Carles Puigdemont Kataloniens Regierungschef attackiert Premier und König

Wird sich Katalonien noch diese Woche von Spanien lossagen? Regionalpräsident Puigdemont hielt nun eine mit Spannung erwartete Rede. Er kritisierte König Felipe scharf - ließ sich aber eine Hintertür für Verhandlungen mit Madrid offen.

Carles Puigdemont
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Einen Tag, nachdem Spaniens König Felipe VI. das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien scharf verurteilt und die Einheit des Landes betont hat, wandte sich wiederum Kataloniens Regionalpräsident Carles Puigdemont an die Öffentlichkeit. Und kritisierte seinerseits den König.

"Der König macht sich den Diskurs und die Politik der Regierung Rajoy zu eigen, die katastrophal für Katalonien waren", sagte Puigdemont. "Und er ignoriert absichtlich die Millionen Katalanen, die nicht so denken. Er ignoriert absichtlich die Katalanen, die Opfer einer Polizeigewalt gewesen sind, die die Welt schockiert hat. Dabei schuldet der König den Katalanen Respekt, weil es so die Verfassung verlangt. Eine Verfassung, die ihm eine vermittelnde Rolle auferlegt."

Dann wandte sich Puigdemont direkt an Felipe: "Sie haben viele Menschen in Katalonien enttäuscht, die Sie schätzen und die in schwierigen Momenten der Monarchie geholfen haben. Menschen, die von Ihnen einen anderen Ton erwartet haben, einen Aufruf zum Dialog."

Erneut ließ sich Puigdemont aber auch eine Hintertür für Verhandlungen mit Madrid offen: "Diese Situation verlangt nach Vermittlung". Er habe immer gesagt, dass er für einen Dialog offen sei. "Ich stehe für einen Vermittlungsprozess zur Verfügung, weil der Frieden, der Dialog und die Verhandlung zu unserer politischen Natur gehören", sagte Puigdemont über sich und die Katalanen.

Trotzdem will er das Ergebnis des Referendums offenbar zügig umsetzen - Katalonien soll bald seine Unabhängigkeit von Spanien ausrufen, vielleicht sogar bereits am kommenden Montag. "Meine Regierung wird keinen Millimeter von ihrer Verpflichtung abrücken", sagte der 54-Jährige. Die Rajoy-Regierung mahnte er, für einen Dialog offen zu sein. "Es wäre unverantwortlich, die Angebote auszuschlagen."

Die Antwort aus Madrid erfolgte umgehend, das Büro des spanisches Premierministers Rajoy teilte mit, wenn Katalonien Verhandlungen wolle, müsse es zuerst das Gesetz respektieren.

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pad/che/mja/dpa/Reuters

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