EU und brauchen nicht noch einen Brandherd. Die sollen ihn endlich ausliefern und gut is. Prozess wegen Untreue, und wenn er dann nochmal gegen das spanische Gesetz verstößt, kann die Justiz ihn auch wegen Rebellion anklagen, wenn das dort strafbar ist.
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